Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Wien am 29.03.1685
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kasten blau, 45/9
1Durchleüchtiger Fürst herzallerliebster herr vatter 2Ewer Durchlaucht gnädiges schreiben vom 16ten dis hab mit schuldigstem 3respect erhalten. Ewer Durchlaucht haben gahr zue große gütte, 4das sie mihr meine begangene fäler so gnädigst vergeben. 5Erfrewet mich auch von herzen zue vernemmen, 6das sich ewer Durchlaucht allerseits in guettem wohlstandt 7befinden. Ist mihr woll herzlich leidt, das wegen der 8hochzeit vmb so vill lenger des trosts beraubt 9werde sein, ewer Durchlaucht vnterdehnigst zue bedienen. Es ist 10annoch eigentlich nit determinirt, wan sie sein 11wirt, aber doch auf alle weis vohr der cam- 12pagne. Es seint die beyrische anuoyes noch 13nit hier angelangt, wan sie werden kommen, 14wirt erst dißes alles stabilirt werden, werde nit 15vnterlaßen ewer Durchlaucht alles gleich vnterdehnigst zue berichten. 16Wegen Heidelberg müeßen halt erwarten, was gott 17wirt machen. Wegen des Pfluech hab ich ewer Durchlaucht 18bey vohriger post vnterdehnigst bericht, wegen des Reichen-
19bach werden ewer Durchlaucht die versicherung schon empfangen 20haben. So wirt auch vermuetlich der Starenberg und21auch der Öting woh nit schon bey ewer Durchlaucht, doch auf 22das ehiste ankommen. Wegen des Prins Louis, 23mueß er halt warten, steht an dem, wan mit 24Portugal niks solte sein, ob ewer Durchlaucht alsdan auf 25ihn incliniren oder nit. Sonst were es beßer, 26man saget es balt, damit er vmb ein ander 27partij schawen möge. Der Josephl hatt woll 28wider ein große freüdt mit ewer Durchlaucht gnädigem schreiben, 29aber ist woll gahr zue vill, das ewer Durchlaucht wegen 30des kints so vill sich bemüehen. Ich beken mein 31schuld, hab vergeßen vnd es erst heündt schpaht ihm geben, 32also das er nimmer darauf sein gehorsamste dankhsagung 33ablegen kan, wirt aber mit nechstem geschen. 34Das der König in Engelandt catolisch gestorben, 35ist sich billich zue erfrewen vnd die gütte des 36allerhöchsten zue preisen. Diser König hebt es generos 37an, der almechtige wolle ihm beystehn, das dißes 38landt widerumb zue dem liecht des wahren glauben
39möge gebracht werden. Wegen des Hamilton hab ich nuhr, 40was ich geschrieben, aus vnterdehnigster deuotion gedahn, weil 41man hier daruon gerett, dan ob er zwar Obristleütenant, 42so ist sein regiment nit mit gewesen vnd er 43also vohr Rittermeister dienen müßen, welches heier 44wider so gehn wirt. Er weis ganz niks daruon, 45das ich das geschrieben vnd glaub ich woll, das 46er nit gern wurd daruon bleiben, dan sie ihn alle 47loben, das er sich die 2 campagnen, so er 48gedahn, gahr wohl verhalten habe vnd man ihn 49also keiner lasceté bezeigen könte. Ich hab nuhr 50glaubt, es sey zue ewer Durchlaucht dienst, darumb 51hab es geschrieben. Due mich hermit vnterdehnigst in 52ewer Durchlaucht gnade befehlen, die ich sterben werde 53ewer Durchlaucht 54vnterdehnigste trewgehorsamst dochter 55EMT 56Wien den 29ten merz 1685





