Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 19.09.1711
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerliebster herr bruder 2Ich verhoffe, dise meine zeilen werden dero Liebden schon 3glükhlich zue Frankhfort antreffen, welchs 4mich gleichsam außer sorgen sezet wegen beförchtender 5verlangerung der wahl. Dan ich mich gänzlich darauf 6verlaße, das dero Liebden dise, vmb so mehr nach dero 7iederzeit erzeigten bestendigen lieb gegen meinen sohn, 8den König, selbige befördren, alles was selbige 9verlangren könte, monita vnd supermonita, 10ableinen, dise vnd insonderheit sachen, die zu 11der wahl nicht gehörig, bis nach selbiger 12verschieben, woh dan mein geliebster sohn selbsten wirt darob sein,
13dero Liebden zu vodrist, die in allen so vill vohr ihne gedahn, 14in allen dero verlangen alle möglige satisfaction 15zu geben, wie auch allen andern curfürsten, welche so 16eifrig zu diser wahl cooperirn, auch hernach die 17perpetuirlige capitulation, so iezt nit woll wirt könen 18ausgemacht werden ohne verlangerung der wahl, 19nach selbiger gleich vohrzunemmen vndt bestes 20einzurichten. Ich verlaß mich ganz auf mein liebsten 21papa, deme ich allein alle obligation haben werde, 22vmb so mehr, als ich mit freüden dero Liebden die gutte 23nachricht zu geben hab, das des Königs herüber- 24konft auf den 20ten dis festgestelt, wie mihr heündt 25der Monsignore Ronfrano die schreiben gebracht. Also wüntsch, 26das bis zu seiner ankonft die wahl möge vohr 27bey sein vndt er so gleich seine reis dorthin vortsezen 28könne, der güttigste gott woll alles schiken zu 29seiner ehr. Ich due mich mit allen in dero wertste


