Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 14.12.1701

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/8

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerliebster herr bruder 2Ich bitt vmb vergebung, das ich dero schreiben bis dato 3nit ausfürlich beantwortet, ist meins Keisers übel- 4aufsein dran schuldich gewest. Wie dero Liebden von ihr Durchlaucht, meiner 5geliebsten mama, werden vernommen haben, welche ich vnterdehnigst gebetten, 6dero Liebden zu participiren. Izt aber kan ich gottlob dero Liebden berichten, 7das ihr Mayestät sich wider ganz woll befinden vnd die 8schmerzen vollich vergangen. Es geht woll noch vill 9schleim vndt sandt wekh, auch großere körnel etlige wie 10brein körnel, aber gottlob ohne vngelegenheit. Wan nuhr 11nit noch was darhinten stekt, das wider newe schmerzen 12macht, ich will hoffen von nein. Es seint vohr 3 dagen


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132 steinel wekh gangen, eins war zimlich hart, aber klein, 14wie ein kleine halbte linsen, aber das ander war schir wie ein linsen, 15doch ist mehr wie ein zuesammen gesezter sandt, dan sichs gleich 16hatt zereiben laßen mit den fingern, also hoffe ich werde es iezt 17ein bestand haben vnd keine schmerzen mehr kommen, welchs 18der liebste gott also gnädig verleyen wolle, amen. Dero Liebden bitte 19ich vmb vergebung, das der Ansalone so lang nit de- 20pechirt wirt, ich hoff, als die verlangte mineralen mit 21zu schiken, ich erwart sie däglich. Die reccomendation, die dero Liebden 22mihr melden vohn den Frätislaw werd nit vnterlaßen, 23ihn alzeit bestens bey mein Keiser aufs beste zue 24reccomendirn, wie auch die von bevorstender Fürstenberg . 25Dero Liebden derfen sich gahr nit bedanken wegen das, was dem Wißer 26geschen, weil es zuefodrist verdient ist, so woll wegen dero Liebden vnden ganzen haus 27verdienst, auch wegen der treuen dinst, die er dero Liebden geleist hatt, 28es wirt woll nit vbl sein. Dero Liebden seindt gahr zu 29gutt, daß sie die schlechte bilt haben angenommen haben. 30Bedankh mich vohr alle gutte sach vnd das billt vohr 31mein Keiser, alle konnens nit genugsamb 32loben. Die sachen von Colln stehn woll übel, gott wolle


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33alles zum besten schiken, mein Keiser wirt alls möglige duen. 34Wegen des Deütschmeister stehn die sachen in allten, er macht ein 35haufen complimenti, aber den kerl duet er halt nit wekh. 36Er hat sich auch offerirt, dem Herzoch Carl von Lottring zu 37dem Bischtumb Münster zue verhelfen, wan er ihm hingegen 38will Olmiz abtretten, das wirt er kein narr sein, das ers duet, 39dan ihm das mehr eindragt als Münster vnd Osnabruckh zusam. 40Es ist iah genug, das ihr Mayestät, mein Keißer, versichert, bey andern 41aperturen als Trier, oder was sonst möchte vorfallen, zue verhelfen, 42wann ers nuhr nit selbst mit dem abgeschmachten Forstmeister 43verderbette. Dah ist aber niks zue duen, er verlangt her zu 44kommen, so hab ich den Eißenheim gesacht, wan der Forstmeister 45werd von ihm sein, werd er mein Keiser vndt mihr gahr angenehm 46sein, aber er vnterlast ehender her zu kommen, als den kerl 47zu verlaßen. Es ist über mein verstandt, vnd kan ich nit 48capiren, das er sich so in den menschen incapricirt wider 49aller seiner geschwistern vndt ihr Mayestät, meins Keiser, willen. 50Ich hab mit dem Cauniz gerett wegen was dero Liebden schreiben wegen Münster, 51so meint er noch als, der Herzoch von Lottring werds konnen em- 52portiren, wan man nuhr machen könt, das er dort ein ca- 53nonicat bekomete. Dero Liebden konnen aber dem Cauniz selbst


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54informihren, das er es mein Keiser vohr dragt oder durch 55den Wißer, wan er her kombt. Wegen der cölnischen sach ist heüdt 56conferenz gewest, vnd werden die courir gleich geschikt. 57Mihr ist auch recht angst vohr den Herzoch von Saxen, der Curfürst 58von Cölln oder villmehr der Cardinal laßen ihm auch aufpaßen, 59er weis es aber woll, so wirt er sich schon in acht nemen. 60Aber ich bitt nachmahlen dero Liebden wie im gestrigen schreiben mit dem 61courir gebetten hab, sich in acht zue nemmen vndt 62nie so auf die iacht zu gehen ohne gutte conuoy, 63ich befehl es dem liben gott, der wirt dero Liebden bewaren. Werd alle 64fromme leüt betten laßen, das gott dero Liebden bewaren wolle, bin 65dah in großen sorgen, wan ich mich nit auf gott verlaßete vnd 66ganz vestiglich, wie Pater Marcus sacht, so wehr ich vntröstlich. 67Ich verlang woll sehr, bis die anwort kombt, das der 68courir ankomen, damit dero Liebden sich können in acht nemmen. 69Wegen verschonung des papstlande haben ihr Mayestät schon zu verstehen geben, 70das dero Liebden dis werkh sehr solicitirt haben, dero Liebden kan versichert 71sein, das sie auf alle weis werden verschonet sein. Es freüt 72mich, das der Herzoch von Saxen so woll duet vnd in allen mit 73dero Liebden correspondirt, aber auf Munster wurdt es woll nit


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74angehen, weil er dort gahr kein canonikat oder niks hatt. 75Es ist mihr sehr leidt, das dero Liebden mit den dänischen volkern so 76incommodirt worden, zweifl nit, ihr Mayestät werden möglist remediren 77vnd den comissari ein displinz bezeigen. Iezt bekom 78gleich mit einem courir dero schreiben vom 8ten decembris, auch 79eins hab mit der post bekommen, das vmoglich nit antworten 80kan, mit ersten wirts geschen. Kan auch vnmöglich mein 81fraw schwägerin schreiben, ist zu schpaht worden. Gottlob, mein 82Keiser ist heüt beßer, ist wider aus dem bett, mihr halten 83iezt schon die ordnung mit eßen, so mus enden, es 84nit zu brechen. Befehl mich dero Liebden und meins lesten fraw 85schwägerin, bitt vmb gotswill vmb vergebung, das 86nit schreib, mit nehsten wirts gewis geschen, lebe vnd 87sterbe 88dero Liebden 89getrewste schwester 90Eleonor 91Wien den 14ten decembris 170192Gestern hatt mein Fürsten sohn die elteste von Locowiz 93geheirat.