Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Pressburg am 22.11.1687
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich hab mit großen freüden ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 312ten dis empfangen, weil ich daraus ewer Durchlaucht gutten 4wohlstandt vernommen. Sage ewer Durchlaucht auch vnterdehnigsten 5dankh vohr die gnädigen wuntsch zue Sankt Leopolt vnd 6der könung. Auf den selben dag hatt es gahr 7nit sein können, mihr haben aber alle gehofft, es 8werde auf Sankt Catrina dag werden, so trentlen 9aber die vngern so mit ihrem schriftligen auf- 10saz, das sie ihn noch nit eingeben, so wirt 11es auf den dag nit sein können, welches vns allen 12leidt ist. Weil die krönung noch so lang verschoben 13wirt, so wirt der Deütschmeister widerumb auf 14etlige dag auf Wien, sich noch mehr in der 15gesuntheit zue assodiren vnd noch etwas brauchen, 16mit deme, hoffe ich, werde er die kreften
17wider völlich erholen. Was Cöllen anbelangt, seh ich 18nit, wie mein brueder dort etwas helfen könne, 19weil er nit capitular ist, vnd wan man mit 20Prinz Clement nit spuntiren kan, wirt es mitt 21ihme woll wehniger gehn. Das er das subdiaconat 22sol nemmen vnd capitular werden, hatt auch 23vill difficulteten wegen des ordens so wohl, als das 24er hernach scrupul haben müeste ins felt zue gehn, 25welches woll schad were, wan er dis solte aufgeben. 26Wan es gleich andre gedahn, so ist dorten villeicht 27ein andere teologia gewesen. Kunte doch bruder Carl 28sein canonicat auf bruder Friz resigniren vnd er 29sich capitular machen. Wegen Lüttich, so förcht, 30es werde an den mitlen beim Deütschmeister manglen 31vndt etwan auch difficultet wegen des bienium sein. 32Die residenz aber wirt nit vill darzue duen, wan 33aber ein nedere hoffnung oder halbe sicherheit sein, 34auch die mitel vohrhanden, kan er baldt drunten 35sein. Der Cauniz wirt schon bey ewer Liebden sein. Der Oting 36ist noch nit kommen, ich förcht nuhr, es sey 37ihm ein vnglükh geschen oder er sey krankh
38worden. Was Pater Marco schreibt, so ist er ein gutter 39man, hatt gutte intentioneß vnd gahr eifrich, licht 40halt auch immereinmahl an dem, wie man ihn in- 41formirt. Die sach ist heiklich vnd der feder nit 42zue trawen. Wan der Deütschmeister hinunder kombt, 43wirt er ewer Durchlaucht in allem informiren, die welt ist 44halt wunderlich vnd man weis balt nimmer, wem 45man trawen derf. Es mach woll sein, das die schikunng 46auf Regenschpurch mit darin einlauft. Mehr traw ich 47mihr nit zue schreiben, der Deütschmeister wirt alles sagen 48wies geht. Ich due mich ewer Liebden vnterdehnigst befehlen vnd 49werde sterben 50ewer Durchlaucht 51vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 52EMT 53Presburg den 22ten novembris 1687





