Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 19.10.1710

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich bin dero Liebden vnentlich obligirt vohr dero liebste schreiben 3vom 9ten dis, vndt mitt dißer gutten gelegenheit des 4Graven von Sinsendorf, welcher widerumb hinunter 5geschikt wirt, denen fridendenstractaten, so sich in disen 6vohr meinen sohn von gott allein geschikten fauorablen 7conjuncturen etwan wider anbinden möchten, zu inuigiliren. 8Kome, daruohr vndt vohr alle liebreiche gratulationes 9mich schuldigst zu bedanken. Mein sohn betreffendt, 10hatt er mihr auch geschriben vndt er dero Liebden absonderlich vhrsach 11hatt obligert zu sein, weilen dero troupen durch ihr 12wolluerhalten großen deil an dißer so decisiuen victori 13gehabt haben, gott wolle weiters sein gnad geben, wie es 14zu seiner glori gereichen wirt. Ein paquet vom 8ten ist 15nit allein verlohren worden, sondern weil das schiff durch vnge- 16witter an französche port geworfen worden vnd das waßer zu seicht,


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17geworfen worden, aufgefischt, welches gar abgeschmacht ist. 18Gestern aber hab wider brif bekommen von der Konigen, Moles 19vnd Fürst Antoni vom 12ten, das sie grad auf Madritt 20marchiren vndt hoffen, den 22ten dorten zu sein. Woh sie 21hin kommen in Castillien, hatt alles gehuldigt vnd die 22armeee mitt aller noturft versehen. Der Duc d'Anyou 23ist den 8ten in der nacht dorten wekh auf Burgos, man 24rett, als solte er in sinn haben in Indien zu gehen, doch 25werden sich die alijrten woll vmb wehren, dan es ihr in- 26teresse also erfordert. Erfrew mich auch mitt dero Liebden wegen des 27Deütschmeister vndt hoffe, von dorten auch die erfrewlige 28zeitung bald gleich als von Trier zu erhalten, welches 29so woll der Bischoff von Osnabrück als ich dero cooperation meisten zu 30schreiben können, gott geb weitter sein gnad und was zue seiner 31ehr gereichet. Gottlob iezt ist hier alles woll auf, mein 32sohn, der Keiser Dh, gottlob merkht niks mehr von dem vall, die 33Kaiserin ist auch bis dahto woll auf, gestern zwar hatt sie wider 34schmerzen geklagt in füßen, hoff aber, es werd weiters niks sein. 35Sie duet halt wie bilich gahr sehr empfinden den verlust 36ihrer fraw schwester, der Herzogin von Modena, welche, nach 37dem sie ein dohts kindt geboren, darauf gestorben ist. Ich förcht, 38als es wirt ihr schaden, dan sie gahr sehr bedrüebt, der liebste 39gott wolle alles zum besten schiken. In Napoli ist auch


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40vnuerhofft der Cardinal Grimani gestorben, welches bey 41disen conjuncturen ein gros contratempo, er ist gahrschön 42gestorben. Der Konig, mein sohn, hatt den Boromeo pro interim gemacht, 43welcher von allen gelobet wirt. Im übrigen in allen andern 44sachen, insonderheit wegen eins gewißen menschen, den ich nit nennen kann, 45der wider mein Keiser sehligen vnd sonsten wider dis haus sich gahr 46übel comportirt, vndt alles ander due mich auf den 47Grau Sinzendorf bezihen, welcher gewißlich ein vngemeine 48lieb, deuotion vndt eifer vohr dero Liebden vndt vnser ganz 49curhaus in allen coniuncturen bezeiget, allso dass ich nit zweifl, 50dass dero Liebden ihme dero gnaden continuiren werden. Ich aber werde 51leben vnd vndt sterben 52dero Liebden 53getrewste schwester 54Eleonora 55Wien den 19ten octobris 1710


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56Ihr Liebden herrn Curfürsten zu 57Pfalz, meinem herzliebsten 58herrn brudern