Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Augsburg am 15.12.1689

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6

Ausfertigungeigenhändig

31 r
Faksimile

1Durchleüchtiger Fürst, mein herzallerliebster herr bruder 2Ich hab dero liebstes schreiben vom 7ten dis woll em- 3pfangen vnd daraws mit freüden ersehn dero Liebden guetten 4wohlstandt wie auch, das der Deütschmeister Liebden woll 5bey deroselben angelangt. Ist mihr aber leidt, das 6villeicht wegen mangel der mittel dise reis, welche 7ihr Mayestät so hoch verlangen vnd vonöten ist, der Königin 8zum decoro vnd besten, solte verhindert werden. 9Will aber zue gott hoffen, es werde noch einige mittel 10darzue sein gefunden worden. Freilich kan man aus 11niks wehnig bringen, vnd ich erkenne woll, wie die 12armen lender gelitten haben, aber gott, der diese reis 13gewis absonderlich geschikt, wirt geholfen haben vnd wirt 14dero Liebden auch beystehen, das ihnen ins könftiger alles glükh- 15liger als bis dato möge ergehen. Verwichenen montag 16ist hier entlich einmahl die proposition gewest, 17heündt seindt die Cuhrfürsten das erstemahl beysammen 18geweßen, gott geb, das balt ein glükhliges endt


31 v
Faksimile

19darauf möge erfolgen. Seint gottlob hie alle woll 20auf, ihr Durchlaucht, vnser gnädiger herr vatter, haben noch ein cattar. Ich bin 21auch etlich dag im zimer vnd bett bliben, weil mein 22Keiser die stig herunter gefallen, hatt ihm aber 23gottlob niks dahn, ich bin auch woll auf. 24Due mich in dero affection befehlen vnd 25werde sterben 26dero Liebden 27getreweste schwester 28Eleonora 29Augschpurg den 15ten decembris 168930Hierbey überschik dero Liebden brif an Deütschmeister vnd 31Bischoff, ich weis nit, woh sie seint, dero Liebden wollens 32zue recht bestellen, sie sein woh sie wollen, auch 33Pater Wißenhoffen . Solten die Königin vnd Deütschmeister 34schon abgefahren sein, wollen dero Liebden die brif über den 35Hag in Schpanien schiken, dann auch des Mansfelt seinen.