Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 01.02.1685

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9

Ausfertigungeigenhändig

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1Durchleüchtiger Fürst, herz allerliebster herr vatter 2Mitt großen freüden hab ich aus dero gnädigem schreiben vom 19ten 3passato ersehen, das sich ewer Durchlaucht in guettem wohlstandt 4befinden. Dero große güette ist ein vhrsach, das sie 5das bilt von meim Josephl ingnaden angenommen vnd 6mihr die küenheit, so ich mich vnterfangen, gnädigst vergeben. 7Es wehre ihm alzue große gnad, das ewer Durchlaucht sich 8wegen des kint einige vngelegenheit mit schreiben 9machen solten, vnd schäme ich mich, das ewer Durchlaucht zue diesem 10ein erlaubnus begeren, doh sie mit mihr vnd allen den 11kindern zue schaffen haben, die ich alle in dero vatterligen 12schoß legen vnd zue gnaden vnterdehnigst befehle. Die Erzherzogin 13wirt woll ein freüdt haben, wie auch mein brueder, 14bruder Carl zue sehn. Den Zweyer betrefendt, so ist 15er zwahr bis auf den doht gewesen, soll aber etwas 16beßer seyn, obs aber continiuiren wirt, steht man 17ahn, wirt sich, wan er auch daruon kombt, langsamb 18erholen, auch zue dem wurde er schwehrlich bede schargen 19versehen können, ihn deme offt die regimenter verdeilt


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20werden vnd der obristwachtmeister von seinem obristen an separirt 21ort comendirt wirt oder auf partey oder wan er die wacht 22hatt, das also mein brueder wehnig bedient sein wurde. 23Meine vnmasgeblige einfeltige weiber meinung wehre, 24das sein hoffmeister woll ein soldat, aber nit in 25würkligen kriegsdiensten sein soll, damit er ihn desto 26fleisiger bedienen könne. Wan er entlich nuhr 27from vnd ein guetter wirt, das übrige mues 28er von den generales lernen. Beßer zwahr wehre, 29wan man einen finden könt, der das soldaten 30hantwerkh verstüent. Ich hab hin vnd her gedacht, 31will mihr keiner beyfallen, will mich aber weiters 32erkundigen vnd ewer Durchlaucht vnterdehnigst berichten. Was den Deütsch 33Meister anbelangt, hab ich schon bey vohriger post vnterdehnigst 34vberschriben, das ewer Durchlaucht die sag beßer verstehen als ich, 35also nach dero höchsterleüchten meinung dises machen 36wollen. Es ist mihr woll herzlich leid das vnglükh, 37in welches er mit schpilen kommen, bitte aber ewer Durchlaucht 38vnterdehnigst, sie wollen doch deswegen keine vngnad auf ihn werfen. 39Er ist redlich darzue verführt worden, gott wirt schon 40helfen, das er mit repatation aus diesem labirint komen


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41möge. Der vohrschlag mit der anweisung gefalt mihr nit 42übel, hatt doch der Cuhrfürst auch angewisen, man mues 43sehen, was sich wirt duen lasen, wan der Cuhrfürst 44wider her kombt. Bitt nochmahlen, ewer Durchlaucht wollen ihm 45nit vngenädich sein, dan dieses ihme zum ehisten 46zue einer desperation bringen möchte, dan ich 47weis, wie hoch er zue herzen nimbt ewer Durchlaucht 48gnade oder vngnade zue haben, dises wurd ihm mehr als 49alles andere schmerzen. Wegen Heidelberg, was die bede 50erste puncten anlangent, werden ihr Mayestät selbige 51ehistens widerumb überlegenlaßen, die leztere wegen 52des Reifenbachs, so haben gemeint, er sey caluinisch, 53welches ein mehrere dificultet wurde geben, aber ewer 54Durchlaucht wollen es ihme nit sagen dise vhrsach. Wan 55er lutrisch, werden ihr Mayestät, glaub ich, kein bedenken haben, 56ihr Mayestät werden ewer Durchlaucht selber schreiben. Ich due mich 57auch hiermit in ewer Durchlaucht gnade vnterdehnigst befehlen vnd 58werde sterben 59ewer Durchlaucht 60vnterdehnigste trewgehorsamste dochter 61EMT 62Wien den 1ten februarij 168563Hab vergeßen ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue berichten, 64das morgen der Carl von Wallenstein zue 65mein Obristhoffmeister wirt declarirt werden, der Schwarzenberg wirt Hoffmarschall.