Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Prag am 23.12.1679
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/8
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Ewer Durchlaucht bitte ich vnterdehnigst vmb verzeiung, 3das ich die vohrige post mein schuldichkeit nit 4recht ablegen können. Die zeit hatt es einmahl 5nit zuegelaßen. Heütt seint mihr zwahr eben 6so schpaht widerumb kommen, aber weil heünt der 7heilige fastabendt, so gehn ihr Mayestät nit zum eßen. 8So kan ich desto beßer schreiben. Es wehre auch 9bey eben selbiger post meine schuldichkeit gewesen, 10ewer Durchlaucht zue diesen heiligen weinachtfeierdägen vndt newen 11iahr gehorsamst vill glükh zue wüntschen, ist aber aus eben 12der vrsach, das mich so eilen müeßen, vnterlaßen 13worden. Also hoffe ich, ewer Durchlaucht werden mihr solliches 14gnädigst verzeyen vndt mihr erlauben, das mit diesem ihnen 15dieses vndt dero noch vnzahlbahre ville volgende 16in aller glüksehlichkeit vndt wohlstant zue erleben 17inen mit eifrigstem kintligem herzen gehorsamst anwüntsche. 18Der almechtige verleye, das ich im könftigen jahr vnde denen
19mehreren ewer Durchlaucht dergleichen vnterdehnigste gratulationes möge 20ablegen, als ich in dem endt von diesem. Ich habe durch 21durch den glüksehligen ausgang der wahl zue Meriendahl 22die große freüdt, so ich darob habe wehre mihr vnmöglich 23zue beschreiben. Gott wolle vernerß seine genadt verleyen, 24das ewer Durchlaucht von diesem erfolch großen trost zue seiner zeit 25mögen erleben, wahran ich ganz nit zweifle, dan ich von 26iedermeniklich ein überaus großes lob von diesem meinem 27bruedern Ludwig auschprechen höre. Also vermeinet ich, kundte 28es nit schaden, wan ewer Durchlaucht ihn einen post ritt auf 29wehnig däg mit wehnig leüten hierher duen ließen, ihr Mayestät 30dem Kaiser selbsten zue danken, damit ihr Mayestät sehn, 31das die gnadt, so ihme ihr Mayestät gedahn, wohl meritirt. 32Iezt weis ich nit wort so zue finden, meine vnterdehnigste 33danksagung vohr so ville gnaden, so mihr ewer Durchlaucht in dero 34gnädigstem schreiben vom 15 dieß erweisen mit solchen genadigsten anwüntschungen 35vnd vätterlige bezeigung. Aber bitte nachmahlen, mihr 36nit so mit vnuerdienten danksagungen zue überhaufen, 37ist mihr nuhr leid, das so wenig due vndt nit 38genuech meine schuldichkeit erweisen kan. Hoff iah 39nit, das ewer Durchlaucht mihr vngenädig seindt, das 40sie so vill cerimoni mit dero vnterdehnigstem kindt 41machen. Wolte gott, ich könte nuhr duen, was 42ich schuldig bin vndt durch meine incapacitet 43allein (dan an der deuotion, verlangen vndt eifer ist kein
44mangel) vnterlaße, bitte ich, wollen ewer Durchlaucht mihr durch ihre 45güettichkeit vergeben. Heütt ist vetter Pfilips wekh. Ihr Mayestät 46haben ihm 3000 Gulden pension geben. Man hatt es einmahl bey diesen 47zeiten nit höher bringen können, ist auf 2 iahr. Vnterdeßen 48wirt sich hoffentlich mehrere gelegenheit zeigen, ihme 49vort zue helfen. Was ewer Durchlaucht gnädig mihr wollen ihn dero 50bey vohriger post an mich abgelaßenes schreiben wegen 51des von Welden gnädig befohlen, ist mihr leidt, das ich vohr 52dismahl nit gehorsammen können, in deme ihr Mayestät 53schon auf den Hamilton gnädigst resoluirt haben. Weder er weder 54sie haben zwar von mihr nichts begert gehabt, aber 55wie ich vernommen, das dieser dienst vacirent vndt 56ich ein verlangen gehabt, wegen der guettaten, so mihr 57Mamere gedahn vndt deren ich nimmer vergeßen werde, 58auch in ansehung der trewen diensten, so der Iägermaister 59sehlig ewer Durchlaucht vndt meinem bruedren geleist hatt, ihnen 60bey ihr Mayestät etwas auszue bringen, das ehr doch darbey 61bey ewer Durchlaucht du bedinung nichts versaumet. So hab ich 62nichts daugliger als dieses vohr ihne gefunden, weil 63es nahet bey Neüburg ist, auch nachgehns mich 64Pater Isidorus gezeigt, das ihme ein gnade dardurch gesche, 65welchem ich es es dan noch desto lieber gedahn, in deme 66er gewis von dieser coadiutori zue Meriendal einziger 67anheber, mihr solches anhandt geben vndt den ersten 68alschlag geben, es auch dahin kommen, zue einem glükligen
69endt, er auch noch vill guettes im sin hatt 70vndt hoffentlich auswirken wirt. Er ist ewer Durchlaucht gwis 71trew, er vndt der Schellerer stehen hier wohl vohr ewer Durchlaucht 72dienst. Aber diesem allem vngeacht hab ich ihr Mayestät 73dannoch des Welden begehren vohr gedragen, weil es 74gescheindt wegen des Meyrs vohr ihr Mayestät dienst zue 75sein. Dießes haben ihr Mayestät aber aus sonderbahren 76vhrsachen nit duen wollen, sondren seindt bey dieser 77resolution blieben vndt haben gemeld, wan es gleich der 78Hamilton nit bekommen hätte, so hätte es sich doch 79nit vohr den Welden geschikt. Also, hoffe ich, werden ewer Durchlaucht 80mihr in diesem nit vngenädig werden, auch ihnen 81nit, dan ich ewer Durchlaucht gehorsamst versichere, das ich es ohne 82ihren vohrwißen vndt begern gedahn. Bitte, ewer Durchlaucht wollen 83ihnen als verners genadig sein. Sag auch vnterdehnigsten 84dankh vohr die überschikte wein. Mues enden, dan die 85zeit ist verfloßen. Bitt vnterdehnig, mich bey ihr 86Durchlaucht fraw muetter zue entschuldigen, das diese 87post nit vill mitt schreiben auf wart, weil dieser 88brief so lang worden, ist die zeit zue kurz. 89Befehl mich vnterdehnig vndt sterb ewer Durchlaucht 90ganzergebenste trewgehorsamste 91dochter 92EMT 93Prag den 23 decembris 167994Auf ewer Durchlaucht gnädigen befehl hab den 95brief von 3 widerumb vberlesen, 96aber nichts gefunden, was ewer Durchlaucht vergeßen. 97Ich hab nie daran gezweifelt, das es durch verges geschen, aber die 98maleuoli machen innen alles zue nuzen.





