Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 18.04.1686
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst vmb vergebung, das ich bey vohriger 3post meine schuldichkeit verabsaumet hab, am antlaß pfinstag 4seint den ganzen dag schier in der kirchen. Hab dero gnädige schreiben 5vom 2ten, 5ten vnd heindt vom 9ten mit schuldigstem respect 6empfangen. Sage ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr den gnädigsten wuntsch 7zue dem alleluia vnd ostern. Ist woll ein großer fäler, 8das ich selbiges nit ehnder abgelegt, bitt es vnterdehnigst ab 9vnd wüntsch von gott derohselben alles erdenklige 10wollergehen, dises vnd noch vill volgende. Das ihr Durchlaucht, mein 11geliebste fraw mutter, annoch mit dem zanweh incomodirt, 12ist mihr herzlich leid, vnd bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst verners 13zue verhüetten, das sie sich meinetwegen mit schreiben 14nit bemühen, dan es darzue gahr nit gutt. Die 15verlangte expedition wirt mit dem courir schon ankommen sein, das ander 16wirt auch mit nechstem kommen vohr den Irsch . 17Wegen der portugeßer ists ein artigs durcheinander, 18ich weis nit, was ich glauben soll. Es mues sich 19balt zeigen, gott geb, das der francos so resonabel sein
20sein möge in seinen relationen, als er sonst scheindt. 21Ich traw keinem. Mein brueder wert ich ein freüdt haben zu 22sehen. Diese, so wollen ins felt gehen, werden den 15 maij 23hier müeßen sein, dan wirt die campagne anfangen. 24Prinz Louis ist ein wakrern herr, aber allein bey Cuhrfürsten, 25seindt bede etwas jung. Bitt vnterdehnigst vmb vergebung, 26das so wehnig schreib, weil heündt mit erlaubnis eingenommen, 27so derf nit vill schreiben. Befehl mich vnterdehnigst vnd werde 28sterben 29ewer Durchlaucht 30vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 31EMT 32Wien den 18ten aprill 1686



