Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 01.09.1683

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Durch bruder Franz Liebden hab ich mit schuldichstem respect dero 3gnädiges schreiben vom 26ten passato empfangen vnd mit 4großem trost daraus, wie auch von ihme selbsten, ewer 5Durchlaucht guetten wohlstandt vernommen. Gott gebe bestendig, 6das es darbey continuiren möge, der woll ewer Durchlaucht 7gnädigen wuntsch vohr vns alle auswürken vnd verleyen, 8was zue seiner ehr gereichet. Es ist woll nötig, 9das der succurs befördert werde, dan sie in Wien starkh 10an der ruer vast sein vnd als in ein dag zue 1160 sterben, das ihnen die leütt vnd sonderlich officir 12sehr manglen, dan die besten doht oder verwunt. Der 13Starenberg allein ist noch woll, das ist das einzige 14was mich hoffen macht. Die lezten brif seint vom 27 15geweßen, dah haben sie den reuelin noch defendirt, aber 16besorgt, in nit lang mehr manteniren zue können, 17ist vill, das sie ihn so lang erhalten haben. Sie haben ein 18große mine scoprirt vnter der burg bastein vnd vnter


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19der mine, so die vnsrigen gemacht, wan sie deren opperation 20verhindren könten, wehre noch vill zue hoffen. Sie haben aber 21schlechte mineurs drinnen, das der Starenberg schreibt, wan 22sie den feind hören arbeiten, möch er anfangen was 23er woll, kön er sie nimmer hinein bringen. Ihr bester 24ingenieur ist auch blieben, das also der succurs hoch 25vonöten, vnd die leütt kommen so langsamb. Ewer 26Durchlaucht werden schon gehört haben, wie Brandenburg sich 27nimmer will verstehn, das der Fürst von Anhalt 28vast desperirt drüber ist. Die franzosen haben alles wider 29dort vmbgekert, weil der Anhalt abwesent. 30Saxen kombt, aber langsamb, der Waldek ist nit zu 31bewegen gewesen, die fanterie zue waser lasen zue gehn, 32kan zue land noch in 8 dagen nit kommen. Es 33ist freilich ein schand in einer solchen noht. Der 34König in Polen komt heüt mit dem Herzoch zue 35sammen, hatt die schweren reiter vnd artillerie zue rukh 36gelaßen. Wan nuhr die saxen zuerecht kämen, izt 37marschirn sie woll, wis sie können, aber am 38anfang ist zue langsamb her gangen. Wegen Frankh-


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39reich werden ewer Durchlaucht schon vernommen haben, das ihr Mayestät mit 40den alliirten offerirt über den stillstand zue tractiren, 41gott geb, das Frankreich es acceptire. Bruder Franz wirt 42bey ihr Mayestät verbleiben vnd in kein occasion kommen. 43Er ist auch schon eh resoluirt gewesen, sich nach der 44confirmation geistlich zue kleiden, aber das er es 45vohr der confirmation duen soll, haben alle vermeint 46von nein. Guett wirt es sein, wan er mit dem König 47in Polen bekant wide wirt wegen der nachbarschafft. 48Mihr wehre wohl die gröste consolation gewesen, ewer 49Duchlaucht beyderseits vnterdehnigst zue bedienen, weilen ich aber nie 50gewust, woh wir noch bleiben, ihr Mayestät auch dero hinabreis 51erst nach zuerukhkunft des Markgrauen resoluiren 52werden, also bin ich froh gewesen, das mit wehnig leütten 53mich mit gebettelt. Vnd ich werd das meiste darbey 54leiden, wan mein Kaiser auch solt wekh gehn vnd ich 55in der kindelbett sein, so hab ich gahr niemant 56der mich tröst als gott allein, der ist, der ein trösten 57kan vnd auf den ich mich verlaß. Das ich mein 58Kaiser solt abhalten, wan er ein gloriose operation kann


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59duen, daruohr behütt mich gott, vnd wolt ich lieber 60sterben, dan ich nit werdt were, ewer Durchlaucht vnterdehnigste dochter 61zue sein. Ich verlaß mich auf gott, der wirt ihm 62beystehn vnd mihr auch gnade geben, alles zue überdragen 63vnd villeicht balt nachzue kommen oder noch 64mit zue gehn. Wie es gott schiken wirt, wert ich es 65von seiner hand ahnemmen, darzu bin schon resol- 66uirt. Ist wehnig dran gelegen, ob ich darbey leiden 67due, gott gibt schon genad, schikt einem nit mehr, 68als man dragen kan, auf ihn verlaß ich mich. 69Vnd weil ich mich so woll auf befind, so hoff 70ich, die kindelbet werd auch woll abgehn. Ich werde 71aber in allen gelegenheiten leben vnd sterben 72ewer Durchlaucht 73ganzergebenste trewgehorsamste 74dochter 75EMT 76Lins den 1 septembris 168377Ich hoff, balt zue Regenschpurg 78die gnade zue haben, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue bedienen, wan 79nuhr gott gnad gibt, das mit Wien woll abgeht.