Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 28.06.1710

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Aus dero liebsten schreiben vom 17ten passato hab ich 3mitt leidtwesen vernommen, das dero Liebden sich nit woll 4befunden haben. Derfen sich dero Liebden gahr nit entschuldigen, das sie 5nit geschriben, dan dero gesuntheit vohr alles gehet, 6vndt wäre mihr höchst bedrüeblich, wan dero Liebden sich die 7gerüngste vngelegenheit, so ihnen im geringsten an 8der gesuntheit schaden könte, machen dähten. Hoffe aber zu 9gott, das sie sich iezt in beßer gesuntheit befinden 10werden, welches mein einziger trost ist. Wegen des comissari, 11glaub ich, sey der Keiser mit dem, so dero Liebden geschriben, zufriden, 12dan ich weiter nichts dauon gehört hab vndt mihr 13bekant dero Liebden lieb vnd atention, so sie haben. Wegen des Prinz 14von Sulsbach freüdt mich, das ich dero Liebden intention gemeß meine 15gedanken zuesamen getroffen. Wegen der Königin in Schpanien


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16können dero Liebden versichert sein, das man alles vohr sie duen 17wirt, zue vodrist sie von ihrer gefangenschafft zu 18befreien, welches das vohrnemste. Hernach wirt 19man gar leicht alles einrichten können zu ihrer 20satisfaction, weil es alsdan vom meinen beden lieben söhn, 21Kaiser vnd Konig, dependiren wirt, welche gewißlich alls 22in der welt vohr sie duen werden, welches auch 23ihr schuldichkeit ist. Das aber dero Liebden ein pas an 24Frankreich begern sollen, findt ich nit rahtsamb, 25dan es mochte aufsehens geben bey den alijrten, vndt 26glaub ich, das es dero Liebden auch nicht erhalten wurden. 27Also wär mein meinung, nuhr auf ihre liberirung 28zue dringen, hernach wirt sich das übrige schon alls 29einrichten laßen vnd ihr ein ort geben werden, welches 30ihr angenehm vnd sie selbsten erwehlen wirt können. 31Wegen Preüßen duen dero Liebden woll, das sie vohrsichtig gehn, 32dan dise leüt sehr schlaw vndt dero Liebden vorteil nie befördern 33werden. Wegen Florenz werd ich mich nit recht explicirt 34haben, dan es nit, das ich gehört, das es der Großherzoch 35in willens habe, eins von den beyrischen kinder zu adoptiren, sondern


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36das man es ihme proponiren werde. Also hab ich nuhr 37dero Liebden es geschriben, damit sie den Grosherzog preueniren können, 38damit, wan ihme etwas dergleichen proponirt wurde, 39ihr Liebden sich in einlaßen wolten. Dero Liebden sein versichert, das 40man hier kein zweifl an deßen gutte intention hat vndt 41auch, so vill die conjuncturen zuelaßen werden, 42alle erdenklige risguardo auf seine Liebden haben 43werden vndt so vill möglich verschonen werden. Wegen 44des architekt, so auf Hanouer gehen soll, 45ist auch kein gedanken vndt hetten mihr auch 46hier keinen daugligen darzu. Man hatt aber auch 47schon an die catolischen cur vnd fürsten geschriben, 48sie zue adhortiren bey drag zu duen, vnd dero Keiser 49es auch seines orts duen wirt. Gott wolle vnser 50allein sehlig machende religion allzeit mehr propagiren, 51balt einen gutten frieden verleyen, so hoffete ich auch 52noch einmahl den trost, vohr mein endt dero Liebden in 53gegenwart zueigen zu können, das ich leben vndt 54sterben werde 55dero Liebden 56getrewste schwester 57Eleonora 58Wien den 28ten junij 1710


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59sambt einer beylaag 60Postscriptum Vberschik auch herbey, was ich wegen des Deütschmeister 61an ihr Heiligkeit geschriben, in deßen conformitet mein 62geliebster sohn Monsignore Abani auch müntlich hatt zuereden laßen.


Beilage

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