Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 21.09.1709
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerliebster herr bruder 2Obwollen mihr dero liebste schreiben allzeit ein trost, 3so hatt es mich doch dismahl bedrübt, erstens weil dero Liebden 4von der traurigen fonction vnd das testament melden, welches 5die schmerzlige wunden widerumb ernewert, 2 das sie 6mihr die hoffnung, so ich mihr kreftig gemacht, dero Liebden 7hir zu sehen, wollen benemmen, lies mihr gleich woll noch 8selbige nit gern gahr benemmen, dan der weg so kurz, auch 9dero Liebden, wan sie iah so notwendig eilen müeßen, sich auch nach 10derbeliben wehnig dag aufhalten können, das darduch dero 11wichtige geschafft nit so vill würden verhindert werden. 12Mihr wär es ein großer trost, vnd wurden dero Liebden eben 13wegen der mainzischen sach vndt auch sonsten hier villeicht 14vill gutts auswürken können. Doch due mich resigniren
15vndt wolte nit wegen meines particular trost weder dem publico 16schaden noch dero Liebden einige vngelegenheit aufdragen. 3 die nachricht wegen 17vnser bruder Bischof von Augschpurg, das er noch nit in besten standt, 18bedrübt mich nit wehnig, das capitul weis ich nit, ob es nit 19zue vill autoritet mit dißer occasion wirt nemmen. Der Freiberch 20ist ein erliger man, hatt große lieb vohr ihn vndt vnser ganz 21hauß, der wirt dero Liebden woll dienen können, in deßen bitte gott, das 22er den Bischof nach seinen willen die gesuntheit erdeilen wolle. 23Wegen Mains können dero Liebden versichert sein, das ich meines orts 24möglist cooperirn werde, stehe zwar an, ob ich mein sohn, 25den Keiser, derzeit noch daruon sagen solle, möcht etwan vnuorsehens 26gegen den Schönborn sich venden, doch mues man auch preueniren, 27damit dißer vns nit vohrkomme vnd den Keiser vohr sein 28bruder oder vetter, was er ist, impegnire. Ich will in ein wehnig 29sondiren, auch mitt dem Seiler, welcher ein trewer diner vom 30vnsern haus, darüber zu raht gehen, im übrigen erwarten, 31wan dero Liebden werden guttfinden, mit dem Reichsvizekanzler dauon zu 32schprechen. Ich weis auch nit, ob sich dero Liebden mit dem Curfürst 33so solten bloßgeben, so möcht er, wan er sein vettern haben wolle, 34desto stärker wider den Deütschmeister arbeiten,
35doch stelle alles deroselben heim, wie sie es zum 36besten finden werden. Ich aber werde leben vndt sterben 37dero Liebden 38getrewste schwester 39Eleonora 40Wien den 21ten septembris 170941Das dero Liebden mihr des testament wollen comuniciren, ist vnötig, vernewert mihr 42nuhr den schmerzen, laße alles dero Liebden über.





