Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 05.04.1699

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6

AbschriftSchreiber

Bittet um eine Entscheidung, wie er in der Frage der Thronfolge in Spanien mit dem portugiesischen Hof verhandeln soll, da die Königinnen von Spanien (Schwester Maria Anna) und Portugal (Schwester Marie Sophie) nicht im besten Einvernehmen miteinander stehen. – Fragt, welche kaiserliche Entscheidung er dem Grafen Clairmont mitteilen kann. – Bietet sich als Vermittler zwischen Kaiser und Papst an; dass dies in Rom erwünscht wäre, kann EMT aus einem mitgesendeten Auszug aus Schreiben, die JW von dort erhalten hat, ersehen. – Empfiehlt Tellier wegen seiner Verdienste bei den Heiratsverhandlungen für König Joseph I.

240 r
Faksimile

1copia 5 aprilis 1699 2Postscriptum 3Auch allergnädigste Kayserin vnd fraw. 4Habe ich ewer kayserlichen Mayestät nochmahlens vnderthänigst 5bitten wollen, mir dero vnd dero liebsten Kaysers 6Mayestät meines allergnädigsten herren allergnädigste re- 7solutiones zuekommen zue lassen, erstlichen ob- und 8waß ich in der spanischen successions 9sachen bey der Konigin in Portugal an selbi 10gen hof tanquam ex mir negotiieren solle? 11ohne ewer kayserliche Mayestät Mayestät im geringsten bei 12der Königin in Spanien als welche mit der 13Königin in Portugall nicht im besten ver- 14trawen, oder vernehmen stehet ins auge zue stel- 15len. Zweytens, was dem Graffen von Clairmont, 16von weme ich bey meiner jüngsterer vnderthänigsten 17auffwarthung ewer kayserlichen Mayestät ein schreiben 18in händen gelassen, vor eine resolutione über- 19schreiben solle? Drittens was ich nacher Rom 20vor hoffnung und positiue antworth schreiben 21solle? indeme ich schier von einer post zur 22anderen, von dorth aus (wie ewer kayserliche Mayestät 23ab beygehendem extract allergnädigst ersehen


240 v
Faksimile

24können) vmb mich dieserhalben bey beyden ewer 25kayserlichen Mayestät Mayestät kräfftigst zue interponieren, ein- 26ständigst ersuechet werde, ob? vnd wie weith nun 27dieselbe mir dises gröstes aduantaggio vnd höchste 28gnade vergönnen wollen, das ich mir bey beyden 29höchsten theilen, durch agiustierung dises so nöttigen 30werckhß, einiges meritum erwerben könne, stelle 31ich dero allergnädigstem belieben lediglich vnderthänigst 32anheimb. Es seye weit von mir, das mir im 33geringstem im sinn kommen solle, mich zue vnder- 34stehen, oder zue praetendieren, einen mediatorem 35zwischen so höchsten und geheiligten persohnen 36abzuegeben, dises aber kan ich ewer kayserlichen Mayestät 37wohl versicheren, daß, wann dieselbe ja einiges 38sinnes intentionirt wehren sich widerumb in 39voriges, vnd so höchst nöthiges guetes vertrawen, 40mit ihro Heyligkeit zusezen, wie dan ein- 41mahl wahrhafftig scheinet, das der guete alte 42ein solches seiner seithen von herzen verlange, 43durch meine wenigkeit, der wenigst praeju- 44dicirtigster weg zuer adgiustierung, getroffen 45werden könne, indeme ein solcher weeg, keinem 46würde in die augen stehen, vnd dadurch vnprae-


241 r
Faksimile

47judidirlige mezzi termini leichter werden 48gefunden vnd practiciert werden können, als 49durch die offentlige negotiationes, welches dann 50wohl scheinet, das ahn seithen deß Pabsten villeicht 51auch reflectiret werde, über das, das seine Heyligkeit 52glauben, das weilen ich die gnade habe, ewer kayserlichen 53Mayestät brueder zue sein, dieselbe sich mit mehrerer 54verträwlich gegen mir, als etwahe andere heraus 55lassen, vnd consequenter auff sothane resolutiones 56besser zuegründen seye, als etwahe auff andere. 57Solten nun ewer kayserliche Mayestät mir vor anderen 58dise höchste gnade widerfahren lassen vnd darinn- 59falß einige allergnädigste confidenz und com- 60mission verleyen, und aufftragen, werde ich mich 61vor den glückligsten menschen in der welt achten, 62eine gelegenheith zue haben, mich in dero 63diensten in etwahe signalieren zue können, 64vnd meine trewe, und eiffer an das tags- 65liecht zue legen, und bitte solchenfalß mir dero 66gnädigste meynung vnd befehl positiue zue 67überschreiben so ich mit allem fleiß, trewe, vnd 68eiffer, gehorsambst nachzuekommen mich eufferist 69bearbeithen werde. Stehet also alles in dero handen


241 v
Faksimile

70nicht zweiflend ewer kayserliche Mayestät werden, nechst 71deme, das sie meiner vnuerfälschter trewe, 72vnd eiffer zue dero diensten, allergnädigst per- 73suadiert sein, mir auch das aduantaggio so ich 74zue dero diensten, mir und meinem chur- 75hause ahn credito, ahnsehen, und sonsten, nicht 76allein beym Pabsten, sonderen auch apud exteros 77hierdurch erwerbe, allergnädigst gerne gönnen. 78Den Tellier so disen gott lob so glückligen 79heyrath mit ihro Mayestät dem römischen König 80negotiieret, bitte ich in ansehung dessen, vnd 81geleisteter so trewer diensten, sich absonderlich 82in gnaden allergnädigst resommendiert sein 83zue lassen. Düßeldorff den 5ten aprilis 1699. 84Ahn 85ihre Mayestät die römische Kayserin 86von 87ihro churfürstlichen Durchlaucht zu Pfalz aygenhändig 88also abgangen. 89Das haubtschreiben betrifft eine recom- 90mendation wegen deß böheimischen cancellariats 91für den Graffen von Zernin, dauon copia 92dem Graffen von Kauniz beygeschlossen worden.