Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 09.05.1696
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
Dankt für EMTs Oster- und Geburtstagsgratulation und wünscht nichts mehr, als ihr zu Diensten zu sein und seine brüderliche Liebe zu zeigen. – Dankt für die Vollmacht für die Friedensverhandlungen; hat dazu und zum dänischen Heiratsprojekt alles vom Wiser gehört. Veyder hat sich ein Bein gebrochen, weshalb es leider zu einer Verzögerung kommt, bevor der Wiser den d’Harcourt treffen kann. – Dankt dafür, dass EMT die Heirat des Schwagers Prinz Gian Gastone von Toskana mit der Schwägerin (Pfalzgräfin Anna Maria Franziska) fördern will, falls diese den Landgrafen (Georg) von Hessen-Darmstadt nicht nehmen will. – Dankt auch für die Expedition für den Herzog von Sachsen-Zeitz . – Für den Fall, dass Reichshofratspräsident Graf Oettingen nicht Reichsvizekanzler wird, empfiehlt JW den Grafen (Dominik Andreas von) Kaunitz für dieses Amt. Hat gehört, dass der Mainzer Erzbischof den Grafen Oettingen ausschließt, Kaunitz dagegen zugeneigt wäre.
19. maii 96 2copia 3Allerdurchleüchtigiste, großmächtigiste etc. 4Ewer kayserlichen Mayestät erstatte ich forderist allerunterthä- 5nigisten danckh vor den allergnädigisten glückhwunsch zu 6dem heyligen alleluja, vnd meinem gebuhrtstag, welchen 7sye mir durch dero allergnädigsten hanndtbrieff vom 17ten 8aprilis jüngst durch meinen Hoffcantzler Wiser, so zu 9Mülheimb am Rhein, alß ich eben vnser gnädigste frau 10muetter begleittet, ankhommen, vnd mir denselben über 11lieffert, mit so allergnädigsten expressionen anwünschen 12wollen, vnd verlange nichts mehr in dieser weldt, alß 13daß mir der allerhöchste, mit dem zuenehmmen meiner 14jahren, auch mehrere capacitet, vnd gelegenheiten geben 15thätte, ewer kayserlichen Mayestät mein ihro gantz leibaigen er- 16gebnestes, devotistes hertz, vnd vn veränderliche treü, 17vnd auffrichtigiste vn verfälschte brüederliche liebe, auch 18mit sacrificierung deß letsten bluets tropffen auß 19meinem herzen in der thatt würcklich erzeigen, vnd nutzlichiste 20vnterthänigiste diensten leisten zuekönnen. 21So vill sonsten das negotium pacis und danisches 22heyratsnegotium betrifft, habe ich vom Wißer alles 23vernohmmen, waß ewer kayserliche Mayestät mir hierinfahls allergnädigst 24befehlen wollen, vnd sage ich vor die allergnädigste resolution 25volmacht und instruction in materia pacis ab- 26sonderlich allerunterthänigisten danckh, vnd können die- 27selbe sich gewiß gäntzlich versichert hallten, daß ich mich 28dießer allergnädigsten, vnd von mir un verdienter confi- 29denz kheines wegs mißbrauchen, sondern selbiges mit allem 30möglichistem fleiß werde suechen zue conservieren.
31Eß ist aber unterdessen, wie ewer kayserliche Mayestät auß meinem 32neben gehenden vnterthänigstem cantzley bericht (dar- 33auff mich in omnibus et singulis mit dero allergnädigsten 34erlaubnuß kürtze halber gehorsambist beziehe) mit 35mehrerem ersehen werden ein unverhoffttes con 36tratempo geschehen, so vermuetlich das ne 37goti um etwas removieren wird, indeme der 38Veyder vor wenig tagen ein bein gebrochen, wel 39ches dan verhinderen wirdt, das der Wieser 40sich sobald nicht wirdt konnen mit dem d'Har 41court abbochieren, wordurch dan wider so vil zeit 42verlohren gehet. Gott wirdt aber hoffentlich alles zum 43besten schickhen. Sonsten erstatte ich ewer kayserlichen Mayestät 44sowohl wegen der allergnädigsten erklährung meinen schwa- 45gern den Prencipe Giovanni Gastone die Toscana betreffent, 46daß nehmblich dieselbe, fahls meine schwägerin den Landt- 47graffen von Darmbstatt nicht nehmmen wollte, vnd verfolglich 48dardurch ewer kayserlichen Mayestät mit demselben außer allen 49impegnio währen, solchen fahlß diesen heürath allergnädigst 50approggieren, vnd befürderen hellffen wollten, wie nicht weni- 51ger auch vor die allergnädigste expedition vor den Herzogen von 52Sachsen, welcher mirß vor wenig tagen notificiert, aller- 53vnterthänigist vnendtlichen gehorsambsten dankh, vnd 54können dieselbe wohl gäntzlich versichert sein, daß ich sothane 55höchste gnaden mit un vermüedetem fleiß vnd treüest-vnter- 56thänigisten diensten mit sacrificirung alles dessen, waß in 57meinem vermögen ist, biß auff den letsten bluetstropffen bestens
58abzuedienen mir eüßeristens angelegen sein lassen werde. 59Schließlichen allergnädigste frau, hoffe ich eß werden ewer kayserliche 60Mayestät mir nicht vngnädigst auffnehmmen, wan ich mit meinem 61völligen allervnterthänigstem fästen vertrawen zue dero 62gnaden thir recurriere, vnd dieselbe allervnterthänigst 63bitte, mir gnädigst zueerlauben, daß, fahlß der herr Graff 64zue Öettingen Reichß Hoffrhatts-Praesident (welchem 65ichß vor allen schon gehrne gönne, vnd ihme nicht verhin- 66derlich sein werde) zue dem reichß vice cancellariat nicht 67gelangen könnte, ich solchen fahlß die hanndt mit anlegen 68dörffte, in favorem deß ehrlichen Grafen von Kaunitz, 69alß welcher dermahlen in imperio kheinen hat, der an 70capacitet, application, information in reichß-sachen, 71vnd all-anderer zue dieser carica erforderlichen quali- 72teten, sicherlich seines gleichen nit hat, oder aber eines 73anderen solchen subjecti, fahlß dieser auch, so ich doch nit 74hoffen, noch glauben will, ebenfahlß nicht darzue sollte ge- 75langen können, der ihro kayserlichen Mayestät vnd dem Reich 76am angenehmbsten, vnd ersprüeßlichisten sein wurde, 77vnd auff welchen ihre kayserliche Mayestät sich zum maisten 78verlaßen könnten, damit mein churhauß auch einiges 79meritum dabey haben- vnd einen gueten freündt sich ac- 80quirieren möge, so hoffentlich ewer kayserlichen Mayestät demselben 81gehrne gönnen werden. Ich höre, alß ob Chur Mayntz dem 82gueten Graffen von Öettingen die platte exclusivàm gegeben 83hette, herentgegen zum Grafen von Kaunitz, wan sye wüssten,
84daß derselbe ihro kayserlichen Mayestät meinem allergnädigsten 85liebsten Kayßer- vnd herren nicht vnangenehmb sein 86wurde, nicht übel genaigt seye, vnd denselben wohl 87vorschlagen wurde. Bitte also vnterthänigist den ehr- 88lichen Grafen von Kaunitz allergnädigst zueprotegieren, 89vnd mir die obangezogene gnade- vnd advantaggio 90sambt meinem churhause allergnädigst zue vergönnen. 91In erwahrtung einer gewühriger, vnd ehister allergnädigster 92resolution, thue ich mich in vn veränderlicher 93devotion leben- vnd sterben. Düßeldorff den 949ten maii 1696. 95An 96ihre Mayestät die Kayßerin 97von 98ihrer churfürstlichen Durchlaucht zue Pfaltz etc. 99aigenhändig also abgangen.








