Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 03.02.1706

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/7

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Curfürst, mein herzallerlibster herr bruder 2Es wehre mein schuldichkeit gewest, ender auf dero 3liebste schreiben vom lezten octobris, 10ten, 14ten, 21ten novembris vnd 10ten passato 4ender zu antworten. Eins deils aber hab ich aufgehalten 5in meinung, das daglich ein courir werd expedirt, 6oder villeicht der Wißer selber abreisen, anders auch 7die heilige zeit, welche deils durch die gewohnlige andachten, 8dan auch die so woll schrifft als müntlige complimenten 9occupirt geweßen, mich daran verhindert, also komme, 10es hirmit abzuelegen. Erstligen die hanouersche cursach 11betreffendt, werd ich nit vnterlaßen, dem Deütschmeister 12in conformitet deßen, was dero Liebden ihm herschreiben, die sach 13eifrigst zu reccomendiren, hoffentlich er auch darin 14condescendiren wirt. Sodann komme auch, mich gegen 15dero Liebden auf das inigliste zu bedanken, das sie dero troupen 16in Italien verwilligt vnd so schleunigst haben ab- 17marchiren laßen, welches der sachen dorten ein andren piego


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18wirt machen nemmen vnd sie dadurch nit wehnig helfen, 19meinen sohn zue seiner monarchia zu helfen, welchs 20von vnsern ganzen haus mihr schuldig seindt dankhbahr 21zue erkennen. Die gutten zeitungen continuiren noch, das 22Vanlenza vnd Saragoza sich auch solten ergeben haben, von 23mein sohn selbsten hab ich aber sider der eroberung Barcelona 24keine brif, laß also alles in suspenso, biß ich von ihm die 25confirmation verners bekommen werde. Sein heirat betreffent, 26so bin ich dero Liebden höchst obligirt vohr dero sorchfalt vndt werde 27allezeit verners in dißen wie in allen andren mein einzige 28confidenz in dero Liebden sezen. Also berichte dero Liebden, das in den leztern 29schreiben von mein sohen, welchen ich vngefähr zerißen, welchs 30mihr sehr leidt ist, dan ich ihn dero Liebden geschikt hette, dise 31formatien stehen: Ewer Mayestät werden mihr hoffentlich nit vngnedig 32nemmen, das ich mich nit also gleich wegen der vohrge- 33schlagen heirat der Prinzeßin von Wolfenbüttel resoluire. 34Ich mueß bekennen, das das vnuerhoffte end mit der 35Prinzessin von Anschpach mihr etwaß zu herzen gangen vnd 36mihr etwas schwehr fallet, mich also gleich auf eine ander 37zu resoluiren, in sonderheit, dah mihr nuhr eine vohrge- 38schlagen wirt. Geschehe mihr also woll die gröste gnad, 39wan ewer Mayestät von mehrern Prinzeßinen mihr wolten 40conterfait vndt relationen schiken, darauf ich mich


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41sodann resoluiren könte, vndt wehre woll höchst zu wüntschen, 42das man ein catolische finden könte, soallen andren vohrzue 43zihen wehre. Dis schreibt er an mich, an den Keiser 44schreibt er eben dis, aber mit dißen zuesaz: Es werden 45iah hoffentlich mehr als ein Prinzessin in Deutschlandt sein 46die man considerirn könte. Solte aber iah in ganz Deütsch- 47landt sich gahr keine als dise finden, so wurde er 48dise allen vohrzihen, dan er absolute ke 49in walsche noch französ 50in wolle. Also bleibt der Keiser mit mit 51mihr annoch diser meinung, vom meinen sohn in disen 52zu contentiren, das man auch zu andren schiken solle, 53nuhr relationes vnd conterfait zu bekommen, es 54könne also in geheim geschen. Von hier vermeinten 55ihr Mayestät deren Doctor Hertot zu schiken, von dero Liebden villeicht auch, 56wan sie sonst ein vertraute person finden könten, wan 57dero Liebden auch den Doktor Brud Bruner, den Douuen vndt noch ein 58vertraute person, deren dero Liebden woll sicher sein wollen, mit 59schiken, wurde es vns überaus lieb sein, vndt kan 60durch dises keiner kein torto geschen, vill wehniger, 61alls wan man nuhr zu einer schikt, dann wan es 62nuhr eine ist vndt niks draus wirt, so werden sie 63vnd mein sohn prostituirt, wie es mit diser auch gangen.


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64Wan es aber mehr sein, so geschiht keiner kein torto, dan 65man weiß woll, das er nit mehr als eine heiraten kann, 66vndt hatt es mein Keiser sehliger auch so vohr gut gehalten, 67wie er selbst geheirat, hatt den Beker sehligen an ville 68höff geschikt, wie er mich vnglükhsehlige erwehlet 69hatt, mit diesen ist keiner von den andren ein torto 70geschen, vnd sich keine zu beklagen gehabt. ebes Eben dise 71können auch widrumb auf Wolfenbüttel gehen, damit 72man einmahl ein rechts conterfait von ihr hab, dan 73dise, die dah sein, sacht der Vrbich selbsten, sehen ihr 74nit gleich, vnd sehen auch die konterfait einander 75nit gleich, so kann man auch sehen, wie sie in 76der zeit zugenommen vnd was man vohr ver- 77enderung zue ihren auantage oder desauantage an 78ihr findet. Ich mueß auch dero Liebden gestehen, das ich mich 79verwunder, das dero Liebden so gahr nit reflectiren auff vnsere 80eigne bäsche, von der von Parma will ich niks sachen, 81aber die andren zwey, insonderheit bruder Carl sein, 82die nuhr kaumb ein iahr iünger ist, schön vndt 83woll gewaksen. Es ist, wie ich hör, es ist der Deütsch 84Meister vnd mein fraw schwegrin übel auf, vnter disen 85pretext wolt ich den Hertot hin schiken, sie zu sehen.


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86Mein bruder hatt mihr auch verschprochen, eh er sie in 87Tirol fürt, sie her zu bringen, aber vnterdeßen wehr es doch nit 88übel, wan sie iemant sehe. Wan dero Liebden den Douen vnd Doctor vnd 89wen sie wollen möchten hin schiken, könten mit diser occasion 90die in Böhmen, des Pfilip Wilhelm sehligen seine, auch sehen vnd 91so dan gleich ein tour machen, auf Wolfenbüttel Darm- 92statt, Wolfenbüttel, Scheidts (woh mihr zwar der Bischof von Rahb 93noch schlechte hoffnung gibt). Ich weis nit, ob niks zu Suls - 94bach vnd Wirtenberg ist, oder woh dero Liebden noch vermeinen, dass man95könte hinn gehen. Ich will den Hertot hir noch aufhalten, 96bis ein antwort von dero Liebden bekomme, wie woll der 97Deütschmeister vnd mein schwagrin ihn wegen ihrer gesuntheit 98dorten gern seheten vndt es auch höchst nötig wehr, dan 99sie in einen solchen schlechten standt mit ihren abgeschmachten 100waks eßen, das man gahr alle hoffnung der sucession 101benemmen will, welches ein sach von der hochsten im- 102portanz vnd woll drauf zu reflectiren ist. Bitte 103also dero Liebden vmb schleünigste antwort, damit ich so 104dan den Hertott vortt schiken könne, dan ich niks ohne 105dero Liebden vohrwißen, weil mein sohn schon einmahl das vertrawen 106auf sie gesezt hatt, duen wolte. Die romanische sach 107betreffendt, so ist die sachen in disen, das man iezt erwart,


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108die vollmacht von Rohm an den Nuntio in dißer sach 109zu tractiren, alsdan wirt man hiesiger seiten auch iemant 110dazu deputiren vndt hoffentlich die sach zu einen 111gutten endt brengen. Vndt ist es woll das beste, wan 112es zwischen ihnen selbst verglichen wirt, weil sich der König in Polen 113schon hatt sollen ein mahl drein mischen. Wan man iezt dero Liebden nehme, 114gab es dorten einen verschmach, also ists beßer, das 115es auf dise weis geschee. Wan dero Liebden was können cooperirn, 116das die vollmacht balt heraus geschikt werde, ohne 117welche man nit tractirn kan, dan es sonst nuhr ein 118lahres discouriren wehre, so hoff ich, werde es gahr 119balt geschlichtet werden, welches ich von grundt meins 120herzen wüntsche, amen. Den Clairmont betreffendt, 121hab ich noch nit ausfürlich mit mein sohn reden können, 122ob er ihn in Holandt wirt wollen schiken, weis ich nit, dan 123er dort vohr etwas hizich gehalten wirt vnd man mit 124den oomogendende herren sehr gelimpflich, in sonderheit 125in dißen coniuncturen, vmb gehen mueß vndt man sich 126auch wirt erst erkundigen müeßen, ob er dorten angenehm 127wurde sein, dan das schprichwort heist Si vis mittere, 128mitte gratum. Werde mich aber schon weiters erkundigen 129vndt dero Liebden von allem nachricht geben. Wegen Münster


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130bitte ich dero Liebden, vmb gottes willen den Deütschmeister nit 131mitt mehren geistligen beneficiis zu beladen, dan er 132ohne dis an dise so anklept, das wan es nötig 133wirt sein, man ihn hart zu einer resolution brengen 134wirt, wie ich woll gemerkt, wie er hir war vnd 135ich nuhr von weitem gef geret vnd bedaurt, das 136bruder Carl gemahlen so übel vndt kein succession zu hoffen, 137so hatt er mihr alles ganz weit geworfen vndt gesteht, 138er wolt mit ehsten prister werden, welches man auf keine 139weis mues zuelaßen. Solt man ihm noch dis 140bischtumb geben, währ gahr kein moglichkeit mehr, 141etwas aus zurichten. Ich bitt, dero Liebden reflectirn, wie vnser 142haus steht vndt was das vohr ein elendt der 143ganzen christenheit wehre, wan die sucession ermanglen 144solte. Ich werd in dise materi einmahl weit- 145leüfiger mihr die freiheit nemmen, dero Liebden meine 146wehnigen gedanken zu eröffnen, bitt nuhr, in deßen 147wegen Münster nit zu gedenken vnd dem Bischoff 148von Oßnabrukh mit allen krefften zu helffen. Ich 149hör, es soll der mensch, den er bey sich hatt, der Zem, 150der lapis offensionis sein, wan das wehr vndt 151man ihm es mit fondament versichren könte, würde 152man schon sehen, wie man ihn von ihm brachte vnd etwan,


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153wan dero Liebden ein gutts daugligs subiectum wusten, wolt 154sehen ihn zu ihm zu bringen. Erwart deren gutten raht, 155dan ich gilt etwas bey ihm, er wurd mihr vnd dem 156Keiser volgen, was mihr ihm rahten werden. Leztligen 157ist zwar eins deils gutt der vergleich mit Preüßen 158der religion halber, wie woll es zue wüntschen wehr, das er 159nit wider newe pretensiones in fauor der achts 160erklerung, wan die andren sachen werden auf das tapi 161kommen, machen wirt, es steht zu gewarten. Bitte in 162deßen dero Liebden, sich mit ihm nit weiter einzulaßen, noch 163wehniger auf die erbverbrüderung, dah man von rett, die dero Liebden 164höchst schädlich wehre vndt dero Liebden nuhr würden bedrogen werden, 165in summa, in niks ohne vohrwisen meins sohns, welcher 166hoffentlich in der acht sach iezt balt ein dero Liebden 167wollgefallige resolution nemmen wirt, zu nemmen, 168damit alles in bestendiger bester harmonia 169continuiren möge. Wegen des Nunti von Collen, wan ein 170anderer solte her kommen, will ich ihn nit vnterlaßen, 171mein sohn denKeiser zu reccommendiren. So ist auch der arme 172Hohenfelt, welcher iezt mein Guardi Haubtmann ist vndt 173mein iunge freile Götzin geheirat hatt, sehr bedrübt 174wegen seins sohns vndt vermeint, ob nit mit occassion,


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175das er izt geheitat vnd gern ein richtichkeit in seinen 176sachen mit seinen kindern machen wolte, den sohn könte 177heraus bekommen. Man müst nuhr sagen, er begert 178in nuhr auf ein zeit, so könt man dan schon weiter 179schauen, oder ob dero Liebden mihr könten ein anschlach geben, 180wie mihr den menschen bekommen könten. Sodan auch 181ein gewißer Beseri oder wie er heist, der dero Liebden von mihr ein 182reccomendation schreiben bringen wirt, hatt mich auch so sehr 183gebetten, ihn auch eigenhendig zu reccomendiren, welches ihm 184nit abschlagen wollen, dero Liebden werden schon wißen dero conuenienz. 185Leztlich dan auch die Verkh oder jezt Ferenz hatt mich 186wider gebetten, ihr recht dero Liebden zue reccomendirn, das 187es ein mahl möchte zum ende kommen. Dero Liebden 188vergeben mihr, das ich sie so importunire, kan 189es halt den leüten nit abschlagen vnd ken dero Liebden gütte, 190das sie mihrs nit übel nemmen werden. Due 191mich in dero affection befehlen, die ich leben vnd 192sterben werde 193dero Liebden 194getrewste schwester 195Eleonora 196Wien den 3ten februarij 1706197Das wohzu angehen- 198gend 199Ich bitt vmb vergebung, das ich mein schuldigste dankhsagung wegen des 200wuntsch zu mein geburzdag vergeßen abzulechen, einer bedrübten wittib kan 201man was verzeien.


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203Postscriptum Auch empfange mich ein dero schreiben ohne datum 204von wegen des Fukers . Izt werden die tirolischen sachen 205in anweßenheit des Bruder Carls aus gemacht, so 206werde mit nechstem dero Liebden die entlige resolution 207überschreiben können. Den brif, so dero Liebden an mein brudern 208geschriben, das sie zuefriden wahren, dem Keiser vndt 209ihm zu lieb den Fuker zu laßen, hatt die sach 210einwehnig steken machen, so vohr schier schon resoluirt 211wahr, iezt wirts aber balt herauß kommen. 212Postscriptum Jezt hab ich auch empfangen dero Liebden mihr alzeit liebes schreiben vom 25ten 213passato, in welchen ich zwar einen liebreichen, iedoch vnuerdienten 214fils bekommen, vndt wan eseinen erlaubt wär, herb zu sein, 215wurd ichs woll ein wehnig über den gutten Vrbich sein, welcher 216dise abgeschmachte zeitung von abschikung des Horns auf 217einen bloßen vngegrünten per don die vnwarhafften argwohn auf 218gebracht hatt, dan eben die Fürst Antonin ist mihr mit diser 219zeitung kommen vndt hat mich gefragt, obs war sey, so hab 220ich sie gefragt, ob der Horn hier sey oder nicht, dan ich dero Liebden versichern 221kan, vnd ich hoff disen credit bey dero Liebden zu haben, das sie meinen 222worten glauben, dan ich eh sterben wolt als wißentlich ein 223vnwarheit sagen, das ich nit einmahl gewust, das er von hier 224wekh ist, wehniger die vhrsach, noch keine von disen personen, so 225dero Liebden genennet haben, haben mit mihr ihr lebtag etwas von dißer 226proposition gerett. Hoffe also, nit vnuerschuldt von dero Liebden, die noch


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227all mein trost in allen meinen bedrüebnußen seindt, gestrafft oder 228beschuldicht zu werden in einer sach, dah ich woll vnschuldich bin, 229wie dero Liebden erkenen könen, das ich gahr den Hertot nit ohne dero 230vohrwisen auf Preßlaw hab schiken wollen, vnd solt ihnen 231etwas solches verschweigen. Auch wehre es vngereimbt, wan 232iah iemandt dort hin hett schiken wollen, den Horn dazue 233auszuerwehlen, der dorten sebst bedient vndt verpflicht 234ist. Was ich aber sonst von mein sohn vndt seinen sentimens 235vndt was auch des Keisers, mein liebsten sohns, vnd meine meinung, 236dazu bezie ich mich auf mein schreiben. Bitte mich in dero mihr 237wertisten affection zu erhalten, die verbleib vt in litteris. 238Auch hab ich vergeßen, dero Liebden in mein brif zu berichten, das der Vrbich 239ein brif hatt geben von dem medico des Herzogen von Wolfenbüttel, welcher meldt, das 240man der Prinzessin was braucht, welches ich, wie gelindt es auch sey, 241gahr vohr übel halte vndt mich dises vill reflectiren macht. 242Mit disen verdirbt man die natur, so man selbst 243mus operiren laßen. Auch ist die Strattmanin aus Polen komen 244vndt über Preßlaw, kan mihr das kindt nit genug 245loben, wie herzich, wollgezogen, woll gewaksen vndt 246spiritos sie sey. Bitt doch darauf zu reflectirn 247vnd zu glauben, das ich alles dero Liebden raht defferiren mein lebtag werd, 248doch in dißen allein bitt woll zu bedenken, dise ist cattolisch vnd 249vnser haus, wer sich bekert nuhr vmb ein kron ist das motium 250nit zum besten.


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251Wegens Rogier hab schir vergeßen, es wirt woll aus allen 252niks werden. Ich hab die Curfirsten, weil dero Liebden schreiben, das sies mit 253ihr machen werden, gefragt, wies abgangen ist. 254Den Amerighi, so das memorial herbey kombt, reccomendir 255auch, ich mein es wehr auch ein dinst vohr mein sohn, 256den König in Schpanien, wan er es erlangete.