Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 01.05.1687
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Nechst widerholten herzligester gratulation zue dem heündtigen 3gükhsehligen dag sage ich ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh, das sie 4mihr zue meinen herführgang in dero gnädigem schreiben vom 18ten 5passato sollige guedte wuntsch duen wollen, der almechtige erhalte 6ewer Durchlaucht bey bestem wohlstand verners, so werde ich 7allezeit glüksehlig sein. Ich kan mihr woll einbilden, das 8dem portugesischen Botschaffter das fuks brellen gahr 9woll werde gefallen haben, ich glaub nit, das in ihrem 10landt dergleichen gibt. Weil sich die opera noch so lang 11verschiebt, wirt sie desto beßer können auswendich 12gelernt vnd eingericht werden. Ewer Durchlaucht werden iezt 13schon alles empfangen haben. Freüdt mich auch von 14herzen, das entlich die guette resolution aus Schpanien 15erfolgt ist. Ihr Mayestät vnd ich werden dise post widrumb 16schreiben, das die 100 000 gulden möchten in Portugal übermacht 17werden. Den brief an die Königin werdt fleisig schiken, 18die liebe fraw hatt woll gedahn, was sie könt 19hatt, sie zeigt ein große lieb gegen ewer Durchlaucht vnd 20allen meinen geschwisterten. Ewer Durchlaucht duen gahr höchsterleücht,
21wegen meines bruedren Carl seiner reis gemach zue gehen. 22Ist mihr auch beygefallen, wan ewer Durchlaucht auch noch in 23den gedanken sein, gleichfals bey der brandenburgischen 24wittib die düer offen zue halten, ob man nit 25durch dise reis selbiges verhindren möchte, vnd 26wan in Portugal niks draus wurde, würde er schwißen 27zwehn stüelen nidersizen. Ich hab nit vnterlaßen, 28in genere ihr Mayestät dauon zue sagen, nuhr bloß 29ob nit dorthin auch zue refflectiren wehre. Hab 30aber wegen des Freitags noch nit vermeindt, das zeit 31etwas zue melden, weil ihr her noch so frisch gestorben, 32will aber erst mit dem Hoffkanzler draus reden. 33Ihr Mayestät haben sonst gezeigt, das sie vermeinen, das 34das nit auser acht zuelaßen, angesehen, das sie eine 35wittib, welche wie man sagt sich auf etlige 36milionen vermag. Ich hab aber von dem gedanken 37wegen der polnischen kron vermeint, beßer zue duen, 38das dauon abstrahire, weilen, wie ewer Durchlaucht bekant, das 39ihr Mayestät noch immerzue ein consideration vohr 40den Herzoch von Lottring in disem vall gehabt, welches 41ewer Durchlaucht auch vohrdisem, wie sie hier wahren, nit allein 42aprobirt, sondren auch gezeigt, das sie ihre officia 43bey denen, so ewer Durchlaucht dorten zue gedahn, darzue gern beydragen
44wolten, so glaub ich woll, das dersider ihr Mayestät dero 45intention nit werden verendert haben. Hab also ver- 46meindt beßer zue sein, es darbey bewenden zue laßen. 47Glaub auch, das schwerlich was draus werden wurd vnd sie 48ihr gelt vergebens wurde anwenden. Aber auch ohne dem, 49mein ich woll, wehre darauf zue gedenken, dan sie so vill 50mitel hatt, das vnsren hauß ein große hülf sein kunte. 51Vohrgestern ist Pater Hippolitus wider hier ankommen, hatt ein 52reis auf Rohm gedahn, vnd weil ich nit gewust, woh 53in solt antreffen, hab ewer Durchlaucht gnädiges schreiben an ihn so lang 54behalten, vnd ihme solches so balt er kommen über- 55liuert. Dise dag, das mihr heraußen sein, haben nuhr 56zwey mahl auskönnen, das erste mahl aber gleich solche 57wint kommen, das niks haben richten können, gestern 58vohrmitag ein krah vnd 2 elstern gefangen, aber kein reiger. 59Dan gleich nach halber 9 ein solcher sturm windt kommen, 60das heim gemüest vnd nachmitag zue haus bleiben. 61Heünt vohrmitag wehrs schön geweßen, aber jezt ist 62schon wider windig, weis nit, ob werden aus können. 63Mit disem due ich mich in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst 64befehlen vnd werde sterben 65ewer Durchlaucht 66vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 67EMT 68Wien den 1 maij 1687 Pater Marco erwarten alle dag.









