Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 18.04.1711
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Mein bedrüebnus ist so übergroß, das ich hoffe, dero Liebden mihr 3nit üblen werden alle fahler, die ich begehn möchte, 4dero Liebden aber selbsten wegen der größ des verlusts vohr 5die ganze christenheit, vnser religion vndt vns 6alle werden mich compatiren vndt mittleiden dragen. 7Ich recourire zu ihnen, sie wollen mein lieber papa sein, 8meiner vndt meines liebsten sohn Carl sich anemmen, 9wie sie iezt als Reichs Vicarius die occasion in 10handen haben. Ich hab an Cur Mains vnd König in Polen 11gleichfals geschriben vndt reccomendirt, bitt, dero Liebden wollen es 12secundiren, sich mitt dißen vnd andren curfürsten verknüpfen, 13alß Trier, welcher nit aus handen gehen wirt vndt ich ihme 14auch zuschreiben werde, vnd woh möglich Hanouer, welcher 15es zwar sein verschprechen gemäß schuldig währe, damit 16die pluralitet der votorumb versichert werde. Auch
17weil Beyrn vnder dero direction sein wirt vnd sie dah nit alls 18mit dero troupen werden belegen können, das sie es mochten 19dahin dirigiren, damit die hiesigen wie bis dahto in 20denen festungen vnd quartiren bleiben mögen, und weil der Konig 21bis dahto sein merers sustentamento von selbigen land 22genoßen vndt iezt überall das so nötige geldt 23abgeht, sie es also einrichten, damit noch vernes ihme 24daruon ein namhaffts zue kommen möge vndt alle 25vohrseung gesche wider alles, was der geweste Cur- 26fürst darwider tentiren möchte. Ich hab vndt werd 27all mein zueflucht vnd confidenz in sie sezen, sie werden 28vns arme witwen vndt weisen, bis in doht bedrübter, 29nitt verlaßen, sondren inen laßen befohlen sein, in sonderheit 30dieienige, so leben vndt sterben wirt 31dero Liebden 32getreweste schwester 33Eleonora 34Wien den 18ten aprill 1711






