Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 11.03.1683
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 5ten dis hab ich mit 3schuldigstem respect empfangen. Erfrewet mich 4von herzen, dero gutten wohlstandt zue vernemen, 5der almechtige gebe weiters seine gnade . Was ewer 6Durchlaucht gnädigst melden wegen einstellung der reis meines 7brudern Carl Liebden, so werden ewer Durchlaucht alschon aus meinem 8vohrigen schreiben wie auch zu voderist von ihr 9Mayestät, meinem gnädigsten Kaiser, vernommen haben, das 10sie hie ebenfals der meinung, welches izt 11vmb so vill desto mehr bestettiget wirt, 12weilen gestren der Cardinahl so wohl bey ihrer 13Mayestät als bey mihr geweßen vnd ein schreiben 14vom Nuntio aus Portugal comunicirt, 15welcher meldet, er hab dorten mit dem Primo 16Secretario di stato gerett in diser materi 17vnd gefragt, was er vermeine, ob einer meiner brüder
18in dise pretension seyen möge vnd ob etwas vohr 19sie zue hoffen. So hab er geantwort, si che 20é posson pretendere e' con gusto di sua Altezza . 21Weiters hab er gefragt, ob etwan er solte 22ein reis hinein duen, wahre die antwort von 23nein, dan es mehr verderben als guettmachen 24wurde, es seyen ohne dem die franzosen höchstens 25bemüet, gar alle zue contrecariren, so mit 26ihr Mayestät vnd dero haus vereinigt, absonder- 27lich aber meine brüeder, des wegen auch Frankreich 28ein eigenen caualier dahin geschikt, auch die 29Herzogin z von Sauoia bewogen, an ihr fraw schwester 30disfals zue schreiben. Schlagen 4 aus ihnen 31vohr, welche der Secretario aber nimer wißen 32zue nennen, entlich auch des Cuhrfüst in 33Beyren bruedern, welcher aber seiner großen jugent 34halber noch alzueiung. Wenden vohr, meiner 35brüeder sein gahr vill, wurden dort hin kommen, 36ihnen ihre comenden wekh nemmen vnd andere
37lächerlige motiua, vohr welche man sie auf alle weis 38assicuriren kan, der Secretario hat auch gemelt, das sie dise 39rationes dorten wehnig oder gahr kein statt finden. 40Das man iemant hinschiken soll, vermeint der hiesige 41Cardinal auch von nein, weilen es nit so heimlich 42geschehen kunte, das es nit auskommen, gleich wie 43schon von Parma vnd Florens vertreter dorten sein vnd 44solches nit hatt können verschwigen bleiben. Also 45seindt mit dem Cardinal in dem verblieben, 46das er dem Nuntio soll schreiben, das er ferners 47durch den Secretario soll das negotium vohrtsezen, 48vnd weil er gemelt, das der Prins selbsten 49nit übel inclinire, selbigem alles heim zu sezen, 50das sie sollen machen, was sie wollen, woll der 51Prins, das mein bruder soll reisen, so werd er 52reisen, woll er, das er soll bleiben, werts auch 53geschen, ebenfals mit der schikung. Wann man 54durch den Prins selbsten kan gehn, ist woll das 55sicheriste. Er hatt auch gemelt, das dis negotium 56das högste secretum erfordre, deswegen die schikung nit
57dienlich gehalten worden, auch das sie verlangen das den, 58so dises glükh trefen werde, sich ganz von dem 59Prinzen gleichsamb widrumb erzien laße, ihre gewohn- 60heiten vnd manier zue leben anemme, auch ein 61par iahr nuhr da principe leben solle, das ist, sich 62in kein negotium einmische, sondern sich allein 63darauf gebe, ihre sitten vnd gebreüch zue vollgen 64vnd dem Prinzen, seinem herrn schweher, zue gehorsamen, 65welches alles gahr leicht ist. Izt müeßen wir halt 66ewarten, was gott weiters schiken wirt. Ihr Mayestät 67haben gnädigst erlaubt, das meine brüder in dero 68zuerukhreis sich hier mögen einfinden, welches 69mich woll vnerhört freien duet. Mit Preßlaw 70müeßen halt auch erwarten, was von Rohm verners 71wirt kommen vnd der hiesige Cardinal mit 72dem Bischoff wirt richten. Wegen Beyern hab ich 73niks gehört, von keinem heirat, vnd zweifle 74ich, ob ihr Mayestät sich gern vohr meine schwestern 75impegniren werden, bis sie hören, woh des Cuhrfürsten
76sein intention oder villmehr inclination hin 77gehet. Sonsten bin ich woll froh, das er sich 78so guett erzeiget. Des Schmits vnd seines an- 79hangs vngnad ist ein große bezeigung. Wegen 80des Grau von Oting werden ihr Mayestät auf alle 81weis bedacht sein, in auf ein oder die andre 82weis zue consoliren. Das presidenten ambt 83hab ich ihm ein mahl in scherz angedragen, er 84aber auf alle weis gezeiget, das er es niemahlen 85wurde anemmen. Also vermein ich, weil es so 86höchst nötig, das es mit einem guetten subiect 87ersezt werde, so vermein ich werden es ihr Mayestät 88auf das beldiste resoluiren. Wegen Stratman, 89so ist er izt hie vnd haben ihn ihr Mayestät selbsten 90mehrer kennen lernen, also werden sie ambesten 91wißen wie vnd ob er dauget, dan ihr Mayestät die leüdt 92balt ausnemmen. Als er auch einmahl vohr ihr 93Mayestät in einer conferenz votirt hatt, haben in
94alle gelobt, das er gahr schön vnd gescheid geret habe. 95Er wirt iezt balt widerumb wekh auf 96Regenspurg, woh ich hoff, das er ihr Mayestät woll dienen 97werde vnd glaub, das seine hierherreis guett 98gewesen vnd vill genuzt habe. Wegen eröfnung 99der brief will ich verners mit ihr Mayestät vnd 100dem Schellerer wie auch Stratman reden vnd 101vohr allem recht nachfragen, wie sie eröffnet 102worden, wer vnd ob iemants darbey gewesen, 103wer es eigentlich gedahn, dan ich vermein, in 104diser sach sey sich nit zue übereilen, bis mann 105auf ein recht fondament komt. Mitt negster 106post werd ich ewer Durchlaucht aber alles vnterdehnigst be- 107richten können. Due mich hiermit in dero 108gnade vnterdehnigst befehlen, werde sterben 109ewer Durchlaucht 110vnterdehnigst gehorsamste dochter 111EMT 112Wien den 11ten merz 1683
113Postscriptum Schike ewer Durchlaucht hierbey ein schreiben vom 114Cardinal Pio, welches mihr ihr Mayestät befohlen 115ewer Durchlaucht einzueschließen. Der hiesige Cardinal 116hatt mihr gestern auch vast eben dise for- 117malia gemeld. Schikh auch hierbey den brif, so 118der hiesige Cardinal communicirt, haben erst izt 119bekomen, sonst hette ewer Durchlaucht mit meiner 120beschreibung deßen so lang nit aufgehalten.














