Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 29.07.1711

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10

Ausfertigungeigenhändig

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129 julij 1711 2Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Weilen der Corradi mihr ein liebsts schreiben von dero Liebden 4vberbracht, so hab ich nicht vnterlasen wollen, ihn widrumb mit 5einigen zeilen zu accompagniren. Er hatt mich auch gebetten, ihne 6dero Liebden zu reccommendiren, es scheindt, das er ein gutten eifer vohr dißes 7erzhauß vndt den gemeinen besten habe. Er wirt dero Liebden alles 8ausfürlich vohrstellen, dero Liebden werden aber zum besten wißen, was 9in sachen zue duen sein wirt. Es ist die burgermeister stell 10vacirent zu Lüttich, dah werden dero Liebden von selbsten erachten, wiefill 11daran gelegen, das sie mit einen gutten trewen subjectum ersezt 12werde. Ich glaubte, weilen dero Liebden 3 vohrzuschlagen haben, vnmasgeblich 13sich mit denen Mean, welche sich allezeit so trew erzeigt vndt 14die subjecta alle gahr gutt kenen, in diß zu vntereden vndt 15des gedanken hören, dero Liebden können hernach gleichwoll duen, was sie 16zum besten finden werden. So vill ich gemerkt, dähte 17bringer diß auch gern mitt in vohrschlag kommen, dero Liebden 18werden aber schon wißen, was zu duen wirt sein. Mihr kombt 19er zwar gahr fein vndt eifrig vohr, aber man mueß 20mitt dennen leüten mehr fels eßen, bis man decidiren kann.


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21Es beklagen sich auch vill über den Wels, dero Liebden werden aber schon alls 22examiniren vndt duen, was zum besten sein wirt. Den armen 23kleinen Louis, welchen dero Liebden bey der Kaiserin Eleonora sehligen als zwerg 24woll gekent haben, aber ein gutten kopf hatt, den hatt noch mein 25Kaißer sehligen andenkens dorten ein dienst geben oder gahr ein rahts 26stell, mein sohn sehliger hatt es confirmirt, aber er hatt nie erhalten 27können, installirt zue werden. Also due ihn dero Liebden bestens reccomendiren, 28wie auch die Mean, diß haus hatt sonst nit vill trewe 29leüt dorten, vndt henken die meristen an den gewesten Curfürsten 30vndt an Frankhreich, vill an Holland, so bleibt wehnig vohr 31vns über. Dero Liebden werden selbst erkennen, wie vill daran gelegen, 32vndt alles zum besten dirigirn. Dißer mensch geht so 33eilendt wekh, das ich auf dero schreiben, so ich dersider 34empfangen, nicht ausfürlich antworten kan, förcht auch, er 35werd etwan nit so geschwindt als die post kommen, so 36werd mitt nechsten auf dero liebste schreiben antworten, 37mich in deßen in dero vnschäzbar affection empfehlen, die ich leben 38vndt sterben werde 39dero Liebden 40getrewsteschwester 41Eleonora 42Wien den 29ten julij 1711


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43Ihr Liebden herrn Curfürsten zu 44Pfalz, meinem herzallerlibsten 45herrn brudern