Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.07.1686
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich sage ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr bede dero gnädige schreiben, 3deren ich eins durch meinen herrn bruedren Carl bekommen, 4das andre vom 2ten diß durch die ordinari post. Erfreüt 5mich von herzen, das ewer Durchlaucht sich in guetter gesuntheit 6befinden. Iezt kom ich aber auf den knien, meiner 7vngeschikt- vnd vnachtsamkeit halber vntertehnigst vmb 8vergebung zue bitten, das ich meines bruedren, des 9Deütschmeister, schreiben an ewer Durchlaucht aufgemacht hab. 10Weilen noch eins an ewer Durchlaucht dah war, so hab ich glaubt, 11dis gehöre an mich, aber ich versichere ewer Durchlaucht als dero 12vnterdehnigstes kint, das ich gewislich kein buechstaben geleßen als oben 13durchleuchtigster Cuhrfürst. So hab ich gleich gesehn, das es nit 14an mich ist. Hoffe durch ewer Durchlaucht große guette diese 15vergebung zue erlangen. Wie es zue Offen steht, 16werden ewer Durchlaucht aus dem beyliegenden ersehen, 17auch noch alte dagzettel, so ich vergeßen zue schiken.
18Gott steh inen verners bey mit seiner gnad, 19mihr haben woll vhrsach zue betten, dan an dißem ligt 20alles. Ich werd gewiß meinen bruder Carl dem Herzoch 21auf das eifrigiste recomendiren, weis aber woll, 22das er sichs ohne das wirt woll angelegen sein 23laßen. Mit dem Pater Hippolit werd ich mit nechstem 24reden. Er hatt mihr gesacht, er bitt nuhr, das dise 25orter, so die fransiscaner einmahl gehabt, nit 26andren orden sollen geben werden. Wan er also dis 27wirt hören, so wirt er gewiß das seinige duen, dan 28woh sie nit recht haben, duet ers ihnen gewis nit 29zueschprechen, er hats halt müeßen glauben, wie imbs 30die pfafen bericht haben. Dem Hoffcanzler hab ich ewer 31Durchlaucht gnädiges schreiben alsobalt hinaus geschikt, ich will 32aber morgen oder lengstens übermorgen mit ihm 33daruon reden. Iezt gleich seint ihr Mayestät ankommen 34vnd haben gesacht, das sie das briefel an Cuhr Meins 35schon vohr etlig dagen dem Hoffcanzler befohlen zue 36voruertigen. Er wirt aber auf die deploma haben 37warten wollen, welche ihr Mayestät erst gestren dem
38Königsekh befohlen vnd so balt nit kan abgeschrieben 39werden. Ihr Mayestät wollen aber befehlen, das könftigen 40sontag gleichwoll derweil das dankhbriefel ablaufen 41soll vnd die diploma so balt als möglich sein 42wirt folgen. Mit dißem due ich mich ewer Durchlaucht 43vnterdehnigst befehlen vnd werde sterben 44ewer Durchlaucht 45vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 46EMT 47Wien den 11 julij 168648Jezt gleich übergibt mihr der Altheim ewer Durchlaucht gnädiges schreiben, 49werde dero befehl allezeit gehorsammen.






