Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 26.03.1714
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/11
1Durchleüchtigster Curfürst, mein herzliebster herr bruder 2Es ist mihr der gröste trost, aus dero beden angenehmen 3schreiben dero continuirende guette gesuntheit zue 4vernemmen, darbey der almechtige dero Liebden bestendig er- 5halten wolle zue vnser aller trost. Sage ihnen auch herzlig 6dankh vohr das erzeichte vertrawen den Großherzogen Liebden 7vndt deßen gemachte disposition betreffend. Ich kan 8zue vodrist dero Liebden versichern, das ihr Mayestät, der Kaißer, mein gelibster 9herr sohn, gegen dieselbe kein einziges mistrawen, iah 10allezeit in der lieb vndt vertrawen wie vohrhero 11bestendig continuiren. Allein hatt es nit woll wehniger 12sein können, als das es sehr empfindtlich gefallen, 13das der herr Großherzog Liebden die declaration gedahn, 14ohne ihr Mayestät, den Kaiser, zueuohr von seiner intention
15parte zue geben vndt deßen genehmhaltung vndt verordnung 16darüber zue erwarten. Es wirt auch vohr allem nötich sein, 17das ihre Mayestät, den Kaißer, autentisch das instrument vndt alles, was hierinnen 18zue Florenz geschen, außfürlich participirt werde als eine 19sach, warinnen der Kaißer so woll wegen seines kayserlichen officio, rechten 20vndt gerechtichkeiten so sehr interessirt sich befindet, welchen 21er nit prejudicirn kan. 22Also erwarten mit nechsten, das dero Liebden vom Großherzogen Liebden solche 23empfangen werden. Ich glaubete auch, das guett wär, wan 24mihr möchten die copejen von allen concessionen, ordina- 25tionen oder gerechtichkeiten des hauß Medici vndt der 26florentinischen republique, sonderlich von Carlo Quinto 27her, überschikt werden, damit ich mich darinnen infor- 28miren vndt, so es nötich, vohrzeigen könne. Im übrigen könen 29dero Liebden versichert sein, das der Kaißer sich gahr woll zue erinnern 30weiß, was zue Frankfort vohrgangen, vndt bestendig 31verharret, dero Liebden vndt ihr Liebden der Cuhrfürstin allen geneichten 32willen vndt lieb zue erweisen, so vill sie es ohne dero 33kayserlichen vndt des Reichs prejudiz duen könen werden. 34Ich kann auch nicht genugsamb beschreiben wie beschwerlich nit allein
35mihr, sondern vordrist dem Kaißer gefallen, das der fridt nicht 36hatt können als mit dero Liebden so prejudicirligen conditionen geschloßen 37werden. Er nimbt es sehr zue herzen, vndt können dero Liebden ver- 38sichert sein, das er alles möglige beydragen wirt, was zue 39deroselben consolation gedeyen möchte. Was sonsten 40die auchschpurgische coadiutoria anbelangt, erfrewet mich, 41das dero Liebden so gutte intention vohr den Prinzen Franz von Lottring 42hierinfals haben, auch deswegen der bullam eligibilitatis 43halber nacher Rohm die nötige verordnung haben ergehn 44laßen. Vernemme zwar auch, das dero Liebden gleichfals befohle, 45dem Bischoffen von Constans hierinfals nicht mehr hinderlich 46zue sein. Nuhn ist zwar in dißer conjunctur woll zue 47betrachten die gefahr, das, woh fern dises bischtumb nit balt mitt 48einem coadjutorn versehen würd, nicht zue zweiflen, das einer 49von den beyrischen prinzen darzu gelangen werde, wie dan 50die nachricht eingeloffen, das schon iemandt zu Augschpurg ankom- 51men, welcher vnter der handt dißes negotiert, also das 52noht wendigste ist, dises zue verhindren, einen coadjutorn zu 53haben. Nuhn wäre vohr allem zu wüntschen, das der Prinz 54Franz von Lottring dazu gelangen möchte, zweifle auch nit, 55dero Liebden werden ihres orts alles möglige dazu beydragen.
56Solte aber vnmöglichsein es zue erhalten, wurd das beste sein, 57nicht zu lang ohne hoffnung darauf zue verharren vndt 58dardurch dem haus Beyrn zeit zue laßen, sondren ehnder dem 59Bischoff von Constans zu helfen, als das der dritte drein 60kommen möchte, welches vnfahlbar zue förchten, wan es 61nit balt geschen solte, vndt solches vohr dißes erz vndt vnser 62cuhrhaus gahr zue prejudicirlich wäre. Bedanke mich auch, 63das dero Liebden mihr participiren wollen die antwort von meiner fraw schwester 64von Parma, das wegen der vermeinten heirat nichts sey, welches 65mich erfrewet hatt. Due auch dero Liebden in höchsten vertrawen nit 66verhalten, das die Kaißerin Amalia mihr ein anwurf gedahn 67wegen des Prinzen von Modena . Ich hab meiner fraw schwester 68dauon geschriben, welche sich gahr nit vngeneigt zeiget, im 69fall zueuohr die differenzien wegen deren granizen zwischen 70beden haüßern könten beygelegt werden. Ich glaub, das dißer 71heirat vohr das publicum guett währe, dise haüßer 72widerumb in gutte verstantnus zue bringen, dero Liebden 73würden auch darzu vill beydragen können. Wüntsche 74von herzen, das vnser bruder Carl ein mahl ein 75erwüntschte resolution faßen möge, ich hor, er gebe 76hoffnung dazu vndt auch, das wegen der von Weißenfels
77er nit inclinire, welches mich woll freyen duet. Bitte 78gott, das er eine solche erwäle, die zu seiner ehr, des 79gemein vndt vnsers cuhrhaus besten vnd seiner eignen satis- 80faction sey. Sage dero Liebden schuldigen dankh vohr die granatis vnd 81das sie dem geistligen begnaden wollen, es wirt das atesta- 82tum iezt dero Liebden schon bekomen haben, habs selbigs mahl vergeßen 83einzuschließen. Hab dero Liebden gahr zue lang mit mein geschwäz 84vngelegenheit gemacht, due mich in dero vnschezbahre 85affection befehlen, werde leben vndt sterben 86dero Liebden 87getrewste schwester 88Eleonora 89Wien den 26ten merz 1714








