Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Favorita am 11.08.1696
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7
111 august 96 2Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerlibster herr bruder 3Ich hab dero liebste schreiben vom 15ten, 19ten vnd 2 vom 22ten passato 4woll empfangen vndt vohr allem mit freüden daraus 5dero gutte gesuntheit vernommen. Ist mihr sehr leidt 6geweßen, aus dem erstern zue ersehn, das dero Liebden in meinung 7wahren, als hette ich mich von bößen leüten wider dero Liebden etwas 8laßen in den kopf bringen. Ich kan dero Liebden nit bergen, das mich dises 9sehr geschmerzt hatt, das dero Liebden so schlechte opinion von meiner 10hoffentlich bis dahto alzeit gegen dero Liebden erzeigte bestendige 11herzlige lieb haben, das ich capabel solt sein, auf 12einiges anbringen oder geschwez, weßen es auch immer 13sein möchte, von selbiger abzulaßen, vndt wüste ich
14ich woll auch nit, wer sich wurde vnterfangen, etwas 15solches zu tentiren, dan man woll wüste ein schlechte 16abfertigung von mihr zue bekommen. Kan dero Liebden versicheren, das 17niemahlen nichts gehört vndt auch ins könftig nit anhören 18wurde. Iezt das haubtwerk betreffent, so 19ist freilich nuhr gahr zw wahr der gefährlige standt, so 20dero Liebden representiren wollen. Ihr Mayestät, mein Keiser, 21finden aber nit, das durch die conferens 22mit dem d' Arcourt dis konte remedi 23ert werden, sonderen vil mehr zv ein 24em pretext dienen mochte, ehender 25den particularfriden zu machen 26die schuld auf vns zue schieben, weil mir 27mit dem d' Arcourt tractirt, dan es ist 28vnmöglich, das sie es nit solten innen 29werden, wie das vohrige mahl geschen, dah ich dero Liebden bericht, 30was der Qivros hieruon geschriben. Also verbleiben 31ihr Mayestät in vohriger meinung in dißen, wuste dero Liebden aber 32einiges anderes mittel 33vorzuschlagen, wurden es gern ample 34ctiren. Die heiratssach betreffendt
35hatt mihr selbiges mahl gleich vndt auch nachgehens 36zum öfftern der Hamilton das berichtet, was 37dero Liebden melden. Den scrupul aber, so ich gehabt, ist noch 38bloß allein von Pater Wisers relation 39her kommen, welcher in dem einen stukh nuhr bloß 40allein auf den Franz sich bezihet 41vnd ich als ansteh, ob dem eben so zu trawen, dan man 42in diser sach nit sicher genuech gehn kann. Wan 43aber dero Liebden disen punct woll versichert ist, so verlangen 44ihr Mayestät, mein Keiser, das Tiberius gle 45ich ein courir dorthin absch 46iken und entlige resolution be 47geren ob die Prinzesin wil ohne einzige 48ausnam catolisch werden und sich 49in alle ins dahien conformi 50ren ohne einzige singula 51ritet oder nicht, dan sonst trawet dero Liebden nit, 52die sach hier zu proponiren. 53Mit dem kommen mihr ein mahl an ein 54endt, vndt weis man, an wem man ist, 55dan man in dißer materi nit lenger zuewarten
56kan. Ich hab mit dem Wißer alles dises abgerett, 57wie er hier wahr, vndt er eben meiner meinung 58ist geweßen, bitte also, dero Liebden wollen die sach beschleünigen. 59Wegen der portugesischen heirat erwarten wir, was dero Liebden 60verners werden berichten, dan sie dreiben starkh. Due mich 61dero Liebden befehlen vndt werde sterben 62dero Liebden 63getrewste schwester 64Eleonora 65Fauorita den 11ten august 169666Will gern sehn, was d'Arcourt antworten 67wirt in der sach, so mich touchirt, bitt, dero Liebden wollen 68nit nachlaßen auf den grundt zu kommen, mihr 69ist alles daran gelegen. Bitt mein liebsten fraw schwegerin 70mich schönsten zu befehlen vnd zu entschuldigen, das nit selber schreib, 71die zeit ist zue curz. Dise brif hab das vohrig mahl 72vergeßen zue schiken.




