Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 04.12.1714

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/11

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtigster Cuhrfürst, mein herzlibster herr bruder 2Ich schäme mich recht, derf schier nit erscheinen, das 3so lang mein schuldichkeit nit abgelegt. Seindt aller- 4ley verhinderung kommen, mit den dero Liebden nit will vngelegenheiten 5magen, komme nuhr vmb vergebung zu bitten vndt 6hoffe, es aus dero gütte zu erlangen. Vohr allen frewt 7mich dero gutte gesontheit, bey wellchen der almechtige 8dero Liebden bestendig erhalten wolle, vndt ich dero Liebden selbe zu conser- 9viren vnd nit, wie durch den Huntheim vnd Salm geschen, 10mitt eigenhendigen schreiben sich zu bemühen bitte. Dero Liebden 11angelegenheiten werd mihr moglist befleißen, alles deßen, was 12zu dero trost gereichen möchte. Es ist izt der Stin- 13hop aus England hier, dah wirt man auch sehen,


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14was selbiger König dazu sagen wirt. Es wäre gutt, wann 15der Curfürst in Beyrn nähere vohrschläg dahte, dan einmahl 16seindt dise nit zulänglich, wan er nuhr einigen schrit 17weiter dut, wirt man hiesigs orts auch was nach 18geben, dan wan bede fest auf ihren bleiben, kombt man 19nit zuesammen, vndt hier kan man auch nit den 20ersten schrit duen, sondren erwarts von dorten, welches 21dero Lieben etwan werden können zuewegen bringen. Dises aber 22schreib in höchsten vertrawen vntt bitte, das bey dero Lieben bleiben 23möge. Die heirat vnsrer mamb mit Modena 24betreffent hab glaubt, wolls gahr gutt machen vndt 25auch zuegleich an sie durch den Fürst von Lobcowiz 26geschriben, welcher sonst vill bey ihr vermag, aber 27die schöne antwort bekommen, wie dero Liebden aus bey- 28ligenden ersehn werden. Glaub also, dero Liebden möchten weiters 29niks drin duen, dan mit dem böhmischen kopf doch niks 30zu richten. Wan dero Liebden schon jemanden geschiket haben, glaubte ich, wollen 31ihm nachschreiben, das er weiters nit vrgirn solle,


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32vmb so mehr, als von Herzoch an mich niks gelangt 33ist vndt mehr von mihr ein gedanken, weil ich 34glaubt, das es zue meiner mam vorteilt gereichete. 35Höre auch, das sie dorten andere gedanken haben, so 36ist beßer, es dabey bewenden zu laßen. Wan die heirat 37mit Parma vnd Modena könte sein, glaubete ich, 38wäre gahr gutt, sonst förcht ich, sie henken ihm ein 39französin an. Was vnser schwester aus Polen dero Liebden 40geschriben, so finde kein bedenken, weilen aber der alten 41weiber hantwerkh das kuppeln, so falt mihr ein, 42werd mich einwehnig erkundigen, ob zue Modena 43schon ein andre, wie es scheindt, im vohrschlag, wans 44aber noch nit wär, wolt mich befleißen, ob die 45Casimira dorten könt anbrengen, hoffe dero Liebden mit 46nechstem dauon was schreiben zu können, dan mich 47vnter der hant erkundigen will, woh die gedanken hin 48gehen. Wegen vnser fraw schwester in Schpanien, weilen heündt die 49zeit zu kurz, werd mitt nechsten mehrer schreiben, hab 50ein brif von ihr bekommen, hoff sie werden


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51sambt einer beylaag 52wehnigst izt beßer haltten. Vohr heündt mues wider 53mein willen enden, mich in dero Liebden werteste affection befehlen, 54die ich leben vndt sterben werd 55dero Liebden 56getrewste schwester 57Eleonora 58Wien den 4ten decembris 1714


Beilage

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