Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 29.06.1687
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vater 2Ewer Durchlaucht gnädige schreiben vom 17ten vnd 20ten dis habe, den einen 3gestern vnd den andren heünt, mit schuldichstem respect 4empfangen, weil die post wegen des angeloffenen 5waßers aufgehalten worden, ist der eine auch so schpaht 6kommen. Gleich wie mich herzlich bedrübt hatt, das 7ewer Durchlaucht sich nit woll auf befunden, also erfreit 8mich vonherzen dero gutten wohlstandt widerumb 9zue vernemmen, der almechtige wolle verners 10sein gnad verleyen vnd ewer Durchlaucht bestendig bey selbiger 11erhalten. Bitte aber vnterdehnigst, ewer Durchlaucht wollen doch gegen 12dero vnterdehnigstem kint keine entschuldigung machen wegen 13des schreiben, ich bin ganz bedrüebt vnd in sorgen, 14ich sey bey ewer Durchlaucht in vngnaden, das sie soliche 15cerimoni mit mihr machen. Wegen der tractament 16des König in Portugal, können ewer Durchlaucht ihme versichren, 17das ihr Mayestät ihme tractiren werden gleich sie Schpanien 18aus der reichscanzley vnd Engeland vnd anderen königen aus der 19canzley geben, die ihr Mayestät alle gleich tractiren, vnd 20Portugal nit difficultiren werden. Wegen des gelt
21werden ihr Mayestät gern schreiben in Schpanien, vnd ich 22auch, so eifrig mihr können. Wan sie aber auch duen, 23so wirt schwerlich das certifficat so geschwint 24heraus wirt kommen können, dan die brief allezeit 25zwey monat hin vnd her haben, vnd dort geht 26alles langsamb. Bruder Carl betrefent, weil es ewer 27Durchlaucht also befinden, seint ihr Mayestät schon darmit zue- 28friden, hoff aber, das er wider beßer werde an der 29gesuntheit sein. Gottlob, das mit der Erzherzogin 30wider beßer ist, hoff zue gott, weils so weit 31kommen, sie werd es woll überstehen. Das ewer Durchlaucht 32dem Josephel ein rößel vnd sattel schiken wollen, 33sage vnterdehnigsten dankh, er wirt alles zue ewer Durchlaucht 34vnterdehnigstem dienst anwenden. Was wegen Meins werd ich ihr 35Mayestät anmahnen. Der Minati vnd Draghi werden gahr 36consolirt wegen des schönen present. Ist mihr so leit, 37das der mensch den fues gebrochen, es wirt sich 38woll ein andrer befleisen müeßen, es zue lernen, 39dan ausbleiben kan die parte nitt, es wurd die 40opera stoprirt. Der Deütschmeister ist gestren von 41hier vereist, hatt sich nit lenger wollen 42aufhalten laßen, gott geb ihm sein gnad
43vnd behüett ihn vohr allem vnglükh. Vohrgestren ist 44er mit vns auf dem ersten iagen gewesen, haben 6 45hirsch gefangen, zimlich guett, aber nit extra feist. 46Der große hatt 430 pfund gewogen. Bitt nochmahlen vnterdehnigst, ewer Durchlaucht 47wollen sich nit entschuldigen wegen des schreiben, förcht sonst, 48sey in vngnaden. Weil ich aber weis, das ewer Liebden 49iezt vill zueduen haben, will auch ewer Durchlaucht nit 50lenger mit mein schreiben bemühen. Befehl mich vnterdehnigst 51vnd werde sterben 52ewer Durchlaucht 53vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 54EMT 55Wien den 29ten junij 1687





