Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 06.09.1684
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich bitt vnterdehnigst vmb vergebung, das bey vohriger post mein 3schuldichkeit nit abgelegt. Ich bin ire worden mit dem postdag, 4weils zue Lins am samsdag gangen, hab vermeint, es sey 5hir auch so, vnd wie sie mihrs gesagt, wars zue schpaht. 6Will mich befleisen beßer achtung zue geben, damit ich nimmer 7disen feler begeh. Sag ewer Durchlaucht vnterdehnigsten dankh vohr dero gnädigste 8wuntsch zue meiner niderkunft. Ich vnd meine kinder 9werden vns befleisen, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue dienen, seint so villen 10gnaden nit werd, die vns ewer Durchlaucht erzeigen. Es erfrewet mich 11von herzen zue vernemmen, das ihr Durchlaucht fraw mutter sich widrum 12etwas beßers befinde, hoffe in kurzem dero 13völligen wohlstandt zue vernemmen. Es wirt mihr 14diser winter vill iahr vohr kommen, bis der gewünschte 15früeling mihr die consolation wirt bringen, ewer Durchlaucht bede 16vnterdehnigst zue bedienen, vnd wirt vohr mich ein frohlige oster 17wochen sein, weil ewer Durchlaucht balt darnach dero reis vohrnemen 18werden. Wegen bruder Franz werden ewer Durchlaucht von Pater Hippolit
19vernommen haben, was es vohr ein beschaffenheit hatt wegen 20prestirung des juraments, das er es auch in persona müeße 21denen comissarien ablegen, und ob ewer Durchlaucht liber sehen werden wegen der 22dezens, das es ihr Mayestät selbsten als den comissarien gescheh. Die 23leüt betreffent, wirt ihne niemant verlangen einige 24aufzueladen. Wan es aber wegen des Heimans, so wirt er 25dises doch nit sciniren können, wan er gleich nit her kombt 26auf dise weis, wie ich ewer Durchlaucht schon vohrdisem mehrmahlen 27vnterdehnigst berichtet, dan er ihm selbsten iah nit volgen derf, wan 28er seine einrahtung nit selbsten vohr guett findet. Das 29mein schwestr Maria Sophi wider wohl, freüdt mich. Wegen bruder Friz, 30wan bruder Franz noch solte kommen, welches nach ewer Durchlaucht gnädigstem 31belieben steht vnd ich dises, was oben angezigen, nuhr vnterdehnigst 32erinert, weil ich mein schuldichkeit zue sein erachtet, 33remitire aber alles zue ewer Durchlaucht gnädigsten disposition, also auch 34wegen bruder Fridrich Liebden, wie wohl ihr Mayestät vermeinen, auch in 35der herunter reis wurden ihme die rötte vill vergehn, 36vnd wan er gleich noch einwehnig roht, hatt es niks 37zue bedeüten. Solten aber ewer Durchlaucht gnädigst finden, das bruder Franz nit
38iezt kommen solte, könte etwan auf ein zeit auch bruder Fridrich 39verschoben werden, alles nach ewer Durchlaucht gnädigstem befehl. Den Minkewiz 40hab wider zurukh geschikt, weil des Leßle seine leüt in 41ihrem posto bleiben, bis das regiment zu der armeé komt. 42Die beyrische fanterie wirt izt schon balt zue Offen sein, 43deils der caualerie ist gestren hir ankommen. Wegen 44des Windischgräz, so hatt er mihr auch ein memorial 45geschikt, welches ich ihr Mayestät auch vnterdehnigst überliuert. Ihr Mayestät 46seint so güttich, das sie keinem seine dienst vnbelohnt 47laßen, also werden sich auch außer allen zweifel 48seine dienst entweder auf dise oder doch andre 49weis zue seiner zeit erkennen. Due mich hermit 50in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen vnd sterbe 51ewer Durchlaucht 52Lins den 6 septembris 168453vnterdehnigste trewgehorsamste 54dochter 55EMT 56Hierbey schike vnterdehnigst ewer Durchlaucht widerumb des Windischgräz schreiben 57vnd die antwort von Pater Hippolit . Der Gall ist auch ankomen, 58vermeinet woll auch, es wehre guett, wan mein bruder hier 59her keme vnd ie belder ie beßer. Erwart ewer Durchlaucht gnädigen befehl, ob er 60er wider zurukh soll oder nit.







