Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 29.03.1689
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herzallerliebster herr vatter 2Ich verhoffe, ewer Durchlaucht werden dise meine vnterdehnigsten zeilen 3in bestem wohlstandt antreffen, welches mich über 4alles erfreien wurt zue vernemmen. Heünt 5ist die schpanische post ankommen, mit welcher 6ich dißes schreiben von meiner fraw schwester aus 7Portugal bekommen. Sie vrgirt gahr stark das 8heirats negotium, hatt aber noch nit der Königin 9in Schpanien doht dazuemahlen gewust. Mihr 10erwarten hier den Pater Waßenhoffen deglich, damit 11man mit ihm die sach recht überlegen könne. 12Vnterdeßen, vermein ich, wirt mit nechster post
13aus Portugal kommen, das sie der doht der Königin 14schon wißen werden. Mit dem curir ist niks als die 15notiffication des dohts kommen vnd sonst niks. 16Aber der Mansfelt hatt ein curir geschikt, der 17ist aber nit ankommen, den werden woll die francosen 18aufgefangen haben, mit dem möchten sie woll was 19mehrers geschriben haben. Heündt mit der post schreibt 20der König eigenhendig an ihr Mayestät vnd vnter der 21verwittibten fraw copert vnd begert confidenter ihr Mayestät 22ihren raht, woh hin er wegen der heirat gedenken soll. 23In der Königin ihren brif möcht woll etwas mehres 24stehn, die schreibt aber so übel, das ihr Mayestät es 25noch nit deciffriren können. Haben auch den lezten 26brif, der mit dem curir kommen, gahr entlig 27durch wem andren müeßen leßen laßen. So balt sie 28werden werden leßen, wirt ewer Durchlaucht daruon parte 29geben werden. Indeßen, wan der König ihr Mayestät 30ihrem raht wirt folgen, so ist der handel schon 31richtich. Wegen des conterfet werden ihr Mayestät mit
32nechstem auch ihr meinung schiken. Ewer Durchlaucht gnädige schreiben 33vom 8 vnd 9ten dis empfange iezt gleich. Dero güette 34ist gahr zue groß, das sie solche gnädige sorg vohr mich 35dragen, ist mein großer trost zue schreiben, so lang ich 36kan, ich mein, es wirt mihr so iezt balt eingestelt 37werden. Ist woll zue bedauren, das die franzosen so 38übel hausen, aber gott wirt schon alles recht machen, 39wie dan heünt zeitung kommen ist, das sie bey Neüs 40trefflich eingebüest vnd selbiges ort verlaßen 41müeßen, vermein auch balt Keiserswert, gott 42geb weiters sein gnad. Wegen der leüt, so ewer Durchlaucht 43mit bringen, hab ich schon in meinem fohrigen vnterdehnigsten schreiben44bericht. Die zeit wirt ihr Mayestät vnd mihr allezeit 45iebelder ie großeren trost bringen, doch ohne ewer Durchlaucht vngelegen- 46heit, vnd das sie zue erholung dero volligen krefften 47niks dardurch verhindern, dan das wetter auch noch 48nit guett werden will, so das ihr Mayestät noch nicht 49haben aus können. Wegen bruder Carl wirt hoffentlich vnter- 50deßen ein mehrers aus Polen kommen. Was zue Glaz 51anbelangt, förcht ich, wirt es schwehr her gehn, dan in
52derselben gegent, ewer Durchlaucht in vnterdehnigstem perse zueschreiben, seint 53die meristen güetter, wie auch bey Ligniz, versezt 54vnd verkauft, das man die sachen in natura 55nit wirt haben können, vnd mit dem gelt wirt 56es noch schwehrer her gehn, weil man solchs iezt über- 57all so hoch vonöten hatt. Iezt gehen mihr gleich in 58die predig, also mues ich wider mein willen enden, 59weils vermuetlich gahr schpaht aus sein wirt. Due mich 60in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen, die ich sterben werde 61ewer Durchlaucht 62vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 63EMT 64Wien den 29ten merz 1689







