Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 16.01.1697

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

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116 jenner 97 2Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerliebster herr bruder 3Ich hab dero liebste schreiben vom 11ten passato 4woll empfangen vndt mit freüden vernommen, 5das die differencien mit Heßen Caßel in 6der güette beygelegt seindt. Die entschuldigungen, 7so dero Liebden darbey einwenden wollen, seindt ganz vnötig, 8in deme zue genüegen bekandt die große deferenz, 9so dero Liebden allezeit gegen ihr Mayestät, mein Keiser, bezeigt, dero 10verlangen in allem zu erfüllen, in welchen gutten 11sentimenten ich nit zweifle, dero Liebden bestendigst 12verharren werden. Den Herzog von Saxen betreffendt,


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13so bedanke mich wegen dero Liebden vohrsorch, allein finde 14ich in disem herren ein solche erkantnus vnd 15liebe gegen ihr Mayestät, mich, dero Liebden vndt vnser ganz haus, 16das ich fast glaube, man habe dise nachrichten 17dero Liebden geben aus verlangen, diffidenz gegen ihn zu erweken, 18zue welchem aber, ich hoff, er ein anders im werkh 19erzeigen werde. Er ist dahir ganz emsich in seinen 20bischtumb, auch offentlich protestirt hatt beim 21Nuntio, das er kein promotion weiters verlange, 22sondern mit disem gahr content sey. Auch hatt 23er sich gegen mich offerirt aller officia vohr mein 24haus in allem, was man von ihm verlangen werde. 25Was nuhn die andern negotien betrift, beken ich, das 26es mich nicht wehnig schmerzt, das dero Liebden glauben, das ich 27capabel seye, wegen einiger priuat person als der 28Hamilton ist, solche wichtige sachen zue vnterbrechen oder 29verhinderen. Das ist wahr, das weil sein bas sehlig 30mihr vill liebs vndt trew erzeigt, auch seiner Grauin


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31Grauin vatter vnsern ganzen cuhrhaus vill trewe vndt er- 32schprißlige dienst geleist, sie auch mit mihr erzogen vndt 33nichts als alles guetts vndt dugentligs von ihr gesen, ich 34sie allzeit estimirt vndt geliebt, auch, weil er so woll 35ihr Durchlaucht, vnsern gnädigen hern vattern, als auch dero Liebden sonsten trew 36gedient, ich ihme gern durch meine reccomendation 37so weit geholfen, das wehnigst seine reputation saluirt 38bleiben möchte, welche doch zimlich gelitten, in deme er 39so auf ein stüp hatt wekh müeßen vndt nit erwarten 40derfen, bis sein Grauin mit ihm hett abreisen können, 41waruon man hier als wunderlich redet. Auch laße dahin 42gestelt sein, was vohr vhrsachen dero Liebden zue solcher resolution 43bewogen, die villeicht größer werden sein als dise, so dero Liebden 44mihr überschikt, in welches ich mich dan nit ingerirn 45will. So hoffe ich dannoch, dero Liebden werden von mihr nit 46glauben, das darumb meine schuldige schwesterlige lieb 47gegen dero Liebden gemindert oder ich die negotia diswegen abrum- 48pirn wolte, welche mit disem ganz nichts 49zue duen haben, vndt selbsten erkennen. Das was den


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50und d' Arcort betrift, ich durch das falsche angeben, so 51selbiger auf mich gedan, wardurch er mich vndt mein 52ganz haus in vnglükh hett stürzen können, wan mein Keiser 53nit so güttich wehren vndt beßere opinion von mihr hette, 54woll vhrsache habe, nit zue verlangen, weder mit ihm noch 55einigen franzosen in etwas einzulaßen, dan dorten 56nichts als falscheit und bedrug zu fin 57den. Das dänische anlangendt, so ist es so 58ein heikele sach, das man darinnen nit sicher noch 59behuetsamb genuech gehen kan, also mihr nit übel 60kan genommen werden, das darinnen alle precautions 61genommen vndt man woll sicher geh, das kein 62fictio iuris dahinter steken, die decla 63ration des Königs ist gahr gutt, erwarte 64das von der Prinzessin, ohne welches 65nichts zue duen. Ich kan aber dero Liebden nit bergen, das wie 66der König in Schpanien so kra 67nk, mir die Perlips geschri 68ben, man soll sich doch nit übereilen, meinen s 69on zu verheiraten, das übrige könen


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70sich dero Liebden woll ein bilden. Obwollen nuhn so woll mein 71Kaiser als ich und mein sohn solch 72es nicht vor convenient halten aus 73villen vhrsachen, welcher hier anzuezihen zue lang 74fallen wurden, vndt dero Liebden selbsten, wan sie die sach 75mitt allen vmbstenden reiflich überlegen werden, 76mit vns gleicher meinung sein werden, so hatt 77man doch vohr guett gehalten, der Perlips 78also zu andworten, da mann von hir 79aus ihr nit so plat die hofnun 80g benemme. Darauf ist 1? wider be 81sser worden, so hab alle weil gedr 82ungen, das die succession vor mein 83Carl mög versichert werden, 84so wer das eine vohr sich selbsten aus. 85Ietzt hör aber leider das 2? 86wider aufs neu krank, so wird 87man dort auf die gedanken 88geraten. Es ist mihr ganz angst bey dem 89handel wie mir dises mit


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90gelimpf ableinen und verhinderen, 91das die Königin nit offen 92dirt werde. Ich mein, wan villeicht directe 93vel indirecte etwas dergleichen dero Liebden vohrkehme, kön 94ten dero Liebden es wideraten, die uhr 95sachen remonstriren, welche sehr erheb- 96lich vndt handgreiflich, das es einmal der 97Königin conveniens nit ist, 98sondren vil mer, das sie fu den Ca 99rl suechen hinein zu brin 100gen, welcher von ihr als ein 101eigen kint dependiren wurde. 102Wegen der portugesischen heirat seh ich, das vnser fraw 103schwester sider des Ligni schandliger daht nicht mehr 104darzue inclinirt, also darinn weiters nichts zu 105duen wirt sein. Wegen des Prinzen Don Gaston hab ich alzeit 106ganz klar in diser sach geschriben vndt gerett, auch wider 107den Herzoch noch ihn mich gahr nit zue beklagen, wie 108woll ich hette hoffen können, das mein fraw schwegerin, das 109ist die wittib, vndt dero Liebden mihr hetten können confidenter 110eröfnen, wie weit sie in der sachen kommen, das ich nit


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111nit von dem gemeinen ruef vndt durch ihr hinuntereis 112die richtichkeit der sachen hette nuhr erfahren müeßen. Wie sie 113dan bis dahto noch nie kein einziges wort mihr daruon 114gemelt, iah so gahr als zue Neüburg ihr Durchlaucht, vnser 115geliebste fraw muetter, sie darmit vexirt, sie ihr niks bestanden, 116dah ich doch glaubt, dass sie ihrer schwiger fraw mutter vohr 117allen andern confidenz daruon machen vndt vmb 118raht hette fragen sollen. Das seindt aber alles schon 119geschehene sachen, also in vergeßenheit zue stellen, habs 120nuhr melden wollen, damit man vns nit vohr so gahr 121einfältig halte, das man die sachen nit kenne. Auch 122kan ich dero Liebden nit verhalten, was die Königin in Schpanien 123mihr schreibt, welchs dero Liebden aus bey kommenden ersehen werden. 124Ich hab ihr geantwort wie vnser geliebste fraw mutter, 125das ich nichts wiße, hette dero Liebden daruon geschriben, so hetten sie 126mihr geantwort, er sey frey vndt practicire dorten 127vndt in keiner gefangnus, sie wurde aberein 128heiligs werkh duen, wan sie auch darzu helfe, das 129er dort stabilirt vndt accommodirt wurde


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130vndt nimmer mehr in Deütschlandt komme. 131Dises alles, in sonderheit was in zifra dero Liebden bericht, ist 132als wie in der beicht, dan ich sonst alle 133confidens bei der Königin 134verliren wurde, vndt Tiberius weis, 135wie vile sonderheiten d 136iser coniunctur daran ge 137legen, selbige zu conserviren. 138Gestern seint mihr zue Hiezing im schlitten gewesen, 139heündt ist in der statt beim Landmarschalkh 140ein große schlittenfart, seindt gahr schön aufbuzt. 141Mitt disen due mich dero Liebden befehlen vndt werde 142sterben 143dero Liebden 144getrewste schwester 145Eleonora 146Wien den 16ten jener 1697147Hab vergeßen wegen des incolat 148vohr den Prinzen, mueß die heirat vohrangehn, als dan 149kan man daßelbige anbrengen. Ihr Mayestät werden mit nechsten 150iemandt hinunter schiken zue den tractaten, weil der Cau- 151niz dorten nit abkommen kan. Auch kan nit vnterlasen, dero Liebden zu 152berichten, das man hir gehört, der Eschenbrenner zu Cöllen bemüe 153sich um dero Liebden protection wider den Cuhrfürst . Das möchte wider newe bitterkeit 154erweken, dan ohne dem beim Curfürst der magen noch nit recht sider der lütischen 155sach.


1gemeint ist der König von Spanien
2gemeint ist der König von Spanien