Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 09.09.1677
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtigster Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Dero große güettichkeit machet mich hoffen, das 3sie mihr meine nachläsichkeit im schreiben werden 4vergeben, verhoffe aber, ihr Durchlaucht werden sich anoch in 5guettem wohlstant befinden. Ihr Mayestät, mein gnädigster 6Kayser, seint gottlob widerumb wohl auf, geht 7niks mehr ab, als die kräften widerumb föllich 8zu erholen. Sie seint heüt das erste mahl den ganzen 9dag auf gewesen vndt werden wilsgott bis sontag widerum 10in die capellen gehn. Dem allerhöchsten sey ewig lob, 11der gebe weiters sein gnad, das iezt die gesuntheit 12möge bestendig bleiben, dan ich solliches leidt vndt 13ängsten nit mehr wüste auszu stehn. Mitt ihr Liebden, 14der liebsten Princessin, ist auch widerumb beßer. 15Haben gestren probirt das erstemahl aufzustehn, ist 16aber so matt gewesen, das gahr nit hatt gehn 17können. Allein hoffe aber nuhnmer, dah die krankheit 18aufhöret, werden die kräften auch balt widerumb 19zue nemmen, welches der almechtige verleien wolle.
20Ihr Mayestät, mein gnädigster Kaiser, haben mit dem Grauen 21Forbeni geret vndt ihme die sach eifrich befohlen, 22wie auch ich mit ihme geret, auch ihr Mayestät durch 23den Kanzler Hoher noch mehrer ihme zuereden laßen. 24Er hatt sich zwar offerirt es, er wohlte in allem 25ihr Mayestät befehl suechen zu gehorsammen, wie auch 26meinen bruederen ser suechen in allem zu obligiren, 27aber weiters precisa was zu versprechen, hatt er 28sich auf keine weis einlasen wollen mit vohrwant, 29man müeße erwarten, was der heilige geist 30vndt sein gewisen ihme einwürde geben, wan 31es zu der wahl kommen würde. Was den vorschlag 32anbelangt, werde ich ihr Mayestät solches gehorsamist 33vohrbringen, hab sie in ihrer krankheit nit mögen 34darmit molest sein. Ich weis aber gewis, das ihr 35Mayestät alles, was nuhr moglich sein wirt, duen 36werden, dan sie selber gahr eifrig darin seint. 37Habe aber vnterdeßen es dem Konigsek recomendi- 38ren laßen, welcher sich alles anerbotten. Bitte auch
39um verzeihung, das nit mehr schreibe, weilen die zeit gahr kurz 40vndt iezt zumb schpilen gehn. Befehle mich indeßen 41nochmahlen in ihr Durchlaucht beharlige gnade vndt werde 42sterben 43ihr Mayestät 44ganzergebenste trew gehorsamste 45dochter 46EMT 47Wien den 9 septembris 167748Wegen meines vetteren 49werde es bey ihr Mayestät 50vnterdehnigst vndt eifrigst recomendiren.







