Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 28.05.1711

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzlibster herr bruder 2Ich bin dero Liebden vnauschprehlich obligirt vohr die große lieb, 3so sie meinen liebsten sohn zeigen vndt in dero schreiben vom 16ten dis die wahl nit allein 4auf mein sohn zu bringen suechen, sondern auch die zeit 5zue verkürzen suechen auf den 20ten julij. Ich hoffe, die 6übrigen herren curfürsten werden gleichfals darein consentirn 7werden, dan wie balder man darzue duet, ie beßer es seyn 8wirt, den Cöllen vndt Beyrn allerley darwider zu machiniren 9suechen, wie dero Liebden auch schon wißen werden, wie sie auf 10Regenschpurg geschriben haben, zue deme das auch verlaut, 11das ihr päpstliche Heiligkeit auf die adhortatoria wie an die andren 12curfürsten geschriben, welches gahr nit woll ist. Ich werd 13mich woll vnter der handt deswegen beim Albani vndt 14Monsignore Piaza beklagen laßen, vndt sollen iah lieber ihr Heiligkeit selbsten 15verlangen vndt suechen, die meineidigen abzustraffen als zu protegiren.


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16Dero Liebden werden auch zu Rohm in disen guette officia einwenden 17können. Jezt komme, mein recht herzlich vndt kindtlige dankh- 18sagung mein liebsten papa abzulegen, das sie so vätterlich 19mein sohn die beyrischen sachen vberlaßen haben, welches 20mihr woll ein erquikung in mein bedrüebten verweisten 21standt vndt schwehren last ist, gott wirt es dero Liebden vergelten. 22Der Lewenstein, so vill mihr wißendt, hatt dero Liebden auf dero 23ersters schreiben geantwort seiner schuldichkeit gemäß. 24Das ist zwar nit ohne, das ich ihm zue wißen gedahn, 25das ich auf mein eigenhandigs schreiben von dero Liebden ein gütte 26resolution in fauorem meines geliebsten sohns zue erlangen 27verhoffe, er in deßen die sachen in statu quo laßen vndt, 28wan was absonderligs verhoff von dero Liebden ihme anbefohlen wurde, 29so lang mit der antwort innzu halten, bis ich die ver- 30hoffende erwünschte antwort von dero Liebden empfangen wurd, 31dan ich mich also auf dero gütte vndt lieb verlaßen hab, 32das ich an disen ganz nicht gezweifelt. Due also nochmahlen 33mein schuldige dankhsagung daruohr abstatten vndt, 34was ich sonst nit kann, mit mein armen gebett werd 35suechen zu verschulden. Bitte noch verners in allen mitt dero


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36raht in allem zu assistiren, dan ich nach gott sonsten niemant 37hab auf der welt, worauf solches fondament machen 38kan, als auf dero Liebden mihr iederzeit vnd disen haus erzeigte 39lieb vndt dero weißen raht vndt assistenz. Es hatt 40mihr auch mein sohn mitt lezt ankommenden courir dises 41schreiben, wie auch die Königin, beygeschloßen, warauß dero Liebden mitt 42mehren ersehn werden das große vertrawen, so sie auf dieselbe 43sezen, zwe welchen dero Liebden sie immer mehr durch alles, was sie 44vohr mein sohn erzeigen, verbinden werden. Kombt auch 45herbey ein schreiben von meiner dochter aus Portugall, 46welches woll alt sein wirt, dan die paquepot gahr 47vnrichtig gehen vndt hernach erstaus Holandt daher vndt 48wider hinunter reißen mueß. Dorten bleibens halt portugeßer, 49vndt mues man woll achtung geben, insonderheit wegen 50Don Francisco, weil er mein dochter alzeit haben wollen vndt 51man sich darauf excusirt hat ihrer schwachen complection 52halber, doch ihm eine von dennen sulsbachischen Prinzeßen 53vohrgeschlagen, darumb ich den mahler verlangt hab, 54sie recht abzu conterfeten. Gott gebs, das es angeh, 55sonst, förcht ich, schlacht er ins wilt vndt möcht meiner 56dochter sehr vill vngelegenheit machen, dan sie sich sehr bemühen,


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57ihm ein franzößin anzuhenken. Erwart auch über dises dero 58wertisten weitern raht, dan dis alles zu zeit meins sohns, 59des Kaisers sehligen, incaminirt worden. Wegen der nordischen sach 60zweifle nit, dero Liebden werden sich befleisen, das Östereich 61vndt Pfalz nit allein sich bloß geben vndt den krieg 62auf vns von Schweden vndt türken zihen, sondern das alle 63allijrte von eignen troupen, so wehnig es auch sein 64mag, darzu schiken möchten, welches ich dem holländischen 65inuiato ausfürlich representirt, welcher mihr nit 66hatt können vnrecht geben vndt verschprochen, seinen prin- 67cipalen vnd dem Pensionario darüber nachdrukhlich zu 68schreiben. Ich due dero Liebden gahr zu lang aufhalten, vndt die zeit 69ist mihr auch iezt zimlich pretios, also due mich 70verners in dero wertiste affection befehlen, werde leben 71vndt sterben 72dero Liebden 73getrewste schwester 74Eleonora 75Wien den 28ten maij 171176Die bringer diß, welche ihr negotium 77hier woll gericht, haben mich betten sie 78dero Liebden bestens zu reccomendiren.