Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 05.09.1708

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 44/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst mein herzallerlibster herr bruder 2Mitt der gelegenheit der zurukhreiß des Diemanstein komme 3ich nachmahlen, dero Liebden zu gratuliren, das nuhnmehro alls zum 4glükhligen ende kommen ist, der almechtig wols dero Liebden ville 5jahr mit allen contento genießen laßen. Bin dero Liebden auch obligirt 6vohr die gratulation wegen der vngrischen zeitung, welche so vill 7gefrucht, das der Heister Neitra genommen vnd der Otschkai, 8welcher mit seinen streifen schir dem meristen schaden im land 9gedahn, mit sein regiment zue vns herüber gangen. Izt 10marschirt er gegen die bergstätt, wan er diese erobert, währ es 11ein großes, dan dardurch der feindt sein mittel verlirt 12vndt diese vns zuwaxen dehten, dan iezt gahr ein reicher segen 13darinnen, wah man sonst von 1 zentner erst das 8tel golt bekomen, 14jezt die helfte giebt, gott geb sein segen darzu. 15Erwarten aus Niderlandt mit verlangen den glückhligen ausgang 16der belegrung vndt aus Italien, was die flota in Sardegnen


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17außrichten wirt, waruon alles dependirt, dan sonst mein sohn nit zu 18leben hatt in Barcelona . Man duet ihm wider ein regiment schiken, 19aber wirt alles nit erkleken. Es freüdt mich zu sehen den eifer, 20so dero Liebden zeigen, damit die sach mit dem Papst möge aiustirt werden, 21vndt zweifl nit, dero Liebden vnd der Großherzoch werden alles dazu 22cooperiren. Die puncta, so mihr dero Liebden geschikt, wan niks als das war, 23glaub ich, wurd es sich balt aiustiren, aber der hisige Internunti 24sehr fest halt vndt sagt, der Papst werd niks eingehen oder anhören, 25bis zuuohr Comachio wider ihme zuestelle. Das heist, den 26wagen vohr die pfert schpannen. Ich hör, ihr Heiligkeit haben dero Liebden einen 27eigenhandigen langen brif geschriben, welcher der der Großherzoch dero Liebden mit 28eignen courir überschikt hatt. Aus disen wirt man mehr liecht 29bekommen vnd sehn, was vohr hoffnung zum aiustament ist. 30Das ich solle an ihr Heiligkeit geschriben haben, seindt dise nit woll infor- 31mirt, welche es dero Liebden bericht, dan das negotium gahr zu important 32vndt heiklich, das ich als ein weib mich vnterfangen solte, 33mich darein zu mischen. Weil ihr Heiligkeit aber selbst an dero Liebden schreiben, 34wirt vileicht durch sie die sach sich zum besten schlichten. Den Prié 35betreffendt, so glaub ich nit, das einige gefahr sey, das er in 36disen negotio nit mitt allem fleis sich bemühe, dan 1 ich ihn alzeit 37ein erligen man gefunden vnd nie gehört, das er gesacht, der Großherzoch 38hab nit hir tractiren wollen. Das weis ich aber woll, das er es gern gesehn 39vnd sich hier sehr darumb bemüet hatt, aber durch andere verhindert worden ist,


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40vndt hab ihm alzeit sehr portirt vohr den Groß Herzoch gefunden. 41Das er aber von andren ist überstimbt worden vnd duen müsen, 42was seine orders wahren, dah kan er nit daruohr. Er hatt 43sich noch etwelche dag aufgehalten vnd gemeindt, es werd sich endren, 44hatt aber nit sein können, wie ihm der Antenori selber 45wirt müßen zeüchnus geben. Ich glaub nit, das er sich vill 46reisen wirt vmb die charge, so er izt in Italien hatt, 47sondren vill mehr sich bemüen, die sach mit dem Papst 48bey zu legen, wardurch er könte hoffnung bekommen, dorten 49bottschaffter zu werden, welchs ihm lieber währ als dißes. 50Ist mus man schon erwarten, was ihr Heiligkeit an dero Liebden schreiben werden 51vnd sich weiters darnach richten zu können. Bin dero Liebden auch 52höchst obligirt, das sie mein dochter mit dero libsten gegenwart 53haben wollen erfrewen vnd ist die arme vnausschprechlich 54mortificirt vber ihres schwagren Botschaffter stättichkeit. 55Der Bischof von Labach hatt auch niks mit ihm richten können. 56Es währ woll gahr zu vill, wan dero Liebden sich noch in Holand 57wurden bemüen, wie woll es vohr sie ein großer trost 58sein wurd. Es ist ihr so zu herzen gangen, das sie gahr 59ein kopfweh daruon bekommen hatt. Er hatt sie auch 60wollen per forza zu Rotterdamb bleiben machen, woh sie 61alle weren krankh worden, doch hatt entlich der Bischoff ihm 62scharf die warheit gesacht, so hatt ers entlich in Haag laßen gehen.


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63Es ist ein wunderlige vndt stättige nation, forcht, mein 64arme dochter werde noch ville mortifficationes austehn 65müeßen, gott wolle ihr beystehn. Dem Dimantstein hab ich 66ein brif an die schwagrin mitt geben, warin ich so woll die 67italienische reis als die heirat nochmahlen touchir. 68Ist schad, das sie nit den portugiesischen Botschafter heiraten konen, 69dan sie just so ein stättigen kopf hatt. Werd halt mein 70heil noch einmahl probiren. Die von Sulsbach weis ich nit, 71obs ihnen so anstendig sein wirt, weil sie gahr niks hatt, 72dise aber würden sie auch wegen ihrer mittel consideriren. 73Erfrew mich auch, das der Prinz Joseph balt zu dero Liebden kommen 74wirt, damit er beßer erzogen werde. Bedanke mich 75auch gegen dero Liebden vohr alle gnaden, so dero Liebden auf meine reccomen- 76dation verleyen wollen, wuntschte nuhr, das noch verners 77ich auch gelegenheit haben möge, dero Lieben in etwas zu dienen. 78Leztlich kom, mit besten dero Liebden anzurümen, wie sich dero bede gesanten 79hir so eifrig dero dienst haben laßen angelegen sein, das sie 80bede dero Liebden gnaden woll würdich sein. Der Wißer auch, so 81lang er hier ist, sich allezeit woll komportirt hatt, nit 82allein in disen, sondern in allen dero Liebden negotien, vndt wirt dero Liebden noch 83konftig durch seine gutte capacitet vill erschprißlige dienst 84leisten können. Dise, so dero Liebden mihr überschrieben, ??? Panciatia vnd


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85sein geschpan, werd ich gern an die hand gehn, wie ich kan. Den Rogati 86werd auch bestens mein sohn, den König, reccommendiren. Anbey due 87dero Liebden nochmahl reccommendiren die arme nönscher zu Münstereifl 88vnd dan ein gewißen priester Johann Joseph Callenberg, vohr 89welchen obgedachte cormeliterin instendig bitten, das er möchte ein 90canonicat bekommen oder zu Münstereifl oder anderstwoh 91in dero Liebden landen. Duen ihn vnerhört loben wegen seiner dugent vnd 92auferbauligen leben. Due dero Liebden gahr zu lang mit meiner schlimen 93schrifft vngelegenheit machen, due mich ihnen befehlen, mich in 94vbrigen auf das, was der Grav Dimanstein dero Liebden müntlich wirt beybringen, bezie, 95leben vnd sterben 96dero Liebden 97getreweste schwester 98Eleonora 99Wien den 5ten septembris 1708100Die Müllerin geweste Denzlin hatt 101mich auch gebeten, sie zu reccomendiren, wie dero Liebden aus den einschlus 102sehen werden.


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103samt einer beylag


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