Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 01.09.1714

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/11

Ausfertigungeigenhändig
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11 septembris 1714 2Durchleüchtigister Curfürst, mein herzliebster herr bruder 3Kan nit vnterlasen, mitt dießer gutten gelegenheit des 4Wachtendonkh mich nach dero Liebden guetten wohlstandt zu 5erkundigen, welcher hoffentlich in besten standt sein wirt, 6anbey auch dero Liebden zu participiren, das entlich vohr wehnig 71dagen dise beygelegte partegebung vnserer fraw schwester, 8der Herzogin von Parma, eingeloffen. Zweifel nit, es werde der 9gleichen an dero Liebden auch abgangen sein, worinnen zimliche 10prejudicirtige terminos, als das Philippo quinto allergenadigst 11dise heirat resoluirt. Weis also nit, ob vndt was darauf 12werde antworten können, welches wirt müeßen recht 13überlegt werden. Dero Liebden können ihnen woll einbilden, wie 14mortifficirt ich dauon bin, vndt absonderlich


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15weil zueförchten, das die übelgesinten, deren es aller 16orten pflegt zue geben, hier dero Liebden vnd vnser hauß möchten 17etwan suechen zue denegriren, als wan es mit dero 18vohrwißen vnt consens, ohne den Keißer dauon zue par- 19ticipiren, geschehen wäre, wie dan schon die ganze statt 20hier voll, das zwar nit mein schwester, aber die 21braut selbsten mihr vohr vill wochen daruon parte 22geben habe, also vill mehr werd man von meinen 23geschwistren aufbringen. Das beste darbey ist, sich 24vnschuldich zu wißen vohr gott, dem man dann 25alles heim stellen mueß. Ich will nuhr gern sehn, 26was vohr großen vorteil vnser arme gefangene 27fraw schwester, die Königin, daruon wirt haben, dan ich woll 28zue förchten habe, das man hir izt wehnig mehr 29vohr sie duen werde wollen, weil man glauben 30wirt, die eigene gemahlin wirt alles ausrichten 31können. Der göttlige will geschee in allem, der wirt


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32alles zum besten schiken. Ich hab neülich dero Liebden bericht, 33was der Landgrav Pfilip an mich gelangen lasen wegen vnser 34mamb, bruder Pfilip sehligen seiner dochter . Izt duet sich 35widrumb ein anderer pretendent heruohr, der Herzoch 36von Modena vohr sein sohn, doch nuhr gegen mihr in hochsten 37vertrawen durch die Kaiserin Amalia, dan man nit gern 38einen korb haben möchte, es lieber nit direkt anbringen. Die 39warheit zue bekennen, der vernunft gemäß wäre 40dißer vohrzuezihen als ein regirender könftiger herr vndt weil er41auch von allen andren qualiteten gerüemt wirt, der 42andere ein cadet, der gahr niks hatt. Jedoch wie ich 43vnser allerseits schwagerin ihre caprisse kennen vnd die 44aversion, so sie vohr Italien hatt, förcht ich, sie werde 45dise parti nicht acceptiren vnd ehnder den Landgraven erwehlen, 46weil sie glauben wirt, vndt billich, das er werd müeßen 47bey ihr sizen vndt von allen von ihr dependiren. Erwarte über 48alles dißes dero Liebden sentiment vnd verordnung, was ich


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49sambt einer beylaag 50einen vndt andren zu antworten vndt was dero Liebden vndt ich 51mitt ihnen zuegleich vnserer fraw schwagrin zue proponirn. 52Der Don Antonio von Parma ist woll notwendig, das 53er heiraten möge, ich glaub, die Prinzessin von Modena wurd mann 54ihm nit weigern, wan ihm der Herzoch genugsame 55subsistenz gibt. Vnser libe schwester Lischen hatt auch ein 56gedanken vohr ein ihrer dochter, ich förcht aber, werd dorten 57schwärlich was zue richten sein. Jezt werden dero Liebden gutte 58geselschafft mit den Deütschmeister haben. Vnser bruder Carl 59bleibt allzeit bey seiner irresolution, welches woll 60sehr bedrüblich ist, ich mach schon nit mehr schreiben, ist 61doch alles vmb sonst. In dero Liebden angelegenheiten 62erwarten wir, was noch mit den hiergekommen comissari 63wirt können geschloßen, werden dero Liebden indesen glauben, das ich 64mihr alles eifrigst werd angelegen sein laßen, als die 65ienige, so leben vnd sterben wirt 66dero Liebden 67getrewsteschwester 68Eleonora 69Wien den 1 septembris 171470Den Wachtendonkh due dero Liebden auch zu 71gnaden reccommendirn.


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1Am Anfang der Zeile befindet sich ein Beilagenstrich.