Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 09.05.1686

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

35 r
Faksimile

1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vater 2Dero gnädiges schreiben vom 26ten passato hab mit großen freüden 3empfangen, weil ich daraus dero gutte gesuntheit 4vernommen. Ich verhoffe, ewer Durchlaucht werden zue Manheim 5einen guetten schpas mit der beys haben. Hier geht 6es noch schlecht, nuhr ein vohrmitag hatt man was 7duen können, dah haben mihr den ersten reiger vnd zimlich 8hüpsch gefangen. Hier ist iezt ein rechter apprill, 9balt schon, balt wint, balt regen. Vergangen sontag 10hatt ein großen schneh gehatt. Das mein elterer herr bruder 11balt kommen wirt, freüdt mich, der Deütschmeister 12vnd mein bruder Carl, wie auch der jüngere, wan 13er noch mit soll, so ist es schon zeit, dan der 14Herzoch balt wekh wirt. Der Cuhrfürst wirt auch 15heünt 8 dag hier sein vnd gleich die campagne 16anfangen. Ewer Durchlaucht derfen gahr nit zweiflen, das, 17so balt sich etwas mit Portugal vohrgender 18zeigen wurde, ihr Mayestät alsobalt mein bruder Carl zue-


35 v
Faksimile

19rukh schiken wurden. Aber ich forcht, wird schwerlich geschen, dan die 20franzosen sich rüemen, das balt etwas werd heraus kommen, 21das niemandt glauben wirt. Gott geb, was zue seiner 22ehr ist, vnd der verleye auch eine glükhlige campagne. 23Der Merci vnd Heisler haben auch widrumb die 24türken vnd tartern überfalen vnd auf 1000 nidergemacht. 25Der Tekeli ist mit einem einzigen kerl entrunnen. Es seint 26halt auf dieselbe seiten die vngren kommen, mein woll, 27wan es deütsche wehren geweßen, sie hetten in ertapt. 28Sie haben vill gefangen bekommen, aber kein beütt 29weiter mit füren können, dan der Serasquier ist mit dem 30fölligen macht über das waßer gesezt. So haben sie sich 31retiriren müeßen biß zu der infanterie in ihren 32vortel, so ist der Serasquier auch wider zuerukh 33gangen. Gott geb, das dieser guette anfang ein guettes 34omen sey vohr die ganze campagne. Was ewer Durchlaucht gnädigst 35mihr befehlen wegen des iuden, so werdts ihr Mayestät vnterdehnigst 36vohrdragen. Weil aber der Grav von Ötingen nit hier ist, 37so werd es durch den Schellerer ihm sagen laßen vnd, 38wan er herraus wirt kommen, selber mit ihm 39draus reden. Mit dießem due ich mich ewer Durchlaucht


36 r
Faksimile

40vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 41ewer Durchlaucht 42vnterdehnigste treugehorsamste dochter 43EMT 44Wien den 9ten maij 1686