Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 19.10.1684

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herzallerliebster herr vatter 2Ich hab aus dero beyden gnädigen schreiben vom 6ten vnd 10ten dis 3mit höchsten freüden dero wohlstandt ersehn, hoffe der 4cattarr werde auch ganz aufgehört haben. Freüet mich, 5das ewer Durchlaucht so einen guetten schpaß gehabt haben, vnd were 6ich woll die glüksehligste gewesen, wan ewer Durchlaucht dort 7hette bedienen können, welches hoffentlich auf den früeling 8hin geschen wirt. Meiner brüder glüklige ankunft werden 9ewer Durchlaucht aus meinen vohrigen vnterdehnigsten schreiben vernommen haben. Ihr Mayestät 10zeigen mit ihrer conduite ein vergnüegen zue haben. Vnd 11kan ich ewer Durchlaucht vnterdehnigst nit verhalten, das ich an bruder Franz, 12sider ich ihn das lezte mahl gesehn, eine große enderung 13zue seinem auantage gefunden, hatt in allem vill zuegenommen 14vnd wirt von allen gelobt. Bruder Friz hatt sich schon auch 15mehr aufgedahn vnd wirt allezeit mehr werden, wan 16vill vnter leüten sein wirt, ist gahr nit so heßlich, 17wie ihn ewer Durchlaucht beschriben haben, vnd wirt ihm das meiste 18noch als auswaxen. Bruder Franz wirt jezt balt das jura-


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19ment ablegen. Der Gall ist noch nit frey von seinem 20fieber, darnach wirt alles vollich aiustirt werden konnen. 21Der Stratman hatt auch wider ein anstos vom fieber 22gehabt, siht übel aus, wehr nit gutt, wan es 23solte wider kommen. Ihr Mayestät haben dasienige, so ewer Durchlaucht 24in der pfelzischen sach geschikt, denen, so die sach vohr 25disem überlegt, geschikt vnd wirt die antwort mit 26nechstem erfolgen. Mein bruder Ludwig betrefent, wolten 27ihr Mayestät ihn gern schiken, aber ist halt jezt niemant 28bey der armeé, dan bede Starenberg kranker wekgefürt 29worden. Izt haben ihr Mayestät zwar den Margkraf Herman 30hinunter geschikt, aber er allein kans nit alles duen, 31insonderheit weil mit Offen iezt in crisi ist. 32Bis den ausgang darfon sehen, welchen der almechtig 33glükhlich verleyen wolle, zue deme auch, weil der 34Kuhrfürst wider beßer, nit so periculum in mora 35vnd die quartana bey den jungen leüten nie gefährlich 36ist, wird er bleiben, solte man aber etwas weiter hören, wurden ihr 37Mayestät gern mein bruder schiken. Wan mit Offen ein ent wirt, 38so wirt die campagne sich balt enden, gott geb sein


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39gnad, das woll möge abgehn vnd steh ihnen bey. Wegen Portugal 40wehre übel, wan eine solt nemmen, die von Frankhreich 41dependirte, müeßen halt erwarten, wis gott schiken wirt. 42Due mich hiermit ewer Durchlaucht vnterdehnigst befehlen vndt werde 43sterben 44ewer Durchlaucht 45vnterdehnigst trewgehorsamste dochter 46EMT 47Wien den 19ten octobris 1684