Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 09.11.1701

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/8

Ausfertigungeigenhändig

129 r
Faksimile

1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Ich bitt vmb vergebung, das dero libst schreiben nit 3beantwort, seint dise wochen gahr vill occupationen 4gewest vnd heündt der schluß der octau der armen 5sehlen, werd mich befleisen mitt nechster post es zu 6duen. Überschikh hirmit die dagzettel. Heundt aber 7ist ein courir komen, hatt bracht, das gutte anschläg 8gehabt, aber nit könen volgen wegen der waßer, so 9angeloffen. Der Prinz Vaudemont hatt ein starke partei 10meilandische troupen geschlagen vnd den Monroi gefangen 11bekommen, den detaill werden dero Liebden mit nechster dagzettel 12bekommen. In deßen ist gestren der Ragozzi durchgangen, 13man sezt nach vnd inquirirt stark, das ist ein


129 v
Faksimile

14bös stükh, der wirt vns große hendel machen. 15Der liebste gott wolle alles zum besten schiken. 16Ich lebe und sterbe 17dero Liebden 18getrewste schwester 19Eleonora 20Wien den 9ten novembris 170121Bitt meiner fraw schwester die schensten 22compliment zu machen. Hierbey schik auch den brif oder die antwort 23von Papsten in originale, bitte mihrs zu remitirn. 24Bedankh mich zum schensten vmb die gutten lekerbetzer, 25werdens auf dero Liebden gesuntheit verzehren. Mein Keiser 26hatt ein große freüdt mit dem bilt, ist wunderschön 27vnd vnuergleichlich, ihr Mayestät werden sich schon selbsten bedanken.