Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 21.02.1709

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Dero liebsts schreiben vom 1ten dis habe zu meiner consolation 3empfangen, in deme daraus dero wolstandt ersehen, auch 4den gutten löbligen eifer den römischen vergleich betreffendt, 5welcher nuhnmehro ohne zweifel auch vill durch dero Liebden eifrige 6reccomendation aldorten zum glükhligen schluß gebracht 7worden. Wegen der erkantnus meines sohns ist noch 8einiger anstandt, hoffe aber auch durch dero Liebden 9reccomendation sich dises ihr Heiligkeit resoluiren werden. 10Sage auch dero Liebden schuldigen dankh vohr die recrouten vohr 11Cattalognen vnd consens die battallons batta zu 12redouciren, vohr welches mein sohn dero Liebden vnentlich 13obligirt sein wirt. Bitte auch verners bey denen 14alijrten dero officia zu interponiren, darmit so woll 15dorthin die nötige gelt sucurs als in Portogall 16die troupen a tempo möchten vberschiket werden.


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17Wegen der Oberen Pfalz werde mich weiters beim Wißer 18informiren, bitte nochmahlen dero Liebden, doch alles so einzurichten, 19damit man bederseits mit satisfaction heraus komme. 20Was das lehen Pfrimbt anbelangt, währe mein meinung, 21alle weitlaüfichkeit vnd dissapori, so bederseits möchten 22enstehen, zue vermeiden, das dero Liebden durch ein schreiben oder durch 23den Wißer dem Keiser offeriren ließen, dem Fürsten Lamberg 24solches conferirn zu wollen, welcher es auch von dero Liebden 25gahr gern empfangen mitt vnterdehnigstem dankh wirt, im 26übrigen auch versichern, das sie nie geglaubt, das ihnen 27die genommene posess werde übel genommen werden vnd 28das sie verlangen, auf keine weis den Keiser im geringsten 29zu manquiren an respect vnd lieb, auch gern alles billige ein- 30gehen werden. So, hoffe ich, wirt man mitt gutter manir aus 31der sach kommen können. Den Wißer vermeine ich auf 32keine weis, das solle auocirt werden, insonderheit biß 33diße sach, in welchem er zum besten informirt 34vndt dero Liebden gewißlich eifrich vndt trew gedient hatt, 35ausgemacht werde. Versicher auch dero Liebden, das mein geliebster 36sohn, der Keiser, niks wider in haben vndt nit verlangen 37diße auoccation wie auch die meristen ministri,


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38welche mit ihm woll zu friden sein, vnd werden sich ander, 39die er aus eifer zu dero Liebden villeicht etwas digustirt hatt, auch 40auch schon wider begütten. Die troupen in Niderlandt be- 41treffendt, werd ich es mein sohn also vohrdragen vnd dero Liebden mit nechsten 42darauf weiters dienen. Die posten betreffendt, so ist es freilich 43leider also, das andere herren ihnen dises priuilegium selbst 44genommen haben, man hier auch alles möglige darwider 45gedahn vnd annoch suechet, woh möglich zu remediren. Wan 46dero Liebden es also auch duen, werden die andren desto mehr darinnen 47gestreift vnd die sach durch dero exempel allzeit schweher 48zu remediren sein wirt, dah es doch dero Liebden selbsten leicht begreiffen 49werden, das es dem Reich höchst schädlich vndt die üblesten 50sequelen nach sich zihen wirt. Also wollen dero Liebden die sach woll 51vndt reiflich bedenken vnd woll zu herzen nemmen, eh 52sie weiters was resoluiren. Bruder Carl betreffendt bedanke mich 53an statt seiner der überschikten hilff, wirt aber woll nötich 54sein, ein beßere economia einzufüren, sonst wirt auch dis 55nit erkleken. Den Maceotti, was ich dero Liebden geschriben, ist nit allein 56wegen ecconomia, sondern vill andere sachen, die mich darzu 57bewogen, vnd gahr mit guttem fundament. Ist aber gahr 58mein intention nit, das man ihn mitt übler manier 59oder mitt gewalt amouiren solle, sondern das vnsern 60bruder von disem niks solte gemelt werden vndt dero Liebden etwan 61vnter ein andren pretext zue dero eigenen dienst in von vnsern


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62bruder auf ein zeit außzubitten, hernach wirt sichs schon verners 63geben. Bitte auch vnsern brudern niks zu melden, was ich dero Liebden geschrieben 64habe. Den Schallenberg betreffendt glaub ich woll, das in 65jezigen stand vnsers bruder schwär sey, in zu amouiren, allein 66förcht ich, hab der gutte Brunner nit die beste infor- 67mation genommen, dan notorie, das er so woll dem Bischoff 68als dem hochstifft sehr schädlich vnd vnser bruder vnfähl- 69bar wäre Bischoff zu Eigstett worden, wan es nit wegen seiner 70wäre verhindert worden. Iezt aber mues mans schon so laßen 71bis auf beßere zeiten. Den Prinz von Sulsbach freüdt 72mich woll bey dero Liebden zu wißen, due ihnen auch selben nach- 73mahlen bestens reccomendirn, hoff, er werts durch sein 74vnterdenichkeit meritirn. Ich aber lebe vnd sterbe 75dero Liebden 76getreweste schwester 77Eleonora 78Wien den 21 februarij 1709


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79Ihr Liebden herrn Curfürsten zu 80Pfalz, meinem herzallerlibsten 81herrn bruder