Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 12.11.1712

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/11

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich komme vohran vmb vergebung zu bitten 3meines langen silentium, welches gahr nit 4aus mangl meiner bestendigsten lieb, sondern 5der zeit allein geschen, in dem ich ein zeit in 6den closter retirirt war, dan immer balt geist, 7balt weltlige occupationes geben. Gestern ist hier 8auch die huldigung gewesen, welche gahr 9woll vndt ohne einzige confusion abgangen, allein 10das wetter hatt nit fauorisiren wollen, hatt 11starkh geregendt. Indeßen wirt der reichshoffraht 12Kirchler dero Liebden wegen Keißerswert vnd des sals informirt 13haben, hoffe, sie werden damit zue friden sein vndt


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14das in dißen übelaußenhenden conjuncturen es sich 15nit woll andrest duen laßet. Wegen des Groß- 16herzoch, so laset der Kaiser iezt die abrechnung machen, 17hoffe, sol alles so eingericht werden, das ihr Liebden damit 18werden können zuefriden sein. Der liebsten Königin in Schpanien 19ihr brieflein1 hatt mich von herzen erfreüdt vndt bedrübt, 20das erste einmahl wider ihr liebste schrifft zue sehen, 21das andre wegen den bedrübten standt, in welchen sie sich 22befindt. Dero Liebden können leicht erachten, das so woll der 23Kaißer als ich niks mehr verlangen als nuhr ihr 24helfen zue können vndt zu disen endt gewißlich 25niks vnterlaßen werden. Ich traw mihr nit zue 26schreiben, förcht, mocht ertapt werden vndt ihr mehr 27schaden, wan aber dero Liebden ein sicher gelegenheit wißen, ihr 28etwas zue zue brengen, bitte mihr es zu berichten, 29werde also baldt schreiben. Schike dero Liebden herbey das liebe 30brifel, bitte mihr es wider zurukh zu schiken. Meiner 31dochter reiß hatt, wie dero Liebden schon wißen werden, müeßen ein-


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32gesteldt werden, welches, obwollen es mihr sonsten ein 33trost währ, auf dise weis bedrüeblich ist, weilen dadurch 34die Kaißerin noch länger ausbleiben duet, an dero bal- 35dig anherokonft alles gelegen ist. Hierbey überschike 36auch dero Liebden ein schreiben, so ich vom Augschpurg bekommen, 37dero Liebden werden wißen, was darinnen zue duen sein wirt 38vndt was ich ihnen etwan antworten könte. Es ist woll sehr 39bedrüeblich der continuirende zuestandt vnsers herrn brudren, 40es hatt ihn der Doktor Hueber einmahl zimlich zurecht 41gebracht, villeicht wan er luft enderte, etwan auf Neü- 42burg, vnd man die leüt von ihm wekh dähte, die er 43nit gern hatt, vndt ihm leüdt gäb, die er lieb hatt, so 44möchte er sich ehender erholen, gott wolle es gnädig verleyen. 45Hirbey kombt ingleichen, was man mihr aus Italien schreibt 46wegen einer fondation, so vnser herr vatter sehliger andenken 47auf des Mochi sehligen bitt aldorten gemacht vohr die 48sehlen deren, so aus vnsern curhaus gestorben, also hab es 49dero Liebden überschiken wollen, das sie etwan das nötige dorüber 50anbefehlen werden, was sie gut finden werden, dann die fondationes 51ist hart, wan mans vnterlaßet. Leztlich seint 2 memo-


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52sambt zwey beylagen 53memorialen, eins vom Saint Giulian, welcher iezt Obrist Falkenmeister, 54sein bruder ist pro justitia, hat mich gebetten die beschleünigung zue 55reccommendiren, das andre von einer von Steinkallenfels, aus 56welchen dero Liebden ersehn werden, wie es ihr er gangen vndt sie ihr in 57etwas helfen können, weil sie ist catolisch worden. Ich due 58dero Liebden gahr zu vill vngelegenheit mit allen den sachen machen, habs 59innen nit abschlagen können. Dero Liebden werden dannach duen, was dero 60convenienz ist, ich aber werde leben vnd sterben 61dero Liebden 62getreweste schwester 63Eleonora 64Wien den 12ten novembris 171265Empfange dero libsts schreiben vom 2ten diß, werde 66es nit vnterlaßen den Kaißer vohrzudragen, zweifle gahr 67nit, das er gleich die verlangte erlaubnus über- 68schiken werde. Bitte gott vndt wüntsche herzinniklich, 69das alles zue allerseits satisfaction vndt vnser 70cuhrhaus aufnahm gereichen möge. 71Jezt gleich schikt mihr ein portugeßer ein brif, als solt mein 72Maria Anna einen sohn bekohmen haben, glaubs aber noch nit 73recht, daht ihrs woll gönnen.


Beilage 1

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Beilage 2

7

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1Dieses Schreiben liegt als Beilage dem Brief von Johann Wilhelm an Eleonora Magdalena vom 17. September 1712 aus Geldrop bei.