Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 02.12.1684

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Das ich dero gnädige schreiben vom 10ten, 17ten vnd 20ten dis nit 3ehender meiner schuldichkeit nach beantwortet, 4ist bey vohriger post die reis auf Closterneüburg 5schuldich gewesen, vnd ich izt vermeint, das meine 6brüeder vohr der ordinari sich bey ewer Durchlaucht 7einfinden werden. Es erfreüet mich vonherzen zue 8vernemmen, das sich ewer Durchlaucht in guettem wohlstandt 9befinden, der almechtige geb weiters sein gnad. Was mihr 10ewer Durchlaucht gnädigst befohlen wegen Portugal, hab ich ihr Mayestät 11vnterdehnigst beygebracht. Sie haben vohr guett befunden, bede 12schreiben an König vnd die verwittibte Konigin 13zurukh zue behalten (welche ich ewer Durchlaucht hierbey gehorsamst 14überschike, des König seins, damit es nit in der canzlei 15kome, weil es ewer Durchlaucht auch so vohr guett befinden, der 16Konigin ihres, dieweil sie niks anderst duen könte als 17den einschluß dem König geben, welcher es doch durch den 18Primo Ministro, geheimen raht vnd canzlei wurde vohr 19nemmen laßen. Also werden ihr Mayestät das creditiu durch 20den Hoffcanzler dem hiesigen Botschafter schiken, damit 21er es durch den Primo Ministro negotire, vnd wan 22sie das creditiu villeicht nit hinein schiken wollen, solchs


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23widerumb zuruckh kommen möge. Ihr Mayestät werden 24es auch in ihrem schreiben der verwibten Königin 25recomendiren, damit sie ihre officia darbey 26einwende. Wegen der pfälzischen sach komt auch die 27expedition hierbey, vnd weil ihr ihr Mayestät eracht, das mein 28bruder in der nehet zue sein vill darbey nüzen werd 29konnen, als haben sie ihn gleich mit schiken wollen. Es 30ist freilich hoch zue beklagen, das Offen haben verlaßen 31müeßen, ihr Mayestät werden wohl alles möglige anwenden, so 32wohl guette officir, so dise sachen verstehn, als auch 33ein starke hülf aus dem Reich zue erwerben, 34gott wolle sein gnad darzu geben. Das mein brueder Friderich 35glüklich ankommen vnd nuhnmer sein reis in Italien 36wirt angetretten haben, wolle ihnen deralmechtige verleyen, 37das sie mit allem glükh mögen widerumb zuerukh komen. 38Mein bruder, der Bischoff, wirt auch izt balt wekh. 39Es ist woll ein contratempo, das izt der Gall 40gestorben, welcher schon von allem informirt wahr 41vnd alles zimlich woll eingericht hatte. Ihr Mayestät haben 42vohr guett befunden, das der Hamilton derweil mit 43ihm hinein soll, bis ihr Mayestät wider ein andren hoffmeister


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44vohr ihn finden, der dauglich möge sein. Es ist ein 45gewißer von Turn im vohrschlag, der wehre woll der 46beste, wan ers nuhr animbt, er ist in Behem gewesen, 47dort hab ich ihn gesehen, ein gescheider frommer man 48vnd ein gueder wirt von guettem haus. Von der 49prager reis ist ganz kein gedanken, aber die 50leüt habens hier auch schon längst gesacht. Iezt 51gleich bekomme ich ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 24ten 52passato. Die expedition wegen Heidelberg kombt 53hierbey, wegen der abordnung werden ihr Mayestät bedacht 54sein, mit dem Seiler werden sie auch reden laßen, 55vnd ist eben guet, das izt ewer Durchlaucht das geschriben, den 56in wehnig dagen wirt er auf Paris von ihr Mayestät 57geschikt. Wegen des Grauen von Öting werden ewer Durchlaucht 58auch schon vernemen von ihr Mayestät, was dero meinung 59ist. Seine dochter belangent werde gern duen, 60was werde können vnd es auch ihr Mayestät vohrdragen, 61freüdt mich, das sein elter dochter wohl versorgt ist.


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62Es wirt meines bruder Carl Obrist Leütnant her 63kommen, also haben ihr Mayestät vohr guett befunden, 64das er so lang hier verbleibe, damit er sich 65mit ihm des regiments halbe vnterede vnd 66in ein vnd andren information einnemme. 67Wan ewer Durchlaucht aber anderst verlangen, das er 68soll kommen, so wollen ewer Durchlaucht nuhr gnädigst befehlen, 69so wirt er gleich abreisen. Due mich hermit 70vnterdehnigst in ewer Durchlaucht gnade befehlen, die ich sterben werde 71ewer Durchlaucht 72vnterdehnigst trewgehorsamste dochter 73EMT 74Wien den 2ten decembris 1684