Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 06.06.1688
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herz allerliebster herr vatter 2Ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 29ten passato hab mit vnterdehnigstem 3respect empfangen, welches mich aber ich höchste 4sorgen gesezt, dieweilen ich daraus ersehen, das 5ewer Durchlaucht sich widerumb mit dem stein molestirt 6befunden. Hoffe zue dem almechtigen gott, es werde 7izt alles widerumb guett sein vnd ewer Durchlaucht 8sich in bestem wohlstandt befinden. Das aber ewer 9Durchlaucht sich noch darzue wegen meiner mit schreiben 10incommodiren, duet mich noch mehr in 11sorgen sezen, dan mich gahr zue sehr wurde be- 12drüeben, wan wegen dis ewer Durchlaucht einige mereres 13übel möchten empfinden, dan das schreiben gahr nit 14guett darzue ist. Bitt also nochmahlen vnterdehnigst vnd 15auf den knien, ewer Durchlaucht wollen doch beßer dero
16gesuntheit, an welcher vns, dero vnterdehnigsten kindern, alle vnser 17trost hanget, beßer conseruiren. Gott geb, das dem 18Deütschmeister das bad woll bekommen möge. 19Wegen bruder Friz hab ich nit glaubt, das im dißes 20in dem geistligen schaden wurde, sondren gemeint, es 21sey auf alle weis nuzlich, wan man was von krieg 22versteht, wan man gleich geistlich darnach wirt, doch 23steht alles zue ewer Durchlaucht gnädigstem belieben. Mit 24dem Herzoch ist gott lob beßer, doch noch gahr 25matt, das er kaum noch allein über das 26zimmer gehn kan, hoff aber, er werd sich balt 27erholen. Wegen Beyern werden ewer Durchlaucht schon gnädigst 28vernommen haben, das der Cuhrfürst nit kombt. 29Der Cauniz ist droben krankh, das er auch in 30andren sachen nit vill duet. Ich weis nit, was 31ich daruon gedenken soll, es ist ein artigs 32durcheinander, gott wols beßern. Es last sich 33nit als der feder trawen, vnd wehr auch 34schier ein buech zue beschreiben vonnöten.
35Wegen des Starenbergs hoff ich, er werd mit denen 36gnaden, die ihm ihr Mayestät gedan, sich befridigen, 37in dem es bey dem alten wegen des Geheimen Rahts 38verblei bt vnd in der zeit die sachen sich 39zue München villeicht endren werden, oder 40man ein anders mittel wirt finden. 41Dis ist aber nit die haubt vhrsach, warumb 42ihr Mayestät ihn iezt nit zum würkligen Geheimen 43Raht machen wollen, sondren sie haben andre, das 44wan er gleich der Erzherzogin Obristhoffmeister wehr, 45sie ihme es dannoch izt nit geben könten. 46Mit disem due ich mich ewer Durchlaucht vnterdehnigst 47befehlen vnd werde sterben 48ewer Durchlaucht 49vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 50EMT 51Wien den 6 junij 168852Ist der heydige dag, zu deme ich ewer Durchlaucht 53mit vnterdehnigstem kintligem herzen alles erdenklige 54wollergehen vnd segen von gott anwüntsche.





