Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 18.01.1693

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr brueder 2Ich bedanke mich zum schönsten, das dero Liebden in dero libsten schreiben 3vom lezten verwicheten iahrs vnd monats mihr so vertreülich 4dero gedanken in ein vndt andren eröffnen wollen, waraus 5ich mit meiner höchsten consolation verschpüre, das ich noch etwas 6bey ihnen gilt vnd dero Liebden in dero ollzeit gegenmich erzeigten lieb vnd 7vertrauen bestendig continuiren, welches ich von grunt meines 8herzen verlange hinwiderumb in allen occasionen gegen dero Liebden zu er- 9weißen, in secula seculorum, amen. Iezt das lütsche weßen 10betreffent, weilen ihre Mayestät den Hamilton, Schellerer vnd Windischgräz 11selbiges ich in höchster geheim haben überlegen laßen, also due ich 12mich in dißen auf des Hamilton relation bezien. Vndt 13wegen Vlmiz bitt ich, dero Liebden wollen den Bischoff persuadirn, das er 14dauon absteh, dan ihr Mayestät vnd ich mit der Königin gahr zu


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15impegnirt seint vndt hingegen ihr Mayestät vnserem herrn brudren zue 16allen andren benefiziis vnd bischtumen gern helfen werden, 17auch dise seine resignation gegen ihre Mayestät mit allen anderwertigen 18genaden erkennen werden. Die sach steht schon in gutten termi- 19nis vndt hoffe ich, sie werde gahr balt zu dem erwüntschten 20endt kommen. Wegen der odiosen materi ist freilich des 21Deütschmeisters anschlach eins deils gutt, wan er nuhr dar- 22zue wirt zu persuadiren sein vnd etwan im nouitiad nit 23der reükauf kombt, was wolt man darnach duen. Den brif 24in gegenwart der obern zue schreiben ist meines erachtens 25darumb gefehrlich, das offt dergeleichen geistlige das secretum 26nit allerdings obseriuren, vnd, solte es auskommen, 27die höchste person in noch größerer disreputation als bis 28dahto gereichen möchte. Doch ich schreib es mit diser post dem 29Deütschmeister, eben also, das wan dero Liebden vnd er werden finden, 30das es sich ohne diser obangerechten gefahren practiciren ließ, 31mans in gottes nahmen solle darmit fortfahrn, woh 32nit auf einiges andres expediens bedacht sein. In sonder- 33heit, weil die obgedachte person durch den Hamilton auch 34an mich schriftlich höchst solicitirt, die vollige liberation 35mit verschprechen verlange, nichts mer von selbigen


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36zue sehen. Also mues man auf ein oder andere 37weis darzue duen, es man in erfarnus kommen, 38woh er ist. Ich wert auch mit dem Hamilton verner draus 39reden. Der Deütschmeister hatt sein meß schon geleßen, der libe gott 40geb ihm darzu seinen segen. Wegen des prouiant haben ihr Mayestät 41widrumb gesacht, wollen sie die anstalt machen, das bis er iezt 42dem Morgrauen schreibt vndt er wider zu rukh ist, gahr 43zu vill zeit vergeht. Die magazins werden auch schon eingericht, 44der liebe gott wirt der gerechten sach beystehen vnd sein 45almacht zeigen, wan mans zum wehnigsten meint. 46Wegen eines Hoffcanzler zweifle ich gahr nit, ihr Mayestät, 47mein Keiser, werden den erwehlen, welcher der beste sein wirt, dan 48sie ihre leüt zum besten kenen. Wegen der schwedischen heirat ist 49vil zue consideriren, vnd kan ich nit vnterlaßen, dero Liebden in 50höchstem vertraw zu berichten, das Schpanien vohr Sauoia 51mit ein eigen curir geschriben vndt starkh vrgirt, 52auch steht dahin, ob Schweden wurd laßen sie catolisch erzien, 53one dem es doch absolute nit sein künte. Wegen schwester 54Dorote wer der vohrschlach nit übel, ligt aber an dem, 55ob der Großherzoch den Prinzen wirt wollen so balt


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56heiraten laßen. Der liebe gott wolle alles zum besten 57schiken. Ich due mich dero Liebden befehlen vndt werde sterben 58dero Liebden 59getrewste schwester 60Eleonora61Wien den 18ten jener 1693