Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 28.10.1711

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/10

Ausfertigungeigenhändig

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128 octobris 1711 2Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Ich bin dero Liebden höchst obligirt, das sie sich in dero schreiben 4gegen mich so offenherzich vndt vertrewlich erzeigen. 5Dero Liebden können versichert sein, das ich niemahlen einigen 6zweifel gedragen an dero lieb vndt eifer gegen 7meinen gelibsten sohn, den Konig in Schpanien, gezweifelt, vndt 8wan gleich dero gesantschafft des Großherzog Liebden 9interress etwas starkh gedriben, so hab allzeit auf 10dero Liebden ankunft gehoffet, das sie die beschleunigung der 11wahl allem andren vohrziehen werden, wie es 12der effect auch gezeigt hatt, vndt dero Liebden versichert 13sein können, das so woll mein sohn als ich vndt das 14ganze haus dero Liebden vnd vnsern cuhrhaus daruohr ewich 15alle dankhbarkeit erweisen werden. Ich zweifle


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16auch ganz nicht, das der nig auf dero reccommendation17gegen des Großherzog Liebden alles möglige erweisen werde, 18welches ich meines orts nit vnterlasen werde 19auch bestes zu reccommendiren. Kan aber dero Liebden aus 20bestendigen schwesterligen vertrawen nicht bergen, das mein sohn 21empfunden, das er zwar sein sohn Prinz Don Gaston zue 22ihme geschikt, darbey aber werder ihm als König 23in Schpanien erkennet, weder das lehen von 24Sienna nemmen will, also er zwahr dem 25Prinz die audienz geben wirt, aber den brief 26nicht ahnemmen können. Ich hoff noch, ihr Liebden der 27Großherzoch werden sich noch eines beßern bedenken, 28damitt die harmonia vndt gutte verstentnus 29mitt mein gelibsten sohn Mayestät vndt dißen hauß sich30allzeit mehr verfestigen werde vndt mein 31sohn desto mehr seine erkantnus erzeigen 32könne. Ich aber befehl mich in dero wertiste 33affection, werde leben vndt sterben 34dero Liebden 35getrewsteschwester 36Eleonora 37Wien den 28ten octobris 1711


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38Dero Liebden dähten mihr ein absonderlig gefallen, wan sie durch einen 39mahler, der woll gleichet, dan der lezte meine kinder nit 40zum besten getroffen, die 3 Prinzeßin von Sulsbach 41wollten abmahlen laßen vndt mihr überschiken. Die Königin in Portugal 42verlangts, dan die ersten, die mir ihr fraw mutter geschikt, gahr 43ein schlechte malerej wahr, ich wüntsche, das Don Francisco eine dauon haben möcht.