Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 09.09.1688

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich hoffe zue gott, ewer Durchlaucht werden sich widerumb 3in bester gesuntheit befinden vnd die incomodi- 4tet, so sie gehabt, völlich aufgehört haben, warzue 5der almechtige sein gottlige gnad verleyen wolle. 6Ich hab ewer Durchlaucht befehl gemeß mit mein Grau 7Carl von Wollenstein geret wegen meines bruders Carl . 8So sagt er mihr, er vermeindt, das man mehr 9durch die Sapien, welche mehrendere erben, als durch 10die Ragiuilen selbsten, welche noch zwen iunge herren, 11werde duen können. Wegen deren so woll, meinet er, 12wolle er hinein schreiben vnd sich erkundigen, dan 13auf das, wie er es in Polen gefunden, sey sich 14nit zue verlaßen, weil dise leüt sich offt


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15vnd in curzer zeit verenderen. Er wolle aber gleich 16hinein schreiben, sicherheit daruon due haben, wirt ewer Durchlaucht 17alsdan alles berichten. Es ist ein courir von der armée 18kommen, welcher bringt, das sie gottlob woll auan- 19ciren, vnd die brief sein vom 3ten, das sie meinen, 20in drey oder 5 dagen zue sturmen, gott geb ihnen 21gnad, das woll möge abgehen. Der Herzoch von Lottring 22ist schon drunten ankommen, last aber dem Cuhrfürst 23die belegerung, vnd er mit dere meisten deil der 24caualerie, welche der Cuhrfürst destaschirt hatt, 25vnd dem corpo, so Margraw Louis bey sich hatt, 26wirt dem feindt entgegen gehn vnd die belegerung 27bedeken. Verwichenen montag seindt ihr Mayestät 28wider auf die bürst, haben ein hirsch geschoßen von 420 29pfundt, vnd als sie zurukh, weils noch früeh, in den 30awen an der Donaw (woh mihr als vohrdisteren durch das waßer 31gefahren sind) schpaziren varten, haben sie ein hirsch antrofen, 32der gleich herüber kommen vnd, wiewoll schon schpaht 33wahr, noch geschoßen, welcher ein achtzehner war, zwar 34nit absonderlich sonst von stangen, aber grausam 35von leib. Sie haben ihn ganzer herein laßen füren.


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36Hab woll mein lebtag niks soliches gesehn, 37ihr Mayestät auch in ihrer regirung nit bekommen, 38hatt gewogen 610 pfund des hiesigen schweren gewicht. Heündt 39seint ihr Mayestät den ganzen dag aus gewest, haben aber 40nuhr vohrmitag ein hirsch bekommen. Sie kommen 41einem izt alle gahr klein vohr auf disen. Iezt 42gleich, dah mihr heim kommen, dan ich nuhr auf 43Eberstorf auf mitag war vnd es schon zimlich schpaht ist, bekom 44ich ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 31ten passato, woraus ich 45woll mit herzligem leidt vernommen, das ewer Durchlaucht 46noch nit liberirt von der diarea, gott gebe, das 47izt vollich beßer sey. Due mich in ewer Durchlaucht gnade 48vnterdehnigst befehlen, dan es ist zue schpaht, das nit mehr kan 49vnterdehnigst beantworten, werd aber dero befehl in allem 50vnterdehnigst nachkomen, die ich sterbe 51ewer Durchlaucht 52vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 53EMT 54Wien den 19 ten septembris 1688


1Die Zahl wurde durch die Schreiberin korrigiert, aus einem Antwortbrief des Vaters geht jedoch hervor, dass der Brief vom 9. September stammen muss.