Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.07.1677

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtigster Fürst, herz aller liebster err vatter 2Ich habe so oft meine schuldichkeit nit 3nach kommen, das mich schäme, bitte aber doch 4noch einmahl vmb vergebung, das die forige 5post selbiges widerumb vnterlaßen. Ich sage 6gehorsamb dank vohr der liebste schreiben, habe 7auch eben iezt von dem Grau Wolf eins 8von ihr Durchlaucht empfangen. Es erfreüet mich, wan 9ich ihr Durchlaucht befehl darin erfüllen kan, ihn deme 10ich auch gahr wohl weis, wie trew er ihr 11Mayestät ist, so werde alzeit gelegenheit suechen, 12ihme guets zu duen. Die cölnische expedition, 13wie auch was nach Rohm gehn soll, werden 14ihr Durchlaucht hoffentlich nuhnmehr empfangen 15haben. Ich kan gewis nit anderst sagen, 16als das der Königsekh sich gahr diensthaft 17in allem erwisen. Das der cölnische tractat 18so langsam her gangen, ist er nit schult, 19vndt ist des Neßelrahts krankheit wie 20auch, das der Schellerer ein fues aufkegelt, 21schuldich dran, das sie nit haben können hinaus


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22kommen. Was nach Rom hatt sollen gehn, 23hatt er gleich, wie ich schon mit einmahl 24bericht, dem Schellerer gesacht, er solle es 25aufsezen wie er wolle, vnd wie der es 26gemacht, so hatt er es gelaßen vndt 27alsobalt expediert, also das er iezt nit 28vhrsach gibt, über in zu klagen. Vndt 29obwoll er vohrdiesem keine guette 30dienst gedahn, so zeicht er jezunder 31danoch zumwehnigsten im äuserlichen, das 32er sehr eifrich sey. Vndt wan deme 33schon nit also inerlich gemeint ist, so mues 34man ihme doch nit vhrsach geben, zu 35suspiciren, das man ihm in anderem 36verdacht hatt, das dan man ihn bey dieser 37conjunctur nötich brauchet, dieweilen doch 38alle dergleichen expeditiones durch ihne 39gehn. Bitte darumb nochmahlen ohne gehorsam- 40stes masgeben, ihr Durchlaucht wollen doch im 41schreiben vndt reden etwas behuetsammer 42sein, dan man hier alles wider weis, wie


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43ihr Durchlaucht vom Pater Danner schon werden vernomen 44haben, auch, was mit dem Pater Emmerich vndt Schellerer 45passirt, welches gahr wohl abgangen. Hab mich balt 46krankh darüber gelacht, wie er so wohl bezahlt 47worden. Ich habe eben der vrsach ihr Mayestät 48die zwey leztere brief nit dörfen lesen 49laßen, dan ich besorge, es möchte ihm selber 50misfallen, wan er sehe, das ihr Durchlaucht mit dem 51Konigsekh nit wohl zu friden weren. Wan ich 52villeicht die brief müste lesen lasen, so 53will es versüeßen, so guett ich kan, bitt aber 54nochmahlen, auf ein ander mahlen niks solliches 55in die brief zu schreiben, die dem Kaiser soll 56lesen lasen. Was das übrige wegen der fölker 57vndt braunschweiher angeht, dauon will mit 58dem Schellerer reden vndt nachmahlen ihr 59Mayestät dem Kaiser vohrbringen. Was meinen 60eltesten brueder anlanget, so wirt heütt die 61Kaiserin herein kommen vndt filleicht 62mit dem Keiser reden. Ich will auch mit 63dem Hoher durch Pater Danner oder selbsten reden 64vndt allen fleis anwenden, dan mich nicht mehr 65freüt, als wan ihr Durchlaucht kan mitt meinen 66gehorsamen diensten erweisen, das ich stets 67verbleiben werde 68ihr Durchlaucht 69ganz ergebenste trew 70gehorsamste dochter bis 71in doht 72EMT 73Wien den 11 julij 1677