Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 08.02.1683
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Beyde ewer Durchlaucht gnädigen schreiben vom 21ten vnd 26ten dis 3hab mit schuldigstem respect empfangen. Vnd 4weilen ewer Durchlaucht so nötig erachten, des Stratmans 5anherokunft, so haben ihme ihr Mayestät durch 6dise staffette disfals zuegeschrieben wie hirbey. Ich due 7mich aber vnterstehn, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue 8berichten, das, weil ewer Durchlaucht vermeinen, das hier 9ministri, bey welchen das secretum vndt die 10trew nit gahr zue sicher, vnd er Stratman 11vohrdisem zimlige confidens zue einem deren 12gezeiget, wie ewer Durchlaucht selbst wißen, das man hir 13daruon gerett, also vermeinte ich, ohne gehorsamste mas- 14gebung, wurde es nit übel sein, wan ewer Durchlaucht 15ime erinereten, in diesem sich behuettsamb zue- 16halten vnd gegen dise leüdt niks zue melden, was
17nit was man verlanget, das in ein rechten secreto bleibe. 18Soll auch in disen sachen mit niemandt sich 19zue expliciren auser mit dennen, welche ihme ihr 20Mayestät befehlen wehrden, welches werden sein Hoher 21vndt Bischoff von Wien . Wan er wirt herunter 22kommen, will ich es ihm auch selber erinnern. 23Wegen der regenschpurgischen quartir vermeine 24ich, es wehre guett, wan ewer Durchlaucht wolten die beschribung25oder ein ris schiken von dem quartir, das ewer Durchlaucht 26verlangen, damit man es mit dem Hoffmar- 27schalkh aiustiren könte, welcher es alles gern 28nach ewer Durchlaucht verlangen einrichten wirt. Wegen 29der schreiben an die fürstligen, so werden dieselbe 30abgehn, so balt die reis fest gestelt wirt 31sein. Das andre will ich gern beförderen, es ist 32aber der Hoffcanzler widerumb krankh, an mihr 33wirt niks ermanglen. Brandenburg wehre freilich 34ein große sach, wan ihn kunten herumb brengen, 35ihr Mayestät werden auch alles möglige anwenden.
36Ich glaub schwerlich, das er auf diese weis auf 37Prag kommen wirt, guett wers woll, wan es gescheh. 38Mit Heidelberg wirt es einwehnich schweher 39sein, dan in Vngeren ist gahr hart, solliche 40herren wegen der religion, will es aber ihr Mayestät 41vohrdragen, wie auch wegen des Louigni , auf 42welchen ihr Mayestät allezeit grose reflection gemacht. 43Ich hab woll ein guette hoffnung, das des 44Wallenstein negotiation woll werde abgehn, dan 45sich der Könich gahr gutt intentionirt erzeicht 46vnd deßen große demonstrationes gegen ihr Mayestät 47gedahn. Mit Persien ist es ein wehnig schwehrer, 48vnd haben des menschen sein vohrschläch keine 49rechte fondamenta. Mit den türken ist vast 50kein hoffnung, also eben so wehnich mit 51den rebellen, die sich auf ihn verlaßen. Ihr Mayestät 52duen aber was sie können. Wegen des Wachten- 53dunkh haben ihr Mayestät schon befehl gethan vnd ist schon expedirt, wie ich bey vohriger 54post ewer Durchlaucht gehorsamst bericht hab. Wegen der schreiben in Portugal
55werdeich auch weiters mit ihr Mayestät reden. Vom 56Viniancourt höhr ich weiters niks, so hoff 57ich, er sey nit mehr hier, woh aber er noch 58hier wehr, so will ewer Durchlaucht befehl nachkommen, 59ihn in schpanische Niderlandt zue bringen. Wegen 60Preßlaw ist der Hauser vom Bischoff wider 61hier, ist aber erst kommen, so weis noch nit, 62was er bringt. Der Kinski hatt seinem 63vettern dersider nit geschriben, aber mit dieser 64occasion wirt er ihm schreiben vnd gewis kreftig, 65wie er mihr ein proiect sehen laßen. Ich hoff, 66es soll etwas ausgeben, gott gebe in allen 67disen sachen einen glükhligen effect vnd mihr 68die gnade, ewer Durchlaucht balt zue bedienen, die ich 69sterben werde, ewer Durchlaucht 70ganzergebenste trew gehors- 71amste dochter 72EMT 73Wien den 8ten februarij 1683











