Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 12.12.1699
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/6
112 decembris 99 2Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Ich traw mihr schir nit zu erscheinen wegen meines 4langen silentium, welches aber kein andre vhrsach 5gehabt als die kurze der zeit vndt mit der 6schwangerheit vnd niderkonft meiner fraw dochter, auch 7in etwan zu Eberstorf die bürst mich daran verhindert 8hatt. Hoff aber, weil ich dero Liebden ein gutte zeitung 9berichten due, werd ich perdon erlangen, wie das dem 10almechtigen zu danken mein fraw dochter an dem 11glükhsehligen dag der vnbeflekten empfanknus mit 12einem mädel erfreüdt ist worden, welches mihr 13vmb so vill desto lieber, weilen die bueben 14den mädel nachlaufen vndt also hoffentlich auf
15aufs iahr damit werden consolirt werden. Seindt gottlob 16mutter vndt kindt woll auf, das man als gutts zue hoffen 17hatt. Ich bitt dero Liebden auch vmb vergebung, das ich heündt 18auf alle dero liebste schreiben nit antwort, dan ich 19noch meiner kindtbetterin assistiren mueß, bin heündt 20des wegen vom iagen zue haus bliben, das nuhr einmahl 21all die notification schreiben kan expediren. Bruder Carl ist izt 22hie, hab aber noch nit so vill zeit gehabt, das man 23mit ihm recht hatt reden können, vmb etwas zue 24stabilirn, werde aber nit ermanglen, dero Liebden alles 25zu berichten vndt dero intention vnd verlangen in 26allem zu erfüllen. Dero Liebden werden schon vernommen haben, 27das gottlob entlich die Perlips aus Schpanien geht, 28aber a nostri spesi, mihr müeßens hir auf dem 29hals haben. Patienza, das beste ist, das sie 30hir kein votum in capitulo haben wirt vndt 31man sich woll wirt vohr ihrer zu hütten wißen. 32Auch hatt der Curfürst zu Hanouer wie auch mein 33fraw dochter mich ersucht, dero Liebden in ihr nahmen zu danken
34vohr alles, was sie vohr sie gedahn haben, vndt hoffen, 35weil sies so weit gebracht, werdens völlich zu einen guten 36endt brengen. Iezt ist vnser Deütschmeister der 37capo von den widrigen fürsten, ich beken, das es mich 38schmerzt, das er so witer meins Keiser intention 39agirt, vndt weis nit wie zu helfen, dan ich bey 40ihm in keiner sach niks richten kan, so woll wegen 41des Vorstmeister als andern üblen sachen, die ich 42mihr gahr nit traw zu schreiben. Also hab ich ihm 43iezt gahr nit geschriben, bin aber resoluirt, 44ihm den lezten brif recht schwesterlich vndt 45kreftig mit nechstem zu schreiben. Hernach mues 46es gott befehlen, aber werd gleichwoll nit vnterl-47aßen, dise leüt aus dem weg zu raumen, die 48an so villen scandalen schuldich seindt. Ich bin woll 49von herzen bedrübt in dießer sach, wan mihr werden 50zu samen kommen, werd alles beßer erklern. Iezt mus 51mus ich wider mein willen enden, kombt gleich mein 52Keiser vom iagen. Due mich in dero affection 53befehlen, die ich leben vndt sterben
54werde bestendigst 55dero Liebden 56getrewste schwester 57Eleonora 58Wien den 12ten decembris 169959Auch kan ich dero Liebden nit genueg sagen, wie obligirt der 60Bischoff von Osnabrukh dero Liebden vohr alles ist, was sie ihm 61erwißen haben. Er hatt sich bey mihr angefragt, ob einer 62von mein brüdern intention auf Münster habe, so 63wolle er sich niks einlaßen, woh aber nit, hoffe er, 64dero Liebden vndt ich wurden ihm dazu verhülflich sein 65vndt ihm ehnder als kein andren gönen, dan mihr 66sicher ein gutten nachbar an ihm zu haben. Nuhn 67seh ich nit, das einer von vnsren brüdern dorthin 68könne gedanken haben aus fillen vhrsachen, dan der 69von Augschpurch ist dort versorcht, vnd der Deütsch- 70meister, wan er kein anders leben fürt, daugt zu kein 71Bischoff. Solt er sich aber endern, wehre mehr auf 72Trir oder Cöllen anzudragen, also zweifle nit, das 73dero Liebden dem Herzoch Carl in dißen nit werd aus handen gehen 74vndt eifrigst dazu cooperirn, werden alzeit ein trew freündt an ihm 75haben.







