Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 14.01.1683

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Ich sag ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dank vohr die alzue 3genedige anwüntschung zue meinem geburz dag, bins 4woll nit werdt. Bitte gott, das er mihr capacitet 5vnd gelegenheit gebe, ewer Durchlaucht meine vnterdehnigste deuotion 6vnd kintlige trewste lieb durch meine dienzt zu 7erweisen. Waß sonsten ewer Durchlaucht in dero schreiben gnädigst 8melden wollen wegen der regenschpurgischen reis, so 9vermein ich, werde die resolution erfolgen, so balt 10die antwort von den cuhrfürsten einkommen wirt. 11Mit der einladung der fürstlichen hab ich ihr Mayestät 12vohrgedragen, sie gnädigst gemeld, es werde in diesem 13gehalten werden, wie es bey den vohrigen reichsdägen 14geschen, welches sie werden aufsuechen laßen. Wegen 15der andren großen sach, so ich ewer Durchlaucht nechsten in vertrawen 16geschriben, den Canzler vnd Bischoff anzuefrischen, due 17ich, was ich kan, es hatt aber balt der eine, 18balt der andre ein bein im fues, das sie noch


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19nit seindt beysammen geweßen. Die federa suechen ihr 20Mayestät allerseits zu machen, wie dan der Seidel auch 21hir ankommen ist, also hoffe ich, sie werden balt 22schließen. Mit dem türken duet ihr Mayestät, was sie können 23den stillstant zue prolongiren, aber es wirt alles vmbsonst sein. Das man ihn 24aber soll suechen zue preueniren, ist höchstnötich. 25Ich hab auch ihr Mayestät widerumb ein ahnmannen 26wegen des Conigni gedahn, sie haben gemeld, sie wolten 27auf alleweis auf in begebender occasio reflectirn. 28Die armatur in einen guetten standt zue sezen, 29arbeiten ihr Mayestät aufs eifrigste, vnd ist woll 30gahr zue wahr, das ohne die notwendichkeiten, so darzu 31erfordert werden, die manschaft vns niks nuzet. 32Ich förchte sehr, Frankhreich werde nit erwarten, bis 33die zue sammenkunft auf Regenspurg geschiht, 34dan er den termin gahr zue kurz gesezt, das 35gahr nit möglich, das ihr Mayestät der stendt meinung 36darüber vernemmen können. Er zeigt halt klar, 37wie es auch die polnische intercipirte schreiben klar


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38lautet, das er mit den türken vnd rebellen einen 39complot gemacht. Wegen des quartir zue Regenschpurg 40vohr ewer Durchlaucht will noch wohl verners mit dem 41Hoffmarschalk suechen einzuerichen, vnd were 42mein vnmasgeblige meinung, das ewer Durchlaucht nit selbst 43solten hin schiken quartir auszueschawen, außer 44vohr dero hoffstatt, weil der Hoffmarschalk sich 45offerirt, sein best zue duen. So will es ewer Durchlaucht 46alsdan berichten, wan er ein vohrschlach wirt gedahn 47haben, damit ewer Durchlaucht alsdan hinschiken vnd schawen laßen, 48ob es ihnen also anstendich sein wirt. Den pfaff 49anlangent, so ist er ein gutter man, ihr Mayestät hören 50ihn auch gern ahn, bey mihr hatt er sich noch 51nie ansagen laßen, wan er wirt zue mihr ver- 52langen, wirt es ihm nit abgeschlagen werden. Wegen 53Portugal duen ihr Mayestät, was sie können, haben auch 54gestren mit hiesigem Nuntio vnd schpanischen 55Bottschafter gerett, welcher sich auch gahr eifrich zeigt.


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56Es wirt auf könftigen sambstag ein curir auf 57Madrit geschikt werden, so werden ihr Mayestät auch wegen 58dieser sach eifrigst hinein schreiben. Ich vermeinet 59auch, es kund nit schaden, wan ewer Durchlaucht mit 60nechster post ein brifel in diser materi an 61vnsere Königin ablaufen lisen, doch alles ohne vnterdehnigst 62masgebung. Das ihr Mayestät vnd ich aber in Portugal schreiben 63solten, eh man der sachen moraliter vnd noch mehr 64versichert sein, wirt schwer fallen sich zu impegniren, 65wan man nit sicher ist, ein rifiuto zu bekommen. 66So haben ihr Mayestät auch niemahlen hinein geschriben. 67Wan es aber zue dem kommen wurde, so wurd 68auch dises ihr Mayestät kein bedenken haben zue duen, aber izt, 69vermeinen sie, seye es noch nit de tempore. 70Ihr Durchlaucht könen gnädigst versichert sein, das ihr Mayestät werden 71duen, was sie können. Ich hab ewer Durchlaucht nechst ein 72vnterdehnigste anregung gedahn wegen des Viniancour, 73ich wolt schawen, das ihn hie abfertigte vnd 74auf wider hinauf machet reisen. Es wehr woll


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75guett, wan ewer Durchlaucht etwan ihm ein pflech oder 76was geben könten, nuhr damit er sein lebtag 77nimmer her keme, dan er möcht dise sachen 78schpargirn, welche ewer Durchlaucht zue schaden, zwar nit 79bey ihr Mayestät, aber sonsten bey andern, deren man 80doch auch vonöten, gereichen möchten. Bitt vnterdehnigst, 81mihr dise freyheit nit in vngenaden zue 82vermerken, geschicht aus kintliger lieb um aller 83zue verhütten, was ewer Durchlaucht auf einigerlei 84weis möchte nachteilich sein. Hab vermeint, 85es sey mein schuldichkeit, dises ewer Durchlaucht gehorsamst 86zue hinderbringen, als die ich sterben werde 87ewer Durchlaucht 88ganz ergebenste trewgehorsamste 89dochter 90EMT 91Wien den 14ten jiener 1683