Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg an Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg, Düsseldorf am 31.01.1697

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/7

AbschriftSchreiber

Dankt für EMTs Neujahrswunsch und die Versicherung ihrer anhaltenden Gnade. – Hat für den guten Ausgang des Konflikts mit Hessen (-Kassel) nach Gott am meisten dem Kaiser zu danken. – Dankt für EMTs Protektion wegen seiner ausstehenden Subsidien, Kommis- und Fouragezahlungen; insbesondere die Subsidien eilen. – Sendet beiliegend, was er in der dänischen Heiratssache an den P. (Karl von Pottier) geschrieben hat. Entschuldigt sich, dass er den Brief an den dänischen König aus Eile nicht chiffriert hat. – Wiederholt seine Bitten um rasche Entsendung eines kaiserlichen Vertreters für den Ehevertrag der Schwägerin und um das (böhmische) Indigenat für Prinz Gian Gastone von Toskana . – Da Schwester Maria Sophie (Königin von Portugal) die portugiesische Heirat nicht mehr wünscht, sendet JW das Portrait zurück. – Dankt für EMTs Antwort an die spanische Königin (Schwester Maria Anna) wegen des Doktors (Schweizer) ; kann am Stil des Briefs der Schwester erkennen, dass sie vom Bischof von Augsburg (Bruder Alexander Sigismund) falsch über die „liederliche“ Angelegenheit informiert wurde. – Findet den Vorschlag der Gräfin Berlepsch wegen Verheiratung König Josephs I. impertinent und nicht praktikabel. Denkt aber, dass man zunächst noch dissimulieren sollte, bis die spanische Thronfolge entweder für diesen oder Erzherzog Karl gesichert ist. Ob König Joseph dann im Reich residieren oder eine der Kronen an seinen Bruder abgeben würde, kann vorerst offen bleiben. Schlägt vor, doch über eine Ehe Josephs mit der Mademoiselle (Élisabeth Charlotte d’Orléans ) nachzudenken, da dies sowohl die spanische Thronfolge als auch einen ehrenvollen Frieden für das Reich sichern könnte. Auch käme dadurch das arbitrium pacis et belli wieder in die Hand des Kaisers, anstatt von den unkatholischen Mächten England und Holland usurpiert zu werden. Zwar kann die Mademoiselle keine perfekte Schönheit genannt werden, sie ist aber doch mehr schön als hässlich, und große Herren müssen der Christenheit, dem Publikum und ihren Untertanen manchmal ein Opfer bringen.

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131 jenner 1697 2copia 3Allerdurchleuchtigste etc. 4Zue allervnterthänigster beantworthung ewer 5kayserlichen Mayestät drey allergnädigsten handtbriefflein vom 13ten 616ten vnd 21ten dieses so ich gantz kurtz nacheinander 7allervnterthänigst erhalten, und zwarn den lezteren 8durch eigenen courrier, so mir disem zu ruckh 9gehet, thue deroselben ich gehorsambst vnuerhalten, 10welchergestalten mir zuer höchster, jahe vnaus- 11sprechlicher consolation vnderthänigst gereichet, das 12ewer kayserliche Mayestät nicht allein meinen so wohl meinenden 13allervnderthänigsten newen jahrß wunsch, so aller- 14gnädigst auffgenohmen, sondern auch mich, mit so 15gar excessiuen allergnädigsten experssionen, vnd sincera- 16tionen der continuation dero vnschäzbahren gnaden 17allergnädigst versicheren wollen, dauor ich dann ewer 18kayserlichen Mayestät allervnterthänigsten fueßfälligen vnd vnent- 19lichen danckh erstatte, mit ebenmässiger ganz ein- 20ständigster bitte mich beständigst in dero gnaden 21zu erhalten. Waß daß hessische differential ne- 22gotium betrifft, habe ich, nechst gott, keinem als 23ewer kayserlichen Mayestät und der mächtigsten protection, und 24großmüetigen standthafftigkeit, die gröste obligation 25daß dieses werckh, der catholischen religion zum besten, 26solcher gestalten außgeschlagen ist, vnd erstatte ich dero-


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27halben aller vnterthänigsten danckh, daß dieselbe, durch 28den herrn Fürsten von Salm, dem ehrlichen Graffen von 29Nassau Weylburg, dero gnädigst danckhnehmigen gefallen, 30über das jenige, daß er mir so standthafftig beyge- 31standen, vnd zu disem so nuzlichem werckh mit solchem 32nachtruckh cooperieret, bedeuten lassen, welches disen 33herren nicht allein, sondern auch alle die übrige derge- 34stalten in diesem ihrem vornehmen stärckhen- und 35animieren wirt, daß man all erzimlichen ersprieß- 36lichen effect, vnd nuzen je mehr- und mehr dauon 37zu gewarthen haben wirt, dauon die gloire und 38ehre jederzeit billigst ewer kayserlichen Mayestät vnsterblich bleiben 39wirt. Bitte derohalben nur ewer kayserliche Mayestät belieben 40noch ferner dero mächtigste handt darahn zu halten, 41so wirt alles nach wundtsch gehen. Ewer kayserlichen Mayestät 42erstatte ich ebenfahls aller vnterthänigsten danckh, daß 43dieselbe nicht allein in dem hessischen negotio, sondern 44auch wegen meiner ruckhständiger vnd lauffender sub- 45sidien auch commis und fourage gelder, dero mächtigsten 46schuz und protection leisten, und dem Graffen 47von Stubenberg dero allergnädigste recommendation 48bey ihro Mayestät meinem allergnädigsten Kayser und herrn 49ahnwenden wollen. Ich bin numehro deß verlangenden 50effects gnuegsamb gesichert, weilen dero mächtigsten 51protection vnd appoggio gnuegsam gesichert bin,


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52werde auch solche höchste gnade, mit sacrificierung 53leib- und lebens gueth- und blueths vnd aller 54erzimlichen menschenmöglichsten trewisten vnterthänigsten 55diensten zue demerieren mir eusseristen angelegen 56sein lassen. Bitte nur wegen subsidiorum desto 57mehrer zu tringen auff den effect, als ich sonsten 58nicht mit der completier- und remonte meiner 59cavallerie vnd infanterie geschweigens mit deren 60vermehrung, wie ihro Mayestät mein allergnädigster Kayser 61und herr mir befohlen, forthkommen kann, dahe 62ich sonsten sex regimenter zue pferdt deren vier 63jedes zu 700, die übrige beyde aber jedes zue 64650 mann effectiue, nebenst 4 battaglions infan- 65terie jeden zu 600 köpff in rey, und gliedern, vnd 66der darzue nöthigen feldt artollerie effectiue ins 67feldt stellen werde. Was das dänisches nego 68tium ahnlanget belieben ewer kayserliche Mayestät aus der 69beylage allergnädigst zue ersehen, was 70ich ahn den Pottier durch eigenen courrier, so 71gestren wegk ist, geschrieben wohe mit ich 72dann verhoffe dero allergnädigsten willen, und befehl 73ein vnterthänigstes gnuegen gethan zue haben. Daß 74ich aber des Konigs brieff so wenig als die 75materiam damals nicht in ziffren ge 76schrieben ist aus ubereylung geschehen, 77bitte derowegen vnterthänigst vmb verzeihung, vnd solle


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78dieser fehler nicht mehr geschehen. So viel meine 79fraw schwägerin vnd den Principe Giovanni Gastone anlanget, 80bitte nur daß bald einer von ihro Mayestät meines 81allergnädigsten Kaysers und herren seithen, hiehero zue 82endigung dieses werckhs möge geschickhet werden, 83sintemahlen der Abbate Montauti vorgestern hier 84ankommen, und wollen ewer kayserliche Mayestät so allergnädigst sein, 85und dem gueten herren daß indigenat allergnädigst 86zue wegen bringen. So viel den portugesischen 87heyrath angehet, weilen ihro Mayestät die Königin nach 88der lachen action deß Pottschaffters nichts mehr da- 89von meldet, alß thue in vnderthänigkeit, daß längst 90allergnädigst überschickhtes portrait in vnderthänigkeit 91hiebey wider zu ruckh senden. Sonsten erstatt ewer 92kayserlichen Mayestät vor die allergnädigste continuation der Königin 93in Spanien brieff allervnterthänigsten danckh, wie auch vor 94dero so gnädigste rechtschaffene antworth in puncto 95des Doctor Schweytzers. Ich kenn aus dem 96stylo wohl, daß die guete Königin diser liederlichen 97sach halber vom Bischoffen von Augspurg dergestalten ist 98übel informieret worden, mein gröster trost aber 99dabey ist erstlich, daß ich mir ewer kayserlichen Mayestät vngnade 100dadurch nicht habe auff den halß geladen, vnd das 101ich zweytens, das jenige so ich gethan, auf instanz 102meiner beyder brüder, vnd einrathen, des Fürsten


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103von Heytersheimb, deß Hamiltons vnd meines 104Hoffcanzlers, also nicht aus mir selbsten, und aus 105lauterem capriccio gethan, sondern das werckh woll, 106und reifflich überlegt. Soviel das spanisches 107successionswerckh ahnlanget, kommet 108mir der Berlipsin gethane proposition wegen 109verheyratung des romischen Königs nicht 110wenig wunderlich vor, jahe wann ichs sagen 111darff etwas impertinent. Ich wehre aber der ganz 112vnderthänigsten vnuorgreifflichen meinung, das 113obwohlen das suechen des heyratswerckh 114meines erachtens gahr nicht practica- 115bel weder aus vihlen unwiderdreybligen 116ursachen thuenlich noch practicabel, dannoch 117noch zuer zeythin etwas zue diessimulieren, 118bis das man einen vom glorwürdigsten erz 119hause in possessione der ganzen monarchie 120hat, und hätte man meines wenigen erachtens 121noch zuer zeit nicht zue attendieren, ob der 122römische König oder aber der Ertzherzog 123Carl darzue kommet, wann nur einmahl die 124succession im ertzhause recht stabi- 125lieret wird, zue dem wirdt man noch et- 126was der inclination der nation selbsten 127indulgieren muessen. Ist dieses dan einmahl 128festgestellt und stabilieret, so wirds her-


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129nach mahlen ihro Mayestät meinem allergnädigsten liebsten 130Kaysern und herren ahn mittel und ripiegi nicht 131felen solche verordnung zwischen den beyden 132herren söhnen zue machen, die eqport1 ahm co 133nvenientisten sein werden, Non 134curemus de modo, id est licito et bono, summodo op- 135tineamus finem, und werden solchenfals ihro Mayestät 136meinem allergnädigsten liebsten Kaysern und herren 137beim Reich keines difficulteten gemacht 138werden und dieselbe es gahr leicht dahin 139bringen können, das mann den König obligiere, 140endweder im Reich zue residieren oder 141eine aus beyden krohnen seinem herren 142bruederen zue resignieren. Ich sehe aber 143allergnädigste fraw, wenig ahnstalt und apparenz 144darzue, dieses so wichtiges successionswerck 145mit nachtruckh zue stabilieren, und unser 146herr thuet nicht alle tage miraculen, dahero 147wann Tiberius ewer kayserlichen Mayestät nicht 2soalien von 148der französischen nation förchtete, wolte 149ich mich schier understehen, deroselben den 150heyrath mit der iezigen Mademoiselle und 151dem römischen König vorzueschlagen, 152durch welchen ich mich schir getrawete 153nicht allein das spanisches successions


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154werkh vollig zue adiustieren, sonderen 155dabenebenst dem ganzen Reich und per conse- 156quens dem publico und der ganzen christenheit 157einen erwünschten reputirligen frieden 158zue machen, das arbitrium pacis et belli aus 159Engellandt und Holland hände zue reissen, 160selbiges wie es billich sein solte in mein- 161en Kaysers hände als dahin gehorig zue 162bringen, der catholischen religion einen merc- 163kligen advantaggio zuemachen und dardurch 164alles in erwünschtem standt zuebringen. 165Allein es seye weith von mir daß ich mich vnder- 166stehen solle etwas zu aduancieren so ewer kayserlichen Mayestät 167vnangenehm sein könte, so ich doch nicht hoffen will, 168indeme ich die auffrichtigste intention dabey führe, 169vnd ewer kayserlichen Mayestät aller vnterthänigst versichern kan, 170daß obwohlen man nicht sagen kann, das die 171Mademoiselle eine perfecte schönheit sey, 172sie dannoch mehr schön als hesslich kann 173gesagt werden und sehr thugentlich und wohler- 174zogen, zue deme manchmahlen muessen grosse her- 175ren der christenheit dem publico, der reli- 176gion und ihren eigenen underthanen ein sa- 177crifitium thun. Ich stelle alles lediglich 178zue ewer kayserlichen Mayestät füessen vnd disposition


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179und ersterbe in vnueränderlicher deuotion etc. 180Düseldorff den 31 jenner 1697 181Ahn 182ihre kayserliche Mayestät die Kayserin 183von 184ihro churfürstlichen Durchlaucht aygenhändig 185also abgangen.


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186Copia 187Postscriptum 188Auch allergnädigste etc. 189Thue ich ewer kayserlichen Mayestät ratione des von 190mir wegen vermälung des römischen Königs 191mit der Mademoiselle gethanen vorschlags 192allervnderthänigst vnuerhalten erstlich das 193Tiberius selbigen nicht anderst gethan als 194blos aus einem lautterem zelo, die span- 195nische succession mit der grösten 196facilitet in dem glorwürdigstem erz- 197hause stabilirt zue sehen, andertens das 198arbitrium paci et belli wieder in mein- 199es allergnädigsten Kaysers und herrens 200händen und aus der uncatholischen prepotenz 201und usurpation zue reyssen, drittens unserer 202catholischen religion und der ganzen christen- 203heit ein so ahnsehentliges advantag- 204gio zue verschaffen, virttens dem Reich 205absonderlich in diesen seinen hochsten 206nöten und eusseristen gefahr in ruhe zuesezen, 207lezligen damit ewer kayserliche Mayestät soweit darauff 208allergnädigst reflectiren, als sie fin- 209den daes ihnen nothig sein wirt und die not- 210turfft erforderen. Ewer kayserliche Mayestät belieben


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211hierüber allergnädigste reiffe reflection zu nehmen, 212dann man kan wegen Dennemarckh noch 213helffen, mir dero gnädigsten befelch zukommen zulassen 214und festiglich zue glauben das ich in vnueränderlicher 215devotion ersterbe ut in litteris Düsseldorff den 21631 januarii 1697. 217Ewer kayserliche Mayestät nehmen mir dises nicht vn- 218gnädig, dann warhafftig, es kommet aus keinem 219anderen fondo her als purè vnd allein auß vnder- 220thänigst trew auffrichtigstem eiffer, vnd einer 221vnuerfälschten trewisten vnterthänigsten trewe und 222devotion.


Beilage

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1Chiffrierung eindeutig, Sinn unklar.
2Chiffrierung eindeutig, Sinn unklar.