Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 20.04.1690
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/15
1Durchleüchtiger Cuhrfürst, mein herz allerliebster herr vatter 2Ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 15ten dis hab mit vnterdehnigstem respect 3empfangen. Vnd erfrewet mich von herzen, das mit dero 4cattarr sich gebeßert, vnd obwollen selbiger annoch 5noch nit gahr vergangen, so hoffe docg, das wetter werde 6balt wermer werden vnd er damit ein endt nemmen. 7Noch ist es zwar gahr übel, das mihr zwar am 8montag aus gewest, aber niks richten können wegen des windt, 9vnd dersider duets alleweil regnen vnd ist heüdt 10widerumb recht kalt, das also kein wunder, wan die 11reiger noch nit passiren wollen. Alle schreiben, das die Königin 12schon wekh vnd weit auanzirt von schiffen angetroffen worden, 13also zweifle ich nit, das mihr mit ehisten ihre glükh- 14lige ankunft vernemmen werden. Mein schwester Dorote 15ist glükhlich Inschprukh passirt, vnd hatt der guette Herzoch 16ihr die lezte ciuilitet erzeiget, dan ewer Durchlaucht werden leider 17schon deßen vnverhofften vnd geschwinden doht auf seiner herab-
18reise vernommen nah haben. Diser verlust ist vnersezlich vohr 19ihr Mayestät, das Reich vnd die ganze christenheit. Jezt 20periclitirt die ganze campagne, wan gott nit ab- 21sonderlich sein almechtige handt, wie ich hoffe, 22darüber halt. Ihr Mayestät duen es auch sehr empfinden, 23wie es nit anderst sein kan. Ich zweifel nit, 24er sey in der ewigen freüdt, aber in disen coniunc- 25turen absonderlich ist es woll zue beklagen, 26doch musen mihr in allem mit dem göttligen willen 27zuefriden sein, den der weis alles, warumb ers duet 28vnd alles, was er duet, ist das beste. 29Was mihr ewer Durchlaucht gnädigst befehlen wegen meines herrn brudern, 30des Cuhrprinz, werd ich zwar nit vnterlaßen vnterdehnigst 31nachzueleben, es wirt ihm aber woll hart ankommen, 32in dem so vill cuhr- vnd fürsten selbsten ins felt 33gehen, allein zue haus zue sizen. Ich will ihm aber 34gewißlich eifrich zueschreiben. Wan er ein mahl wider 35verheirat wehr, wurd es leichter sein, ihn zu haus zu 36behalten, vnd kan ihms einesdeils nit vohr übel haben, 37das er verlangt, auch etwas im krieg zue sehen 38vnd zue lernen. Das ist der jungen leüt ihr element, 39aber insonderheit, weil er die gesuntheit nit hatt.
40Mit dißer occasion aber falt mihr ein, das ich 41schon etlich posten hab vergeßen, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue 42bitten, dem Hammilton die gnad zue duen vnd die 43campagne erlauben zue duen. Es hatt mihr zwar 44der Canzler Irsch zue Augschpurg gesacht, das ewer Durchlaucht 45wolten, oder er soll dero dienst quitiren oder die 46campementcampagne vnterlaßen, welches er doch mit ewer Durchlaucht gnädiger erlaubnus 47angenommen, wurd aber darbey leiden, wie auch sein 48reputation. Auch ist es zue ewer Durchlaucht dienst 49selbsten, das er sich hierdurch mehr qualificirt 50macht, ins könftige zue dienen. Also verhoff 51ich, ewer Durchlaucht werden ihme nit so vngenedig sein, 52seine bey ewer Durchlaucht habende dienst zue berauben, 53sondren in dero vohrigen schargen vnd gnaden 54erhalten. Er wirt doch dise wehnig monat nit 55vill verabsaumen vnd darnach alles dopelt 56herrein bringen. Ihr Mayestät, mein geliebster Keiser, haben auch 57dises ewer Durchlaucht reccomendiren wollen, seint es 58aber bey vohriger post vergeßen, vnd heünt haben 59so vill zue duen wegen der bedrübten zeitung vom 60Herzoch, das nit zeit haben zue schreiben. Ich bitt ewer
61ewer Durchlaucht vnterdehnigst vmb vergebung, das ich mich erkünt, 62dis zue schreiben. Vohr erst bin ich der lieben alten Mamer 63sehlig so hoch obligirt, das ich deswegen schuldich bin, 64mich dankhbar zue zeigen, vnd glaub auch, es 65sey ewer Durchlaucht selbst eigener dienst, das er 66sich qualificirt mache, vnd ist iah als eins 67herr vnd sohn. Ewer Durchlaucht gütte ist über alles, 68die werden auch wegen der lieben Mamer sehliger 69ihm gnedich sein. Befehl mich vnterdehnigst vnd ersterbe 70ewer Durchlaucht 71vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 72Eleonora 73Wien den 20ten aprill 1690






