Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 17.03.1689

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich hab dero gnädiges schreiben vom 8ten dis mit schuldigstem 3respect erhalten vnd woll mit schmerzen daraus 4wie auch aus dennen schreiben an ihr Mayestät ersehn, 5wie graußamb vnd vnchristlich die franzosen 6in Heidelberg selbsten vnd im land hausen. Dises 7seint sachen, die der almechtige nit vngestraft 8wirt laßen. Ewer Durchlaucht generositet aber vnd resignation 9in seinen gottligen willen wirt ihn bewegen, alles dis 10leidt noch mit andren glückhsehlichkeiten zue ersezen, 11welches ich woll von herzen wüntsche vnd gott darumb 12bitte. Dörfte auch der vnuermuete dohtfall 13in Schpanien deßen ein anfang sein, dan man hier genzlich


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14verhoffet, das die wahl auf meine schwester werde kommen, wardurch 15vnsren beden heüsern ein großer aduantage zuewachsen 16dehte. Aus Schpanien ist zwar der courir mit der 17notiffication des dohts ankommen, aber weiter hat er niks 18gebracht, als das der König gahr bedrüebt. Der Mansfelt 19aber hatt ein dag vohrhero ein courir geschikt, 20der ist noch nit ankommen, der möcht etwas mehr 21brengen. Der verwitibten Königin brif haben noch nit deciffriren 22können, seint dis mahl extra schlim geschriben, wirt 23sich geeilt haben. Der Botschaffter hier aber ist ganz vohr 24vns, vnd vermeint ehr vnd der Harrach, welcher in 25den schpanischen sachen sehr erfahren ist, es möchte nit übel 26sein, wan ewer Durchlaucht mein schwester Maria Anna Liebden mit ihnen 27herunter nehmeten, damit der Botschafter, Harrach vnd 28andre augenscheinlige relationes von ihr geben könten. 29Wegen der andren heiraten, Saxen vnd Parma, hab ich schon bey 30vohriger post alles vnterdehnigst überschriben. Ohne großen disgusto 31wirt Parma Saxen nit weichen, doch glaub ich, das sie 32die hochzeit woll verschieben werden, bis man sicht, was sich


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33Schpanien resoluirt, vnd wirt vohr dem herbst nit sein 34können, also ewer Durchlaucht an dero reis nit verhindern. 35Wan gleich der Cuhrfürst kombt, wirt nuhr auf 36wehnig dag sein, wie der Herzoch von Lottring, das 37also dis ewer Durchlaucht nit verhindern wirt vnd ich die 38so hoch verlangte gnad genißen kann, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue 39bedienen. Mues wider mein willen enden, weil ich heünt schpaht 40von meinem lezten ausgang von fuxbrellen heim kommen bin. 41Due mich in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen, die ich sterben 42werde 43ewer Durchlaucht 44vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 45EMT 46Wien den 17ten merz 1689