Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Linz am 29.07.1684

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich kan nit gnuechsamb meine vnterdehnigste dankhsagung 3ablegen vohr die gnädigsten wuntsch, so ewer Durchlaucht in dero schreiben vom 421 dis so woll mihr als meinem Josephl duen wollen. 5Er vnd ich mitt allen seinen geschwistert können nit glükh- 6sehliger sein als wan einige occasion kunten haben, 7ewer Durchlaucht zue dienen, vnser schuldichkeit vnd meinem 8verlangen nach. Iezt erwarte wohl hart, bis so 9glükhsehlig werde sein, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue bedien, 10wirt wohl mein gröster trost sein. Ewer Durchlaucht heiliges gebett 11vnd guette wuntsch haben ein guetten effect gehabt, 12dan nachdem die vnsern den 19ten die vntere statt 13zue Offen mit sturm eingenommen, warbey der feindt 14bey 2000 man eingebüeßt, vnd nuhnmehr die obere 15schon beschießen, ist der Herzoch durch eingebung gottes 16den 21ten dis bey der nacht mit der caualerie 17gegen des feints leger marchirt, alwoh sie mit 18dem dag angelangt, den ganzen vohrmitag scharmuzirt,


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19bis sie alle beysammen, so gegen mitag wahr, alsdan 20den feint angegriffen vnd so glükh sehlich, das sie 21ihn völlich in die flucht geschlagen, nah auf 2 stundt 22durch die polaken vnd vngern verfolcht, alle bagage 23vnd zelt wie bey Wien erobert, auch den großen 24fan und etlige stükel, so sich bey sich gehabt. Vnd 25seint ihrer von 3000 bis 4000 auf der wahlstatt 26geblieben, nuhr 2 gefangene gemacht, weil die andren 27alle nidergemacht worden. Dise haben ausgesacht, das 28den 23ten sie hette wollen vnsere attaquiren vnd 29zuegleich ein ausfall duen, welches nit woll hett 30mögen ablaufen, gott sey gedankt, das dem Herzoch 31eingeben, das vohrkumen ist. Sie haben den fanen dem 32feint in Ofen zue zeigen aufgestekt, waruber 33ein gros heülen vnd geschrei von ihnen in der 34statt gehört worden. So hoffe ich, weil sie keinen sucurs 35mehr zue hoffen, werden sie desto balder capitu- 36liren. Der feint seint geweßen von 15 bis 20000, von vnsern


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37seindt nit mehr als 30 doht vnd verwunte, gott sey gedankt. 38Morgen werden das Tedeum hir halten. Gestren seint mihr 39zue Ens gewesen bey den kindren, der Leopoltl 40aber hatt sich vohrgestren abent ein wehnig ein remissio durch 41vellichkeit gezeigt, gestren aber hizl darzu kommen vnd 42gezeigt, das ein ruer wolt werden, welches noch 43heünt continuirt. Die andren kinder haben separirt, 44gott geb das woll ablaufe, die doctor haben gutte 45hoffnung. Ewer Durchlaucht heiliges gebett bey vnser lieben fraw wirt vill 46darzue helfen. Die andren seindt gottlob alle woll 47auf, gott erhalte sie, das nit auch an sie kombt. 48Vom Nostiz hab auch ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 23ten 49mit schuldigstem respect empfangen, werde dero befehl 50fleisig nachkommen, ihn in gelegenheiten zue recomendiren. 51Bitt ewer Durchlaucht vnterdehnigst vmb vergebung, bin neülich 52irr worden mit des schpanischen Botschaffter seinem 53schreiben, schikh es hierbey, wie auch eins von Pater Hipolit .


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54Mein guetter Pater Sauter hatt mihr gott zue sich genommen, 55bin wohl bedrübt vmb ihn, alle leüt beklagen ihn mit 56mihr. Due mich hiermit in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen 57vnd werde sterben 58ewer Durchlaucht 59vnterdehnigst trewgehorsamste dochter 60EMT 61Linz den 29ten julij 1684