Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 21.05.1712
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/11
1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzlibster herr bruder 2Dero bede schreiben habe zue mein trost empfangen, doraus 3den gutten wolstandt vnd das sie mein glükhwunsch so 4woll angenommen haben zu ersehen. Es ist mihr 5aber leidt, das sie wegen des Grosherzog Liebden nit woll 6zuefriden seindt, hab verhofft, das nachdem der effect 7gezeigt die intention, so man gehabt, in dem der güttige 8gott das Fort Pfilippo vnd Porto Hercole zue erobern 9gnädig verlihen hatt, gleich drauf die troupen alle 10heraus marchiren vndt, was sie etwan schaden gedahn, 11man mitt den Großherzogen Liebden abreiten wirt, mitt 12welchen der hiesige inviato sich auch content 13gezeigt, so weis nit, was noch weiters verlangt 14kan werden. Wan dero Liebden mihr es werden wollen confidiren
15wollen, werd ich gern alles möglige bey dragen, was zue dero 16satesfaction sein möge, obwollen ich nit sie, was der 17Großherzoch mehrer verlangen kann. Jezt bin ich wider 18hier allein, mein libster sohn ist zue Preßpurg . Vohr 19gestren wahr der einzug, welcher gahr woll abgangen, 20morgen solle die krönung werden, gott geb seinen 21segen dazu. Er geht drunten vngrisch gekleidet, das duet sie 22sehr obligiren. Ich werd übermorgen ein rutscher hin 23duen, in zu sehen vndt glükh wüntschen, darnach kombt 24die heilige octaw, darauf hoff ich, in balt wider hir 25zue haben. Sonst gibts niks absonderligs zue 26berichten, also will dero Liebden nit länger aufhalten, sondern 27mich in dero affection befehlen, die ich lebe vndt 28sterbe 29dero Liebden 30getrewste schwester 31Eleonora 32Wien den 21ten maij 1712



